. Mehr Studien gefordert

Kein Stochern im Nebel!

Mehr und bessere Studien zu Früherkennungsmaßnahmen – das fordert das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM). Screenings, wie sie heute beispielsweise zu Hautkrebs oder Prostatakrebs angeboten werden, könnten manchmal mehr schaden als nützen.

Hautkrebs oder nicht? Screenings sind nicht immer sicher!

„Neuseeländer und Australier haben weltweit das höchste Hautkrebs-Risiko. Trotzdem gibt es dort kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Der Grund: Es fehlt der Nachweis, dass Hautkrebsfrüherkennung einen Nutzen hat“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Netzwerks. 

„Auch in Deutschland sollten die Erwartungen in die Hautkrebsfrüherkennung nicht voreilig geschürt werden“, sagt Ingrid Mühlhauser, Sprecherin des Fachbereichs Patienteninformation und -beteiligung im DNEbM. Mittlerweile nimmt etwa jeder dritte Erwachsene die Untersuchung in Anspruch, ohne dass er sich darauf verlassen kann, davon zu profitieren. „Das Früherkennungs-Programm der gesetzlichen Krankenkassen wurde mit der Auflage eingeführt, dass seine Vor- und Nachteile durch den Gemeinsamen Bundesausschuss evaluiert werden. Das ist bis heute nicht geschehen“, sagt Mühlhauser. 

Früherkennung unter schwierigen Voraussetzungen 

Internationale Gremien stimmen überein, dass das entscheidende Ziel der Hautkrebsfrüherkennung darin liegt, das Risiko zu verringern, an Hautkrebs zu sterben. Früherkennung kann Hautkrebs nicht verhindern. Sie soll ihn aber entdecken, solange er noch heilbar ist. 

Diesen Nutzen nachzuweisen ist bei Hautkrebs besonders schwierig: Das Risiko, an Hautkrebs zu sterben ist etwa zehnfach kleiner als zum Beispiel das Risiko, an  Darmkrebs zu sterben. So sterben in Deutschland innerhalb von zehn Jahren von 10.000 Männern mittleren Alters etwa fünf an einem Melanom. Der Nachweis, dass Früherkennung zumindest einen dieser fünf von 10.000 Männern retten kann, würde sehr aufwändige Studien erfordern, heißt es beim DNEbM. 

 

Wer etwas gegen Hautkrebs tun will, der sollte auch über die Unsicherheiten aufklären

Solche Studien seien aber auch deshalb wichtig, weil es bei der Früherkennung immer auch Fehler wie falsche Verdachtsbefunde und Überdiagnosen gibt. „Wie oft das vorkommt, wäre für Teilnehmerinnen und Teilnehmer wichtig zu wissen“, sagt Mühlhauser. 

Hautkrebs sei keine Erkrankung, die auf die leichte Schulter genommen werden sollte. „Aber wer wirklich etwas gegen Hautkrebs tun will, sollte den Nutzen und Schaden von Früherkennung und Vorbeugung in belastbaren Studien testen“, meint Mühlhauser. „Solange wir im Nebel stochern, müssen Teilnehmerinnen und Teilnehmer über diese Unsicherheiten aufgeklärt werden, so wie es das Krebsplanumsetzungsgesetz fordert“, sagt Klaus Koch, Co- Sprecher des Fachbereichs Patienteninformation. 

Foto: Alexander Raths - Fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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