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Kerzen, Glühwein, Plätzchen backen: Wie man Kinder vor Verbrennungen schützt

Samstag, 11. Dezember 2021 – Autor:
Nie im Jahr wird im Haushalt mit so viel offenem Feuer und heißen Dingen hantiert wie in der Weihnachtszeit. Passieren hier Unfälle, können sie für Kinder besonders folgenschwer sein. Eine Tasse Tee genügt, um 30 Prozent der Haut eines Kindes zu verbrühen – schon 10 Prozent sind lebensgefährlich. 20 Tipps von Experten, um Kinder vor Verbrennungen und Verbrühungen zu schützen.
Kleines Mädchen schaut gebannt auf eine Weihnachtskerze.

„Heiß“ gehört zu den ersten Wörtern, die Kinder kennen – zu Recht: Verbrennungen und Verbrühungen sind für die zarte Kinderhaut besonders schlimm. – Foto: AdobeStock/famveldman

So feierlich die Weihnachts- und Silvesterzeit ist – so gefährlich ist sie für Kinder. Einerseits, weil im Haushalt viel mehr mit offenem Feuer und heißen Flüssigkeiten und Dingen hantiert wird als sonst im Jahr. Andererseits, weil Phänomene wie Kerzenlicht, Kaminfeuer oder Silvesterböller auf Kinder eine besonders große Faszination ausüben. „Eine Tasse Tee reicht aus, um fast 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verbrühen“, sagt Annika Steinbrink, Chefärztin der Kinderchirurgie an der Helios-Mariahilf-Klinik Hamburg. Schon mit einfachen Maßnahmen lässt sich ein Großteil der Brandverletzungen bei Kindern verhindern.

Kleine Kinder werden Opfer ihres Entdeckergeists

„Wir sehen um Weihnachten herum in den Spezialkliniken gehäuft Kinder mit Verbrennungen und Verbrühungen“, berichtet Kay Großer, Chefarzt der Kinderchirurgie und Leiter des Zentrums für schwerbrandverletzte Kinder am Klinikum Kassel. „Die Kleinen erleiden durch umgekippte Tassen Tee oder Glühwein Verbrühungen, verbrennen sich die Finger an der Adventskerze oder fassen mit der Hand auf das heiße Backblech oder an die Kaminofenscheibe.“ Als besonders gefährdet gelten kleine Kinder unter fünf, die Gefahren noch nicht einschätzen können: Ganz schnell können sie Opfer ihrer instinktiven Neugierde werden, wenn sie mit heißen Oberflächen, Gegenständen oder Flüssigkeiten in Kontakt kommen.

 

„60 Prozent der Unfälle durch Prävention vermeidbar“

 „Es ist wichtig, ein Auge auf die möglichen Gefahrenquellen zu haben, denn etwa 60 Prozent der Unfälle lassen sich durch Prävention vermeiden“, so die Einschätzung der Hamburger Kinderärztin Steinbrink. Die Organisation „Paulinchen e.V. – Initiative für brandverletzte Kinder“ hat für Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten und Kindersitter eine ausführliche Checkliste erarbeitet, um die Gefahr von Verbrennungen oder Verbrühungen im Haushalt rund um die winterlichen Festtage zu minimieren.

20 Tipps zum Schutz vor Kindern vor Verbrennungen oder Verbrühungen

  1. Kinder nie mit offenem Feuer oder brennenden Kerzen alleine lassen.
  2. Streichhölzer und Feuerzeuge für Kinder unerreichbar aufbewahren.
  3. Kerzen auf eine standfeste, nicht brennbare Unterlage stellen und einen Sicherheitsabstand zu brennbaren Materialien wie Vorhängen einhalten.
  4. Kerzen rechtzeitig auswechseln, bevor sie ganz heruntergebrannt sind.
  5. Kerzen immer löschen, wenn man den Raum verlässt.
  6. Vor allem bei Kleinkindern: LED-Kerzen als sichere Alternative wählen.
  7. Den Weihnachtsbaum in einen möglichst schweren, mit Wasser gefüllten Ständer stellen und hohe Bäume zusätzlich festbinden, damit sie nicht umfallen können.
  8. Für den Weihnachtsbaum geprüfte LED-Lichterketten oder LED-Kerzen nutzen (zum Beispiel mit VDE-GS-Prüfzeichen).
  9. Wunderkerzen gehören nicht in Kinderhände. Die Funken können Kleidung in Brand setzen (besonders schnell bei Kunstfasern).
  10. Kinder von heißen Flächen wie Kamin- oder Backofentür fernhalten, heiße Kaminofenscheiben absichern.
  11. Nichts Heißes trinken, während man ein Kind auf dem Arm hält oder auf dem Schoß sitzen hat.
  12. Heiße Flüssigkeiten in die Tischmitte stellen – nie an den Rand von Tischplatten oder auf den Boden.
  13. Auf herabhängende Tischdecken verzichten. Kinder könnten sich daran hochziehen.
  14. Wärmflaschen nur mit warmem, nicht kochend heißem Wasser befüllen und fest verschließen.
  15. Auf den hinteren Herdplatten kochen. Griffe von Pfannen oder Töpfen zur Wand hin ausrichten. An der Herdvorderseite ein Kinderschutzgitter anschrauben.
  16. Auch durch Kontakt mit Heizungsrohren oder Radiatoren können Verbrennungen entstehen. Heiße Flächen generell sichern.
  17. Nie heißes Wasser alleine in die Badewanne einlaufen lassen. Temperatur mit der Hand kontrollieren.
  18. Rauchmelder retten Leben – die Wohnung/das Haus mit Rauchmeldern sichern.
  19. Auch Kinder sollten im Falle eines Brandes Fluchtwege kennen.
  20. Einen Brand nur dann löschen, wenn dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Ansonsten Türen schließen und die Wohnung mit allen Familienmitgliedern verlassen. Bei einem Brand immer die Feuerwehr alarmieren – Notruf 112!

Zarte Kinderhaut: Schon ab 52 Grad wird es gefährlich

Wer Kinder hat oder beaufsichtigt, muss ein besonders starkes Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Für Kinder können Verbrennungen und Verbrühungen noch schlimmere Folgen haben als für Erwachsene. Kinderhaut ist besonders zart. Alles, was heißer als 52 Grad ist, kann Kinderhaut schädigen. Die durch thermische Verletzungen entstehenden Vernarbungen können Körperpartien lebenslang entstellen – und Kinder haben ihr Leben noch vor sich.

Und: „Brandverletzte Kinder müssen oftmals Monate oder sogar jahrelang behandelt werden“, sagt Kinderchirurgin Steinbrink. „Das liegt daran, dass das Narbengewebe nicht mitwächst, was Schmerzen und die Gefahr einer Bewegungseinschränkung für die Kinder bedeutet. Dabei kommt neben den physischen Schmerzen meist eine psychische Belastung hinzu, vor allem wenn die Brandnarben sehr auffällig sind.“

Wichtig: Größeren Kindern die Gefahrenquellen erklären

Auf Kinder in jeder Sekunde aufpassen und sie jederzeit im Bewusstsein haben, ist unerlässlich. Sind Kinder etwas älter und reif dafür, Gefahren zu begreifen, kann man sie durch Wissensvermittlung und Stärkung der Eigenverantwortung schützen. „Ganz wichtig ist, dass die Eltern ihren Kindern die Gefahrenquellen erklären und einen richtigen Umgang mit diesen beibringen“, sagt die Hamburger Ärztin Annika Steinbrink. „Etwas zu verbieten ist meist nicht hilfreich, denn Verbote reizen – genauso wie Feuer.“

Hauptkategorie: Medizin
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