. Pertussis

Keuchhusten: Impfschutz kürzer als gedacht

Zu wenige Erwachsene frischen ihren Impfschutz gegen Keuchhusten (Pertussis) auf. Das ist besonders problematisch, da die Schutzwirkung offenbar kürzer ist als bisher angenommen. Das zeigen neue Daten aus den USA.
Keuchhusten-Impfung wirkt kürzer als gedacht

Die Keuchhusten-Impfung muss immer wieder aufgefrischt werden

Die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) fristet bei Erwachsenen in Deutschland ein Schattendasein. Zwar erhalten viele die empfohlene Grundimmunisierung im Säuglingsalter und meistens auch noch die jeweiligen Auffrischungsimpfungen im Kindes- sowie im Jugendalter. Doch an die ebenfalls empfohlene Auffrischung als Erwachsener denken nur die wenigsten. Einer Umfrage zufolge haben sich nur 7,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gegen Keuchhusten impfen lassen. Dabei ist das Ziel der Impfungen vor allem eine gute Herdenimmunität, um Säuglinge vor einer für sie lebensbedrohlichen Ansteckung im ersten Lebensjahr zu schützen.

Impf-Schutzwirkung gegen Keuchhusten lässt schnell nach

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bei der Keuchhusten-Impfung eine sogenannte Kokon-Strategie: So sollen sich alle Kontaktpersonen von Säuglingen - Eltern, Geschwister, Großeltern, Betreuuer - gegen Pertussis impfen lassen. Dies erscheint besonders wichtig, wenn man neue Erkenntnisse berücksichtigt, zu denen US-Forscher gelangt sind.

Nach einem Keuchhusten-Ausbruch im Jahr 2012 unter Jugendlichen im US-Staat Washington haben die Wissenschaftler die Dauer des Impfschutzes gegen Keuchhusten bei den Betroffenen ermittelt. Unter den Erkrankten waren 450 komplett geimpfte 12- bis 19-Jährige gewesen. Die Analyse der Forscher zeigte, dass der Impfschutz insgesamt bei knapp 64 Prozent lag. Am höchsten war der Schutz bei denjenigen, bei denen die letzte Impfung erst ein Jahr zurücklag; bei ihnen betrug er noch 73 Prozent. Doch schon zwei bis vier Jahre später sank der Impfschutz auf nur noch 34 Prozent.

Nach diesen Daten ist es zweifelhaft, ob die empfohlenen Auffrischungsimpfungen nach der Grundimmunisierung in Deutschland überhaupt ausreichen. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Schutzwirkung der Keuchhusten-Impfungen im Kindes- und Jugendalter etwa 10 bis 20 Jahre anhält.

Keuchhusten besonders für Säuglinge gefährlich

Keuchhusten beginnt in der Regel mit grippeähnlichen Symptomen, zu denen dann ein wochenlanger quälender Husten auftritt. Die Hustenanfälle können so schwer sein, dass es zu Erbrechen und sogar zu Leisten- oder Rippenbrüchen kommen kann. Normalerweise dauert es mehrere Wochen bis Monate, bis der Erkrankte wieder gesund ist.

Besonders gefährlich ist Keuchhusten für Säuglinge. So kann es bei ihnen in der Folge der Infektion zu Lungen- oder Mittelohrentzündungen kommen. Etwa ein Prozent der betroffenen Kinder unter sechs Monaten stirbt an der Erkrankung. Keuchhusten kann auch bleibende Schäden an der Lunge oder den Bronchien hinterlassen. Nach den neuesten Erkenntnissen scheint es noch wichtiger zu sein, auch als Erwachsener an die Auffrischungsimpfungen zu denken. Die Immunisierung bei Erwachsenen erfolgt durch eine Kombinationsimpfung gegen Keuchhusten, Tetanus und Diphterie.

Foto:  © absolutimages – Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Impfen

| Schon heute müssen Eltern müssen vor dem Kita-Eintritt ihres Kindes eine ärztliche Impfberatung nachweisen. Nach einem neuen Gesetzesentwurf sollen Kitas künftig verpflichtet werden, Eltern ohne diesen Nachweis beim Gesundheitsamt zu melden. Impfen lassen muss sich aber deswegen niemand.
| In Deutschland gibt es immer mehr Fälle von Keuchhusten (Pertussis). Experten machen dafür vor allem Impflücken verantwortlich. Besonders gefährlich ist die Erkrankung für Säuglinge – bei ihnen kann Keuchhusten sogar tödlich verlaufen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.