Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Kein erhöhtes Risiko für Gürtelrose nach Covid-19-Impfung

Montag, 28. November 2022 – Autor:
Eine Studie zeigt, dass die Covid-19-Impfung nicht mit einer erhöhten Rate von Herpes Zoster (Gürtelrose) assoziiert ist. Auch verglichen mit der Influenza-Impfung ergab sich kein höheres Risiko.
Die Covid-19-Impfung erhöht nicht das Risiko, danach an einer Gürtelrose zu erkranken

– Foto: Adobe Stock/sashka1313

Die Furcht vor vermeintlichen Nebenwirkungen hält einige Menschen von der Impfung gegen SARS-CoV-2 ab. Im Hinblick auf eine mögliche impfassoziierte Herpes-Zoster-Erkrankung (Gürtelrose) ist dies aber nicht gerechtfertigt. Das zeigt eine Studie mit über 2 Millionen Geimpften, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) meldet.

Eine ergänzende Kohortenanalyse zeigte darüber hinaus auch kein erhöhtes Impfrisiko für Herpes Zoster verglichen mit der Influenza-Impfung aus der Zeit vor der Pandemie.

Gürtelrose kann jeder bekommen, der Windpocken hatte

Herpes Zoster kann jeder bekommen, der zuvor schon einmal Windpocken hatte. Das Windpocken-Virus (Varicella-Zoster-Virus/VZV) persistiert lebenslang im Körper und kann durch verschiedene Auslöser reaktiviert werden, wobei es dann nicht erneut zu Windpocken, sondern zur Gürtelrose kommt. Eine Reaktivierung kann zum Beispiel bei (vorübergehender) Abwehrschwäche oder bei älteren Menschen aufgrund der absinkenden VZV-Antikörperspiegel entstehen.

Erste Analysen von Impfnebenwirkungen zeigten zwar einen Anstieg der Berichte über Covid-19-Impfung-assoziierte Herpes-Zoster-Infektionen. Es war dabei jedoch nicht klar, ob diese Fälle auf eine vermehrte Berichterstattung zurückzuführen waren oder auf einen echten Anstieg der Inzidenz. Eine Studie der University of California in San Francisco ging daher speziell dieser Frage nach.

 

Kein erhöhtes Risiko für Gürtelrose nach Covid-19-Impfung

Ausgewertet wurden Gesundheitsdaten von 2.039.854 gegen SARS-CoV-2 geimpften US-Bürgern. Impfstoffe: Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson&Johnson. Zeitraum der Impfung: Dezember 2020 - Juni 2021. Das mittlere Alter der Geimpften betrug 43,2 Jahre, 50,6 Prozent waren weiblich. Bei 1.451 Personen wurde Gürtelrose diagnostiziert.

Im Ergebnis war die Covid-19-Impfung nicht mit einem erhöhten Risiko für eine VZV-Reaktivierung assoziiert. Die Inzidenz war auch nicht höher als in einer Untergruppe, die in der Zeit vor der Pandemie oder in der frühen Pandemiephase gegen Influenza geimpft wurde. "Demnach war eine Gürtelrose nach Corona-Impfung bei weitem nicht so häufig wie es anfangs in der Berichterstattung den Anschein hatte", schlussfolgert Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Bei Myokarditis nach Impfung milde Verläufe

Auch andere vermeintliche Impfkomplikationen, über die es immer wieder Fallberichte gab (zum Beispiel  Myokarditis oder Guillain-Barré-Syndrom), wurden inzwischen in großen Studien evaluiert. So zeigte eine Analyse von über 5 Millionen vollständig geimpften Personen aus Israel, dass es bei 182.605 geimpften Heranwachsenden zu 20 Myokarditiden kam, von denen nach CDC-Kriterien (Center for Disease and Control) neun Fälle als wahrscheinlich bis sicher eingestuft wurden.

Die Inzidenz betrug somit 4,8/100.000 Geimpfte; die Verläufe waren mild, die stationäre Behandlung lag bei 2 bis 4 Tagen und der Follow-up zeigte nach sechs Monaten eine gute Prognose.

DGN: Entwarnung auch für Guillain-Barré-Syndrom

Auch in Bezug auf das Guillain-Barré-Syndrom gibt es Entwarnung: Eine epidemiologische Studie aus Mexiko ergab bei 81.842.426 Impfdosen (mit sieben SARS-CoV-2-Impfstoffen) eine Inzidenz von 1,19/1.000.000. Die Inzidenz war somit niedriger als vor der Pandemie (2019) mit 7,1/1.000.000 Personenjahren.

"Menschen, die wegen extrem seltener möglicher Nebenwirkungen Angst vor der Covid-19-Impfung haben, müssen sich bewusst machen, dass alle diese Komplikationen viel häufiger bei der SARS-CoV-2-Infektionen auftreten. Dies wurde inzwischen auch für viele andere potenzielle, auch neurologische Nebenwirkungen gezeigt", betont Prof. Berlit. Die DGN empfiehlt daher, die Impfangebote entsprechend den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts anzunehmen.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gürtelrose

22.11.2021

Rund 95 Prozent der Deutschen hatten – meist in der Kindheit – Windpocken und tragen damit das Herpes-Zoster-Virus lebenslang in sich. Wird das in fast jedem schlummernde Virus wieder aktiv, bekommt man Gürtelrose. Das passiert meist im Alter, wenn das Immunsystem schwächer wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb Menschen über 60 die Impfung.

15.12.2016, aktualisiert: 12.03.2021

Das Varicella-Zoster-Virus löst bei der Erstansteckung Windpocken (Varizellen) aus. Wird das Virus im Körper später reaktiviert, kann es zu einer Gürtelrose (Herpes Zoster) führen. Woran man sie erkennt.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Diabetiker haben normalerweise ihre Krankheit von Geburt an, aufgrund eines Organ-Defekts der Bauchspeicheldrüse (Typ 1). Oder sie erwerben sie durch einen jahrelangen ungesunden Lebenswandel (Typ 2). Wissenschaftler sagen jetzt: Es geht auch beides.

Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer vorkommt. Doch Lebensmittel haben, wenn Getreide verarbeitet wurde, einen sehr unterschiedlichen Glutengehalt.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin