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Kaufsucht – wie sie sich äußert und was man dagegen tun kann

Frustkäufe kennt fast jeder. Doch wer immer wieder in einen Kaufrausch verfällt, um negative Gefühle auszugleichen, könnte unter Kaufsucht leiden. Schätzungen zufolge sollen über sechs Prozent der Bevölkerung davon betroffen sein.
Kaufsucht bekämpfen

Einkaufen kann Glücksgefühle auslösen und vorübergehend das Selbstwertgefühl steigern

Spielsucht, Computersucht, Drogensucht, Sexsucht, Esssucht, Sportsucht - Sucht kann in vielerlei Gestalten auftreten. Auch Kaufen kann zur Sucht werden. Denn Kaufen kann wie ein Aufputschmittel wirken und dazu beitragen, negative Gefühle zu verdrängen. Nicht jeder Frustkauf ist jedoch mit einer Kaufsucht gleichzusetzen. Kurzfristig kann es sich durchaus um eine ganz normale und funktionale Strategie der Psyche handeln, ein Problem zu kompensieren, das momentan nicht gelöst werden kann. Problematisch wird es, wenn Frustkäufe zur Gewohnheit werden. Viele Menschen verschulden sich dann sogar.

Kaufräusche können innere Spannungen reduzieren

Wie viele Menschen genau unter Kaufsucht leiden, ist schwer zu bestimmen. Eine Studie der Universität Hohenheim ermittelte im Jahr 2001 eine Prävalenz von 6,5 bis 8 Prozent in Deutschland. Doch die Dunkelziffer ist groß und die Grenzen fließend. Nach Expertenmeinung liegt eine Kaufsucht dann vor, wenn Menschen wiederholt Dinge kaufen, die sie nicht benötigen, um dadurch innere Spannungen zu lösen. Typisch dafür ist auch, dass das Glücksmoment nur kurz anhält. Das Kaufen löst zwar euphorische Gefühle aus, doch gleich danach folgen Ernüchterung und meistens Schuldgefühle. Besonders gefährlich ist für Betroffene das Bestellen im Internet oder per Telefon – da die Rechnung in diesen Fällen erst sehr viel später kommt.

In vielen Fällen liegt der Kaufsucht eine Selbstwertschwäche zugrunde. Die Betroffenen haben oft nicht gelernt, mit Verletzungen oder Defiziten umzugehen – oft, weil sie schon in der Kindheit wenig Bestätigung bekamen und kaum Selbstvertrauen entwickeln konnten. Auch Menschen, die als Kinder häufig mit materiellen Dingen belohnt wurden, sind gefährdet. Schwierige Lebenssituationen wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder andere Krisen können dann leicht eine Kaufsucht auslösen.

 

Wer kaufsüchtig ist, sollte den Ursachen auf den Grund gehen

Experten unterscheiden drei Typen von Kaufsüchtigen: die Schnäppchenjäger, welche die gekauften Dinge zu Hause oft nicht einmal auspacken (hier ist der Übergang zum Messie-Syndrom fließend), die Menschen, für die das Kaufen und Besitzen Ersatz für emotionale Nähe ist, und die gezielten Käufer, die spezielle Dinge besitzen wollen, um sich von den anderen abzuheben. Der Großteil der Betroffenen sind Frauen. Sie kaufen meist Kleidung, Schmuck, Kosmetika oder Dienstleistungen wie Friseurbesuche. Aber auch Männer sind betroffen; bei ihnen geht es häufig um das Besitzen von „Prestige-Objekten“ wie Elektronikartikel oder Sportgeräte.

Wie kann man jedoch der Kaufsucht begegnen? Zu den Erste-Hilfe-Strategien gehört alles, was den Kaufrausch bremsen kann, wie das Abgeben von Kreditkarten, das Einschränken des Dispo-Kredits oder der Grundsatz, vor dem Gang zur Kasse die Ware immer noch einmal zurückzulegen und das Geschäft zu verlassen. Oft lässt der Drang zu kaufen dann nämlich schnell nach. Sinnvoll kann es auch sein, nicht mehr alleine einkaufen zu gehen. Wer bereits verschuldet ist, kann Hilfe bei einer Schuldnerberatung finden. Langfristig kann jedoch meist nur eine Psychotherapie helfen, um die auslösenden Faktoren für die Kaufsucht zu bearbeiten. Auch Selbsthilfegruppen können nützlich sein.

Fragebogen im Internet hilft, das eigene Risiko zu bestimmen

Ein großes Problem ist allerdings, dass Kaufsüchtige häufig nicht oder erst spät merken, dass ihr Kaufverhalten nicht normal ist. Forscher der Universität Bergen haben deshalb einen Fragebogen entwickelt, die „Bergen Shopping Addiction Scale“, mit der jeder selbst testen kann, ob er unter Kaufsucht leidet. Der Test beinhaltet Fragen wie: Kreisen Ihre Gedanken während des Tages oft ums Einkaufen? Fühlen Sie sich beim Einkaufen in Hochstimmung und besonders glücklich? Haben Sie nach dem Kauf ein schlechtes Gewissen? Kaufen Sie Dinge, die Sie schon haben oder gar nicht brauchen? Fühlen Sie oft einen unwiderstehlichen Drang, einkaufen zu gehen? Mit diesen und anderen Fragen kann das Risiko ermittelt werden, an einer Kaufsucht zu leiden. Wenn der Test eine hohe Wahrscheinlichkeit ergibt, sollte das Verhalten unbedingt hinterfragt werden und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Foto: © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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