. RWI-Studie

Kinderkriegen hält Frauen vom Rauchen ab – selbst Jahre nach der Schwangerschaft

Der Effekt der Schwangerschaft auf das Rauchverhalten von Müttern ist viel größer als bislang angenommen. Das zeigt eine Studie des RWI und der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. Viele Frauen hören demnach schon beim Entschluss, Kinder zu kriegen, mit dem Rauchen auf. Alarmierend sei allerdings, dass jede siebte Frau noch nach dem vierten Monat raucht – und damit ihr ungeborenes Kind schädigt.
Schwangere Frau raucht Zigarette

Das Baby raucht mit: Viele Frauen hören deshalb mit dem Rauchen auf – manche schon vorm Kinder-Machen, andere in der Schwangerschaft, weitere beim Kinder-Großziehen.

Dass Rauchen in der Schwangerschaft schädlich für das Kind ist, steht wissenschaftlich mittlerweile außer Frage. Doch wie viele werdende Eltern aufgrund der Schwangerschaft auch langfristig mit dem Rauchen aufhören, ist bislang nur wenig erforscht. Diese Lücke haben jetzt Wissenschaftler des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI und der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) geschlossen und erstmals langfristige Änderungen des Rauchverhaltens bis zu 20 Jahre nach einer Schwangerschaft untersucht. Wie die Ergebnisse zeigen, haben Kinder auch nach der Geburt einen langfristigen Effekt auf das Rauchverhalten der Mütter: Selbst 18 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes lässt sich ein statistischer Unterschied im Rauchverhalten zwischen Müttern und vergleichbaren Frauen ohne Kinder nachweisen.

Studie Rauchverhalten und Schwangerschaft: zentrale Ergebnisse

  • Rund 60 Prozent der Frauen, die vier Jahre vor der Geburt noch Raucherinnen waren, rauchen im Jahr der Geburt ihres ersten Kindes nicht mehr.
  • Im zweiten Drittel der Schwangerschaft ist dieser Effekt am stärksten. Die Zahl der rauchenden Frauen sinkt zu diesem Zeitpunkt um rund 75 Prozent.
  • Viele Frauen hören schon nach dem Entschluss, Nachwuchs zu bekommen, mit dem Rauchen auf, also bereits ohne schon schwanger zu sein. Der Raucheranteil unter den Frauen sinkt deshalb schon einige Jahre vor der ersten Geburt signifikant.
  • Ob eine Geburt auch das Rauchverhalten von Vätern beeinflusst, kann die Studie dagegen nicht eindeutig zeigen. In jedem Fall scheinen die Effekte für Männer deutlich geringer zu sein.

 „Schwangerschafts-Effekt größer als bisher angenommen“

„Der Effekt der Schwangerschaft auf das Rauchen ist offenbar noch größer als bisher angenommen“, sagt Marcus Tamm, einer der Autoren der Studie. Erstmals habe nun belegt werden können, dass eine Schwangerschaft viele Mütter auch langfristig vom Rauchen abhält.

Rauchverhalten in der Spätschwangerschaft oft „alarmierend“

Sorgen machen sich die Studienautoren allerdings um die Frauen, die nicht einmal in der entscheidenden zweiten Hälfte der Schwangerschaft an mögliche Folgen für die Gesundheit ihres Kindes denken. Trotz positiver Grundtendenz zeigt die Studie nämlich auch, dass immer noch jede siebte Schwangere nach dem vierten Monat der Schwangerschaft raucht. Davon sind besonders Frauen betroffen, die Kette rauchen, und solche mit niedrigem Bildungsniveau betroffen. Ko-Autorin Katja Görlitz sagt kritisch: „Dass immer noch jede siebte Frau nach dem vierten Schwangerschaftsmonat raucht, ist alarmierend. Hier besteht offensichtlich weiterer Aufklärungsbedarf, wie schädlich das Rauchen für ungeborene Kinder ist.“

Rauchen in der Schwangerschaft: Die Gefahren für Mutter und Kind

  • Giftstoffe aus dem Zigarettenrauch gelangen über die Nabelschnur zum Embryo.
  • Die Giftstoffe stören auch die Durchblutung der Plazenta. Dadurch ist die Sauerstoffversorgung des Babys gedrosselt.
  • Kettenraucherinnen haben fast dreimal so oft eine Fehl- oder Frühgeburt wie Nichtraucherinnen.
  • Kinder von Raucherinnen entwickeln sich schlechter und kommen oft schon mangelernährt auf die Welt.
  • Bei den Kindern von starken Raucherinnen treten manche Krebsformen häufiger auf.
  • Bei Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist das Risiko für Thrombosen allgemein schon um das 20-Fache erhöht. Bei Raucherinnen verdoppelt sich dieses Risiko noch einmal.

(Quelle: Berufsverband der Frauenärzte, BVF)

Foto: AdobeStock/fresnel6

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