Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.08.2016

Keine Milch bei Vergiftungen

Bei einer Vergiftung hilft der Giftnotruf weiter. Milch und andere Mythen sind keine Erste Hilfe, sondern sogar gefährlich.
Tollkirschen sind giftig. Erste Hilfe bieten die Giftnotrufzentralen

Tollkirschen sind giftig. Erste Hilfe bieten die Giftnotrufzentralen

Giftige Beeren naschen oder Putzmittel schlucken – besonders Kleinkinder sind gefährdet, sich zu vergiften. Eltern bemerken eine Vergiftung an Symptomen wie Schluckbeschwerden mit Rötungen in Mund und Rachen, Blasenbildung oder Atemnot. Äußerlichen Vergiftungen machen sich an Verätzungen auf der Haut oder im Auge bemerkbar.

Statt auf eigene Faust herumzuexperimentieren, sollten Eltern sofort den Giftnotruf anrufen. Jedes Bundesland hat eine eigene Giftnotrufzentrale mit entsprechender Telefonnummer. Die Berliner Giftnotrufzentrale hat zum Beispiel die Rufnummer 19240 und befindet sich an der Charité. Die Experten sind rund um die Uhr erreichbar.

Sofort die Giftnotrufzentrale verständigen

„Am anderen Ende der Leitung sitzen erfahrene Experten. Sie können die unterschiedlichen Symptome genau deuten und wissen, was zu tun ist“, sagt Gabriele Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Meist werde zur Gabe eines Entschäumers oder medizinischer Kohle geraten, die Familien mit Kindern in der Hausapotheke haben sollten. Von Milch rät die Apothekerin dringend ab, denn Milch sei ein Mythos. „Milch ist kein Gegengift, sondern beschleunigt sogar die Giftaufnahme durch den Darm und ist daher kontraproduktiv.“ Kindern Salzwasser geben, damit sie erbrechen, sei ebenfalls Unsinn und könne fatale Folgen haben. Als erste Hilfemaßnahme sei lediglich Wassertrinken hilfreich.

 

Bei Bewusstlosigkeit 112 wählen

Wird das Kind bewusstlos oder erbricht es, sollten Eltern gleich die 112 wählen. „Wenn bekannt ist, womit sich das Kind vergiftet hat, sollte man das Mittel beziehungsweise den Pflanzennamen für die Rettungskräfte bereithalten“, sagt die Kammerpräsidentin. Diese Information helfe dem Notarzt im Fall der Fälle weiter.

Damit es erst gar nicht zu einer Vergiftung kommt, gehören weder Reinigungsmittel noch Medikamente in die Reichweite von Kindern. Und giftige Pflanzen gehören nicht auf den Balkon oder in den Garten. Vielen ist gar nicht bewusst, dass Eiben, Tollkirschen oder Herbstzeitlose, die dem beliebten Bärlauch zum Verwechseln ähnlich sehen, für den Menschen giftig sind.

Foto: © lochstampfer - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Notfallmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Vergiftungen

01.03.2019

Kaminofen, Heizpilze, Grillkohle: Bei offenem Feuer in geschlossenen Räumen flackert insgeheim immer das Risiko mit, eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zu erleiden. Mehr als 600 Deutsche sterben jährlich diesen leisen Tod – völlig unerwartet und häufig sogar im Schlaf.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Warum Zecken mittlerweile auch in unseren Gärten zu finden sind, wie man sich vor ihnen schützen kann und ob eine Impfung sinnvoll ist, erklärt die Parasitologin Prof. Ute Mackenstedt im Interview mit Gesundheitsstadt Berlin.
 
Weitere Nachrichten
Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.


Die einen werden kleingemacht, die anderen gepampert: „Toxische Führung“ in der Arbeitswelt kann Belegschaften spalten und schadet auch den Unternehmen. So paradox es klingt: Vom Chef oder von Vorgesetzten anderen gegenüber offen bevorzugt zu werden, kann für Mitarbeiter unerträglich werden und sie in die Kündigung treiben. Das zeigt eine Studie der privaten „Kühne Logistics University“.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin