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19.01.2021

„Keine Lebensfreude mehr“ - Pflege leidet stark unter Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie lastet schwer auf Pflegebedürftigen und ihrem Pflegepersonal. Eine aktuelle Studie zeigt, wie sehr die Stimmung gekippt ist, vor allem in der stationären Pflege.
Einsam im Pflegeheim: Die Corona-Pandemie setzt insbesondere pflegebedürftigen Menschen zu

Einsam im Pflegeheim: Die Corona-Pandemie setzt insbesondere pflegebedürftigen Menschen zu

Im Zuge der Pandemie haben sich die gesundheitliche Versorgung und Unterstützung für Pflegebedürftige insbesondere in der stationären Langzeitpflege verschlechtert. Dabei haben viele Bewohner von Pflegeheimen unter anderem an Lebensfreude oder geistigen Fähigkeiten eingebüßt. Zugleich haben sich die psychischen und physischen Belastungen der Pflegenden erheblich erhöht. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), für die 2.000 Pflegende aus Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten befragt wurden.

Viele Pflegeheimbewohner haben geistig abgebaut

Besonders dramatisch scheint sich die Pandemie auf die psychische und geistige Verfassung älterer Pflegeheimbewohner auszuwirken. So haben 84 Prozent der stationären Pflegekräfte beobachtet, dass sich Stimmung und Lebensfreude oder geistige Fähigkeiten und Orientierung der Bewohner während der Pandemie merklich verschlechtert haben.

Darüber hinaus fielen vielerorts diverse Versorgungsangebote weg, etwa durch Bewegungstherapeuten, Ärzte oder auch Angehörige. 61 Prozent aus den Pflegeheimen berichteten von einer deutlichen Reduktion externer Unterstützung, bei den ambulanten Pflegediensten machte ein knappes Viertel diese Beobachtung. „Unsere Studie unterstreicht, dass Gesundheit, Lebensqualität und die dringend erforderliche Unterstützung pflegebedürftiger Menschen in ihrem Alltag durch die Corona-Pandemie teilweise erheblich gefährdet sind“, meint ZQP-Vorstand Dr. Ralf Suhr.

 

Pflegepersonal durch Mehrarbeit belastet

Ganz und gar nicht spurlos ist die Pandemie am Pflegepersonal vorbeigegangen. Demnach ist sowohl die körperliche und psychische Belastung gestiegen, wobei es kaum einen Unterschied zwischen ambulanter und stationärer Pfleg gibt. Aus den Pflegeheimen berichteten dies 39 Prozent bzw. 65 Prozent der Befragten. Grund für die Mehrbelastung in der stationären Pflege seien zusätzliche Aufgaben, die im Zuge der Pandemie angefallen seien. So gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass der Arbeitsaufwand deutlich gestiegen sei.

„Damit dürfte es vielfach erheblich schwieriger geworden sein, gute Pflege zu erbringen, meint Ralf Suhr. „Die Arbeitssituation in der Langzeitpflege war schon vor der Pandemie in vielen Organisationen äußerst angespannt. Es ist sehr bemerkenswert, was vor diesem Hintergrund in vielen Einrichtungen und Diensten geleistet wird. Aber die Lage ist derzeit absolut alarmierend."

Derzeit richten sich alle Hoffnungen auf die Impfung. Nach Einschätzung Suhrs werde sich die Lage in den nächsten Monaten etwas entspannen. Gleichzeitig sei es aber sehr wichtig, dass auch das Gesundheitspersonal von der Möglichkeit einer raschen Impfung Gebrauch mache.

Quelle: "Die SARS-CoV-2-Pandemie in der professionellen Pflege: Perspektive stationärer Langzeitpflege und ambulanter Dienste". Die Studie kann auf der Webseite www.zqp.de kostenlos als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Foto: © Adobe Stock/araraadt

Autor: ham
Hauptkategorien: Pflege , Medizin , Corona
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