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Kinder und Jugendliche: Immer mehr Unfälle durch Smartphone-Nutzung

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden in Unfälle verwickelt, weil sie durch ihre Smartphones abgelenkt sind. Mediziner des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) haben nun die weltweit erste Fall-Serie von Smartphone-bezogenen Unfällen bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.
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Sogenannte "Smombies" gefährden sich und andere im Straßenverkehr

„Smombies“ – so heißt das Kunstwort, das aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombies“ zusammengesetzt ist und Menschen bezeichnet, die durch den ständigen Blick auf ihr Handy so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. Im Straßenverkehr ist das besonders problematisch, denn durch die Ablenkung fehlt auch der Blick für mögliche Gefahren. Und nicht nur das: „Smombies“ werden selbst zur Gefahr für andere, indem sie mit Fußgängern oder Radfahrern zusammenstoßen und über die Straße laufen, ohne auf den Verkehr zu achten.  

Ärzte der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) haben nun die weltweit erste Fall-Serie von Unfällen bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, bei denen die Nutzung von Smartphones eine Rolle spielte. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Pediatric Emergency Care“ veröffentlicht. Untersucht wurden Behandlungen aus den Jahren 2008 bis 2018. Ein erster Fall trat 2012 auf. Seitdem mussten am UKL zehn Mädchen und Jungen nach Smartphone-Unfällen stationär behandelt werden.

Nicht nur beim Autofahren ist Ablenkung durch Smartphones gefährlich

Den meisten Menschen ist bekannt, dass es gefährlich ist, beim Autofahren das Handy zu benutzen. Doch auch Fußgänger, die im Straßenverkehr auf Smartphones starren, tragen zum erhöhten Unfallrisiko bei. Besonders junge Menschen sind offenbar betroffen. Während sie gebannt auf das Display ihres Smartphones schauen, Textnachrichten eingeben oder über Kopfhörer Musik hören, übersehen sie mögliche Gefahren im Straßenverkehr. Insbesondere leise Straßen- und Stadtbahnen werden dann zur Gefahr.

Für die aktuelle Studie untersuchten Kinderchirurgen des UKL alle Behandlungsfälle an ihrer Klinik, in denen das Smartphone eine Rolle spielte. Dabei wurden die Patienten auch dahingehend eingeteilt, ob ihre Rolle beim Unfall aktiv oder passiv war. Neben nur zwei Passiv-Fällen, in denen Kleinstkinder leichte Blessuren erlitten, weil ihre Eltern sie mit dem Smartphone verletzten, waren acht Fälle mit aktiver Rolle zu verzeichnen.

 

Mädchen sind offenbar stärker gefährdet

Bestätigen konnten die Mediziner, dass vor allem Mädchen einer gewissen Smartphone-Sucht verfallen: Auch in der Fall-Serie der Leipziger Kinderchirurgen standen nur in zwei der zehn Fälle Jungen im Zentrum des Geschehens.

Mehrere Mädchen erlitten schwere Verletzungen: So erlitt eine 16-Jährige ein schwere Wirbelsäulentrauma und Schnitte an der Hand, als sie durch ein Glasdach fiel, während sie versuchte, ein Selfie zu machen. Einem anderen Mädchen im gleichen Alter rollte ein Auto über die Hand, als sie ihr Smartphone von der Straße aufheben wollte.

Schutzmaßnahmen wichtig

Professor Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am UKL, zeigt sich beim Blick auf die mögliche Entwicklung derartiger Unfälle pessimistisch: „Bald werden wir den ersten Todesfall in Deutschland erleben. Da bin ich mir ziemlich sicher“, so der Klinikdirektor.

Um ein weiteres Ansteigen der Unfallzahlen zu reduzieren, sollten nach Lachers Ansicht auch die Erziehungsberechtigten ihre Vorbildrolle ernstnehmen. Doch auch andere Maßnahmen sind möglich. „Im US-Bundesstaat Hawaii ist es illegal, eine Straße zu überqueren, während man auf das Smartphone schaut“, so Lacher. Mit China, den USA, Belgien und Litauen gibt es zudem vier Länder, in denen eigene „Smombie-Pfade“ eingerichtet wurden, spezielle Fußwege für unaufmerksame Smartphone-Nutzer. In den Niederlanden finden sich hingegen bereits zwei Städte, in denen Fußgängerampeln am Erdboden montiert sind. Diese Idee findet auch Lacher sinnvoll.

Experten gehen von hoher Dunkelziffer aus

Wieviele Menschen deutschlandweit von Smartphone-bezogenen Unfällen betroffen sind, ist unbekannt. Die Dunkelziffer dürfte jedenfalls hoch sein, denn viele Verletzte gehen gar nicht zum Arzt oder geben das Mobiltelefon nicht als Grund der Verletzung an. Auch bei Autofahrern kann die Zahl der Unfälle aufgrund von Smartphone-Nutzung nur geschätzt werden, denn die offizielle Verkehrsstatistik kennt die Unfallursache „Smartphone“ noch gar nicht. Und in Deutschland wird nicht einmal, wie zum Beispiel in Österreich, die Ablenkung des Fahrers als Ursache erfasst. Experten gehen jedoch von etwa 300 Verkehrstoten aufgrund von Smartphone-Nutzung aus.

Foto: © Onidji - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Prävention und Reha
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