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Kassen wollen keine Babies beim Zahnarzt

Weil immer mehr Kleinkinder an Karies leiden, fordern Zahnärzte die Einführung von zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat. Doch die gesetzlichen Kassen sträuben sich.
Kassen wollen keine Babies beim Zahnarzt

Zahnärzte warnen: Nuckelflaschenkaries ist ein wachsendes Problem.

Letzte Woche haben die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) in Berlin ein neues Versorgungskonzept für Babies und Kleinkinder vorgestellt. Das Konzept "Frühkindliche Karies vermeiden“ sieht drei systematische zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat vor. Hintergrund ist, dass immer mehr Kleinkinder an Karies leiden. Zahnärzte und Kinderärzte sprechen von der Nuckelflaschenkaries. Die kommt dann zustande, wenn Babies oft und lange an Flaschen mit süßem Inhalt nuckeln.

„Frühkindliche Zahnschäden sind entgegen dem allgemeinen Kariesrückgang ein wachsendes Problem“, sagte Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV am 7. Februar in Berlin. „Karies gilt als häufigste chronische Erkrankung bei Kindern im Vorschulalter. Hier besteht Handlungsbedarf.“

Nuckelflaschenkaries zerstört Milchzähne

Bislang übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen zahnmedizinische Früherkennungsuntersuchungen erst ab dem 30. Lebensmonat. Die Zahnärzte halten das für viel zu spät. „Eine dental-präventive Betreuung durch den Zahnarzt ist vom ersten Milchzahn an wichtig. Diese Versorgungslücke wollen wir mit unserem Konzept schließen", sagte Eßer.

Doch beim GKV-Spitzenverband stößt das Konzept auf wenige Gegenliebe. Karies sei bei kleinen Kindern kein durchgängiges Problem, sondern trete nur bei bestimmten Elterngruppen auf. „Die klassischen Früherkennungsuntersuchungen sollten U1 bis U9 sollten beim Kinderarzt bleiben“, sagte Ann Marini, Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes. „Idealerweise kennt er seine jungen Patienten von Geburt an, so dass er früh die Eltern aufklären und beraten kann.“ Laut der Sprecherin gebe es die eine, alles verändernde Maßnahme nicht, um frühkindliche Karies zu reduzieren. „Rivalisierende Konzepte verschiedener ärztlicher Professuren helfen da also nicht“, so die Schlussfolgerung.

Die Zahnärztevereinigungen verfolgen indes ein ambitioniertes Ziel: Im Jahr 2020 sollen 80 Prozent der 6-Jährigen kariesfrei sein. Ohne weitere Versorgungskonzepte wird das aber wohl kaum erreichbar sein.

Foto: © st-fotograf - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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