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Kampf gegen COVID-19: Passive Immunisierung mit neutralisierenden Antikörpern macht Fortschritte

Die passive Immunisierung mit neutralisierenden Antikörpern ist ein Mittelding zwischen Impfung und Therapie. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung meldet nun einen Teilerfolg im Kampf gegen COVID-19.
Infektionsmediziner basteln an einer neuen neue Waffe gegen COVID-19: Die passive Immunisierung mit neutralisierende Antikörpern

Infektionsmediziner basteln an einer neuen neue Waffe gegen COVID-19: 28 im Labor nachgebaute Antikörper können das Coronavirus neutralisieren

Impfungen sollen eine Infektionskrankheit verhindern, Medikamente den Schaden der Krankheit begrenzen. Ein bisschen von beidem ermöglicht die passive Immunisierung mit neutralisierenden Antikörpern. Solche Antikörper werden gerade im Kampf gegen COVID-19 entwickelt. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) meldet nun zusammen mit der Uniklinik Köln einen ersten Erfolg: Demnach ist es den Forschern gelungen, Teile der Entwicklung dieser Antikörper zu entschlüsseln und gleichzeitig hochpotente neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 zu isolieren.

Doppelter Schutz

Aktuell werden die Antikörper zusammen mit dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim weiterentwickelt, so dass noch in diesem Jahr die ersten Probanden damit passiv immunisiert werden könnten. Eine passive Immunisierung könnte sowohl Gesunde vor der COVID-19-Erkrankung schützen, als auch Infizierte schneller genesen lassen. Außerdem ist ein Einsatz zur sogenannten Postexpositionsprophylaxe vorstellbar. Hier wird der Antikörper Personen verabreicht, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, aber noch nicht erkrankt sind. „Gerade um lokalisierte Ausbrüche zu stoppen und schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, zum Beispiel bei Risikopersonen, ist diese Form des Einsatzes von besonderer Bedeutung“, sagt Virologe Prof. Florian Klein von der Uniklinik Köln und Projektleiter im DZIF.

 

28 wirksame Antikörper gebaut

Um die Antikörper isolieren zu können, haben die Forscher im Blut von zwölf genesenen COVID-19 Patienten gezielt nach Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gesucht. Mit dem Fund konnte die Antikörperbildung in Teilen entschlüsselt werden. Dieses Wissen lieferte die Grundlagen, um insgesamt 255 Antikörper im Labor nachzubauen. In Marburg wurden diese Kandidaten auf ihre Neutralisationsaktivität gegen SARS-CoV-2 untersucht. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 28 Antikörper, die SARS-CoV-2 effektiv neutralisieren konnten.

Kaum Anpassung nötig

„Eine Besonderheit an den hier gefundenen neutralisierenden Antikörpern ist, dass sie kaum Anzeichen eines längeren Reifungsprozesses aufweisen. Das heißt, sie mussten sich nur wenig anpassen, um das Virus effektiv erkennen und neutralisieren zu können“ erklärt Dr. Matthias Zehner vom Universitätsklinikum Köln.

Blutproben aus vor Corona-Zeiten zeigten überdies, dass in menschlichen B-Zellen schon sehr ähnliche Vorstufen für SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper vorhanden sind. Die Forscher schließen daraus, dass unser Immunsystem rasch die entsprechenden Antikörper bilden kann, wenn es mit dem Erreger oder Teilen davon konfrontiert wird, wie es bei einer Impfung der Fall ist. „Dies lässt vermuten, dass ein aktiver Impfstoff in der breiten Bevölkerung einen schnellen Schutz bieten könnte“, so Zehner.

Klinische Studie eventuell noch dieses Jahr

Wenn alles gut geht, könnte Ende des Jahres eine klinische Studie zur passiven Immunisierung mit den Antikörpern starten. „Wir haben bereits Erfahrung mit dem Einsatz von Antikörpern zur Behandlung von Infektionskrankheiten“, meint Infektionsforscher Prof. Klein weiter, „und sind zuversichtlich, dass auch bei COVID-19 immunologische Prinzipien effektiv gegen das Virus eingesetzt werden können.”

Neben Köln und Marburg sind auch Wissenschaftler aus Frankfurt, München, Tübingen und Israel an dem Forschungsprojekt beteiligt. Die Ergebnisse der aktuellen Arbeit wurden soeben in der Fachzeitschrift Cell publiziert.

Foto: © Adobe Stock/Siarhei

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
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