Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
10.02.2020

Kinder aus Suchtfamilien: Experten fordern Politiker zum Handeln auf

Kinder aus suchtbelasteten Familien entwickeln selbst später überdurchschnittlich häufig psychische Erkrankungen. Sie brauchen dringend mehr Unterstützung von außen. Doch für professionelle Hilfe fehlt häufig das Geld.
Kinder aus Suchtfamilien

Kinder aus suchtbetroffenen Elternhäusern werden häufig physisch oder psychisch vernachlässigt

Etwa drei Millionen Kinder leben in Familien, in denen mindestens ein Elternteil abhängig ist – von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen. Kinder von Suchtkranken (auch bezeichnet als COAs: Children of Alcoholics / Children of Addicts) haben dabei ein besonders hohes Risiko, später selbst eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung zu entwickeln. Studien weisen darauf, dass die Schädigungen dieser Kinder zu Kosten für das Gesundheitssystem in Milliardenhöhe führen. Doch das Leid der Betroffenen wiegt viel schwerer. Um auf die Problematik von Kindern aus Suchtfamilien aufmerksam zu machen, findet daher jedes Jahr im Februar die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt.

Flächendeckendes Unterstützungssystem gefordert

Die in diesem Jahr vom 9. bis 15. Februar stattfindende Aktionswoche zielt aktuell vor allem darauf ab, möglichst viele Abgeordnete des Bundestages zu erreichen. Der Hintergrund: Eine vom Bundestag eingesetzte Arbeitsgruppe sollte unter anderem die Voraussetzungen dafür schaffen, dass bestehende kommunale Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche personell und finanziell ausgebaut werden. So sollte ein flächendeckendes und regelfinanziertes Unterstützungssystem geschaffen werden, das bisher fehlt. Denn heute werden nur sehr wenige der betroffenen Kinder und Jugendlichen erreicht.

Leider, so teilen Experten der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien mit, konnte man sich jedoch nicht über konkrete Finanzierungsmodelle für viele der dringend erforderlichen Hilfeangebote einigen. Der Bericht der Arbeitsgruppe spiegelt demnach einen Minimalkompromiss wider, der große Lücken aufweist.

 

COAs wachsen unter besonders schwierigen Umständen auf

Für Kinder aus Suchtfamilien sind die Lebensumstände in besonderem Maße erschwert. Häufig wird die Erziehung vernachlässigt, die Kinder entwickeln oft Schuldgefühle und sind von sozialer Isolation bedroht. Zudem führt das unberechenbare Verhalten der Eltern zu starken Unsicherheiten, Ängsten und Schwankungen des eigenen Selbstwertgefühls.

Die Langzeitfolgen dieser Einflüsse sind schwerwiegend. Untersuchungen konnten zeigen, dass ein Drittel der Kinder, deren Eltern süchtig sind, selbst eine Suchterkrankung entwickelt. Ein weiteres Drittel leidet später an einer anderen psychischen Störung.

Kinder suchtkranker Eltern brauchen daher dringend Zuwendung von vertrauenswürdigen Erwachsenen außerhalb ihrer Kernfamilie. Das können Verwandte sein, aber auch Lehrer, Erzieher, Kinderärzte oder Sozialarbeiter. Wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass sie keine Schuld an der Suchterkrankung tragen und dass sie sich anderen Menschen anvertrauen können. Kommunale Hilfsangebote können hier Unterstützung bieten.

Foto: © dmitrimaruta - stock.adobe.com

Foto: ©dmitrimaruta - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitspolitik , Kinder , Sucht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kinder suchtkranker Eltern

08.09.2017

Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.

Sind die Eltern alkohol- oder drogenabhängig, leiden deren Kinder sehr darunter. Zudem ist ihr Risiko, später selbst eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung zu entwickeln, signifikant erhöht. Darauf hat Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2017 aufmerksam gemacht.

06.06.2020

Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, leiden darunter häufig ihr Leben lang. Doch Hilfe ist möglich. Das Wichtigste für die betroffenen Kinder ist, eine vertrauensvolle Beziehung zu Menschen außerhalb der Kernfamilie aufzubauen – und zu begreifen, dass sie nicht Schuld an der Krankheit ihrer Eltern sind.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der Diabetesfälle ist dabei zu explodieren – in Deutschland wie weltweit. Die WHO spricht schon jetzt von einer weiteren „Pandemie“. Ein Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt, was jeder Einzelne selbst tun kann und sollte, um sein persönliches Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren.


 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin