Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Killerzellen im Bauchfett begünstigen Diabetes

Samstag, 8. Juli 2017 – Autor:
Im Bauchfett tummeln sich jede Menge Hormone und Immunzellen. Forscher konnten jetzt bestimmte Killerzellen dingfest machen, die zu Diabetes führen. Bei Übergewichtigen sind diese sogenannten NK-Zellen anders zusammengesetzt als bei schlanken Menschen.
Übergewicht bringt das Immunsystem in Dauerstress. Eine Folge davon ist Diabetes

Übergewicht bringt das Immunsystem in Dauerstress. Eine Folge davon ist Diabetes

Es ist bekannt, dass Übergewicht das das Immunsystem dauerhaft aktiviert. Besser gesagt, es leidet an chronischem Stress. Das ist einer der Gründe, warum Übergewichtige besonders oft Diabetes, Krebs und Schlaganfälle bekommen.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung und der Uniklinik in Köln haben nun eine Gruppe von Immunzellen im Fettgewebe übergewichtiger Patienten entdeckt, die das Risiko für Diabetes erhöht. Es handelt sich um sogenannte NK-Zellen, die auch als Killerzellen dienen, weil sie Viren und Krebszellen bekämpfen. In übergewichtigen Mäusen sind in den Killerzellen jedoch andere Gene aktiv als in Tieren mit Normalgewicht. Dadurch verstärken die Zellen den Stress für das Immunsystem und tragen so dazu bei, dass eine Insulinresistenz entstehen kann – die Vorstufe von Diabetes. 

Diät senkt das Diabetes-Risiko deutlich

Die Zusammensetzung der NK-Zellen unterscheidet sich bei schlanken und adipösen Probanden, wie die Forscher berichten. Blutproben von fettleibigen Patienten zeigten, dass die Killerzellen ein ähnliches Genprofil wie fettleibige Mäusen besitzen. „Unterzogen sich unsere fettleibigen Patienten einer radikalen Diät, bei der sie bis zu 30 Kilogramm abnahmen, verringerte sich zeitgleich die Anzahl an veränderten Killerzellen und das Risiko der Patienten für Diabetes“, so Sebastian Theurich, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung und Hämato-Onkologe an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln.

In Untersuchungen mit Mäusen kamen die Forscher zum gleichen Ergebnis: Auch bei den kleinen Nagern konnten sie das Risiko für Diabetes senken, wenn sie diese genetisch so veränderten, dass die Untergruppe an veränderten Killerzellen bei fettreicher Ernährung nicht mehr entstehen konnte. Ohne diese Killerzellen nahmen die Mäuse also trotz fettigem Essen nicht weiter zu und entwickelten auch keine Insulinresistenz.

Forscher hoffen auf neue Therapien

„Diese Untergruppe von Killerzellen könnte einen guten Angriffspunkt für neue Therapiemöglichkeiten darstellen, wenn es uns gelingt, diese Zellen gezielt auszuschalten“, erklärt Theurich. Die Wissenschaftler wollen daher jetzt genau die Gene finden, die die Killerzellen auszeichnen und angreifbar machen.

Unklar ist noch, ob eine Ausschaltung der Killerzellen nicht andere Gesundheitsgefahren mit sich bringt. Denn  NK-Zellen haben eine wichtige Funktion bei der Krebsabwehr. 

 
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Übergewicht , Immunsystem , Diabetes
 

Weitere Nachrichten zum Thema Übergewicht

15.01.2019

Wer abnehmen will, muss sich oft erst im Dschungel der angebotenen Diäten zurechtfinden. Nun wurde in den USA die Mittelmeerdiät zur gesündesten und erfolgreichsten Diät gewählt. Damit wird eine Reihe früherer Studien bestätigt.

Übergewicht im Jugendalter legt den Grundstein für Herz-Kreislauferkrankungen. Eine Studie mit 3.000 Teenagern untermauert das jetzt. Klinische Parameter wie Bluthochdruck und Größe des Herzens waren bereits im Alter von 21 Jahren verändert.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin