. Weltkrebstag 2013

Kampf gegen Krebs zeigt Erfolge

Deutschland altert und immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Doch zum Weltkrebstag gibt es auch gute Nachrichten. Dank großer Therapiefortschritte in den letzten Jahren überleben immer mehr Menschen den Krebs oder leben länger mit der Erkrankung.
Krebs heute besser behandelbar

Die Neuerkrankungsrate steigt, die Sterberate geht runter: Krebs entwickelt sich zu einer chronischen Erkrankung.

Es ist eine Aussage, die Hoffnung macht: „Dank beachtlicher Fortschritte in der Krebstherapie können heute mehr als die Hälfte aller Krebspatienten geheilt werden. Vor 30 Jahren waren es gerade mal ein knappes Drittel.“ Das erklärte der Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC) Professor Peter Michael Schlag anlässlich des heutigen Weltkrebstags, zu dem er gleich noch eine gute Nachricht hat: „Wir können Krebs im fortgeschrittenen Stadium zwar meist nicht heilen, aber wir können ihn dank der Kombination vieler Verfahren mittlerweile sehr häufig zu einer chronischen Langzeiterkrankung machen."

Länger leben mit Krebs

Neue therapeutische Möglichkeiten haben etwa bei fortgeschrittenem Brustkrebs, Darmkrebs, Leukämie oder Lymphomen zu längeren Überlebenszeiten bei zufriedenstellender Lebensqualität geführt. Problematisch bleiben aber Krebsarten, für die es bislang keine verlässliche Früherkennung oder ausreichend effektive Behandlungsmethoden gibt, wie etwa Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- oder Eierstockkrebs. Aber selbst bei den „problematischen“ Krebsarten hätten spezialisierte Zentren in den letzten fünf Jahren bemerkenswerte Fortschritte verzeichnen können, teilte die Charité am Freitag mit.

Krebsexperte Schlag führt diese „Trendwende“ in der Tumormedizin insbesondere auf die Einführung neuer zielgerichteter Substanzen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Kliniken zurück. „Der Weg hin zu interdisziplinären Spezialisten-Teams, die die Therapien gemeinsam planen und durchführen, hat erheblich zu dieser erfreulichen Entwicklung beigetragen“, erklärt der Direktor des Tumorzentrums der Charité. Denn die Zusammenarbeit beziehe sich nicht nur auf die verschiedenen medizinischen Disziplinen, sondern auch auf die direkte Einbindung von Molekulargenetik und Zellbiologie.

Trendwende begann vor etwa 15 Jahren. Krebs heute besser behandelbar

Fortschritte hat es unterdessen auch in der Frühdiagnostik gegeben. So können zum Beispiel heute Tumoren in der Brust mittels besserer Bildgebungsverfahren zu einem Zeitpunkt entdeckt werden, zu dem sie noch gar nicht tastbar sind. In diesem Stadium sind die Chancen auf Heilung besonders groß. Das bislang eindrucksvollste Beispiel für wirksame Frühdiagnostik ist das Früherkennungsprogramm „Gebärmutterhalskrebs“. Seit dessen Einführung Anfang der 1980er Jahre hat sich die Sterberate bei dieser Krebsart in Deutschland halbiert. Auch Impfprogramme gegen Gebärmutterhalskrebs haben nach Auskunft von Charité-Medizinern zu der positiven Entwicklung beigetragen. Möglicherweise könnten bald noch andere Tumorerkrankungen durch Impfprävention vermieden werden, zum Beispiel Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Weitere Fortschritte in der Krebsfrüherkennung versprechen sich Krebsmediziner von neuen Bluttests mit sogenannten Biomarkern.

Die Krebsforschung kämpft an vielen Fronten und alles deutet darauf hin, dass sich der positive Trend in der Tumormedizin weiter fortsetzen wird, teilen verschiedene Krebsorganisationen zum Weltkrebstag mit. Auch Krebsexperte Schlag zeigt sich optimistisch: „Wir werden sicher auch in Zukunft nicht jeden Patienten heilen können, aber immer weniger Menschen werden an Krebs sterben und immer mehr länger mit ihrer Erkrankung leben“, so die Einschätzung des CCCC-Direktors zur Entwicklung in den kommenden Jahren. Um die Überwindung der Erkrankung weiter voranzutreiben, sei es allerdings notwendig, in internationalen Netzwerken zusammenzuarbeiten. Auch der Prävention müsse mehr Bedeutung beigemessen werden.

Fast eine halbe Million Menschen erhalten in 2013 die Diagnose Krebs

In Deutschland sind nach einer Prognose des Berliner Robert Koch-Instituts mehr Menschen neu an Krebs erkrankt als in den Vorjahren. Die Schätzung für 2012 liegt bei 486.200 neuen Patienten. Das sind rund 16.400 mehr als im Jahr 2008. Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) vor allem die alternde Gesellschaft. Das mittlere Erkrankungsalter für Krebs liege für Frauen bei 68 und für Männer bei 69 Jahren, teilte das Zentrum am Freitag mit. In Berlin wird die Zahl der Neuerkrankungen auf knapp 20.000 Fälle geschätzt. Laut Statistischem Landesamt Berlin wurden im Jahr 2011 knapp 76.000 Berlinerinnen und Berliner aufgrund eines Krebsleidens in einem Krankenhaus behandelt. Allein die Charité behandelt nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Tumorpatienten pro Jahr. Das Comprehensive Cancer Center der Charité ist zurzeit Deutschlands einziges voll zertifiziertes Tumorzentrum. 

Foto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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