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Kein Tag ohne Gewalt gegen Ärzte

In Deutschland verrohen die Sitten. Gewalt in Notaufnahmen und gegen Rettungskräfte gehören längst zum Alltag. Und offenbar bleibt auch die Arztpraxis um die Ecke nicht verschont, wie aus dem aktuellen Ärztemonitor hervorgeht.

Gewalt gegen Ärzte ist alltäglich

Niedergelassene Ärzte werden immer öfter Opfer von körperlicher Gewalt. Wie eine vorläufige Auswertung des aktuelle Ärztemonitors - eine Befragung von 11.000 niedergelassenen Ärzten - zeigt , kommt es täglich zu mindestens 288 solcher Straftaten in deutschen Arztpraxen. Dazu erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Gassen: „Die Entwicklung ist bestürzend und sollte diejenigen aus Politik und Krankenkassen nachdenklich stimmen, die gerne ein populistisches Ärztebashing betreiben. Wer ständig einen kompletten Berufsstand verbal kriminalisiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn dies zur Gewalt in Praxen führt.“

Der Bundesvorsitzender des Verbands der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV Virchow Bund) Dr. Dirk Heinrich hat eine weitere Erklärung für die zunehmende Gewalt gegen Ärzte: „Die allgemeine Verrohung und ein immer höheres Anspruchsdenken sind die Ursache dafür“, sagte der Mediziner.

Beschimpft und geschlagen

Körperliche Gewalt ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Ärzte werden auch beschimpft oder bedroht. Nach dem Ärztereport sind vier von zehn ambulant tätigen Ärzten täglich Opfer von verbaler Gewalt. Oder in Zahlen ausgedrückt: Täglich ereignen sich in deutschen Arztpraxen 2.870 Fälle verbaler Gewalt gegen Ärzte oder ihr Personal. Laut der Befragung nimmt verbale Gewalt zu, je größer die Praxis ist, während körperliche Gewalt zunimmt, je kleiner die Praxis ist. Zur Anzeige bringen die Ärzte etwa jeden vierten tätlichen Angriff.

 

Höhere Strafen gefordert

Gassen und Heinrich forderten die Politik auf, tätig zu werden und Ärzte in den § 114 StGB mit einzuschließen. Erst kürzlich wurde Rettungskräfte und Feuerwehrleute in den neuen Straftatbestand „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ mit aufgenommen, was ein höheres Strafmaß bei Gewalttaten gegen diese Berufsgruppen zur Folge hat. Ärzte und ihr medizinisches Personal fehlen bislang darin.

Die Auswertung der Umfrageergebnisse ist noch nicht ganz abgeschlossen. Das Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas) hat seit Februar rund 11.000 Niedergelassene telefonisch zu ihrer Arbeitssituation befragt. 7.000 Bögen wurden bislang ausgewertet. Die KBV und der NAV-Virchow-Bund geben den Ärztemonitor alle zwei Jahre in Auftrag.

 

Foto: Adobe Stock / Krakenimages.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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