Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Kein Viagra auf Kassenrezept

Sonntag, 11. März 2012 – Autor:
Auch behinderte Männer haben keinen Anspruch auf die Kostenerstattung für Potenzmittel durch ihre gesetzliche Krankenkasse. Dies hat das Bundessozialgericht in Kassel jetzt entschieden.
Viagra

Viagra

Geklagt hatte ein 51jähriger Mann, der an Multipler Sklerose leidet. Da die Nervenerkrankung bei ihm zu Potenzstörungen führt, nahm er das Potenzmittel Cialis. Seine Kasse weigerte sich, die Kosten dafür zu übernehmen und verwies dabei auf die Gesundheitsreform von 2004. Seither sind all Arzneimittel aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen, bei denen die "Erhöhung der Lebensqualität" im Vordergrund steht. Dazu zählen Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion wie Cialis, Viagra, Levitra und andere.

Kosten für Potenzmittel bei Behinderung erstattet?

Der Betroffene argumentierte vor Gericht, seine Erkrankung sei eine Behinderung und verwies auf Artikel 3 des Grundgesetzes, demzufolge niemand "wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf". Zudem fordert die "UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung" in Artikel 25 die Einhaltung des Rechtes von Behinderten "auf das erreichbare Höchstmass an Gesundheit ohne Diskriminierung". Ihnen stünden deshalb Leistungen zu, "durch die weitere Behinderungen möglichst gering gehalten oder vermieden werden sollen".

Das Bundessozialgericht wollte der Argumentation des Klägers nicht folgen. Die Ausschlussregelung der Kostenerstattung für Potenzmittel gelte für alle Männer gleichermassen, sie diskriminiere Behinderte nicht, heisst es im Urteil des Bundessozialgerichts vom 6. März 2012. Ein Verstoss gegen das Grundgesetz und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung liege demnach nicht vor. Wörtlich heisst es: "Der Gesetzgeber verletzt seinen Gestaltungsspielraum nicht, wenn er angesichts der beschränkten finanziellen Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung solche Leistungen aus dem Leistungskatalog ausschliesst, die in erster Linie einer Steigerung der Lebensqualität jenseits lebensbedrohlicher Zustände dienen."

"Wir sind masslos enttäuscht", sagte Ilja Seifert, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland gegenüber der Süddeutschen Zeitung. "Das Urteil zementiert einen Rückschritt und ist ein herber Rückschlag."

 
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Erektionsstörung , Krankenkassen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sexualität und Männergesundheit

17.03.2013

Das Klischee stimmt anscheinend immer noch: Viele Männer beißen lieber die Zähne zusammen als zum Arzt zu gehen. Für Vorsorgeuntersuchungen interessieren sie sich dementsprechend noch weniger. Dabei wären sie für Männer sehr wichtig.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Obwohl eine ausgewogene Ernährung dem Körper ausreichend Magnesium liefert, kaufen sich die Deutschen pro Jahr darüber hinaus noch Magnesium-Präparate im Wert von 200 Millionen Euro. Häufig seien diese Mittel überdosiert, warnt ein ARD-Verbrauchermagazin.


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin