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18.09.2019

Kaiserschnitt-Kinder haben mehr Gesundheitsprobleme

Chronische Bronchitis, ADHS, Entwicklungsstörungen: Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind, haben später auffällig größere gesundheitliche Probleme als auf natürlichem Wege geborene Kinder. Das ergibt sich aus dem Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Besonders groß ist das Risiko für krankhaftes Übergewicht.
Babykopf im Bett, Kind gähnt

Eine Geburt per Kaiserschnitt hat für Kinder weitreichendere Folgen als bisher angenommen. Bei 19 Krankheitsgruppen ist das Risiko laut TK-Report erhöht.

Nur bei 10 bis 15 Prozent aller Geburten ist ein Kaiserschnitt unbedingt medizinisch nötig, heißt es bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Deutschland lag die Kaiserschnittrate bei in Kliniken entbundenen Kindern im Jahr 2017 bei 30,5 Prozent: Mindestens doppelt so hoch wie auf der Welt insgesamt und auch spürbar über dem westeuropäischen Durchschnitt von 27 Prozent. "Kaiserschnitte sind ein Segen für Mutter und Kind, wenn sie in medizinisch notwendigen Fällen eingesetzt werden“, sagt Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK). Einschränkend sagt Baas allerdings: "Kaiserschnitte haben für die Gesundheit der Kinder weitreichendere Folgen als vielen bisher bewusst ist. Wir müssen daher im Interesse der Kinder medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte vermeiden.“

Nach Kaiserschnitt: Höheres Risiko bei 19 Krankheitsgruppen

Nach dem aktuellen Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse haben Kaiserschnitt-Kinder mehr Gesundheitsprobleme als Kinder, die natürlich geboren sind. Bei 19 Krankheitsgruppen, die Kinder häufig betreffen, zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. Allein sechs dieser Krankheitsgruppen betreffen Entwicklungs- und Verhaltensprobleme. Bei vielen dieser Erkrankungen liegt das Risiko, sie zu bekommen, um rund zehn Prozent höher als im Normalfall.

 

Erkrankungsrisiko: Zwischen 7 und 36 Prozent größer

Zumindest in den ersten acht Lebensjahren erkranken Kaiserschnitt-Kinder häufiger als andere Kinder. Das Erkrankungsrisiko in Zahlen mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit in Prozent:

  • Magen-Darm-Erkrankungen: 7 Prozent
  • Leichte und mittlere Entwicklungsstörungen: 9 Prozent
  • Chronische Bronchitis: knapp 10 Prozent
  • Ernährungsprobleme: 11 Prozent
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS):  16 Prozent
  • Krankhaftes Übergewicht (Adipositas): 36 Prozent

Eltern und Kinderärzte: Sensibel sein für Auffälligkeiten

Weil die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei Kaiserschnitt-Kindern höher ist, raten die Autoren des TK-Reports Eltern und Kinderärzten dazu, bei diesen Kindern besonders wachsam zu sein. "In der Praxis sollten Kinderärzte und Eltern bei Kaiserschnitt-Kindern genauer hinschauen, um Auffälligkeiten frühzeitig zu bemerken und gegenzusteuern", ergänzt Klaus Rupp, Leiter des TK-Versorgungsmanagements. Es wäre deshalb hilfreich, wenn Kinderärzte das gelbe Kinder-Vorsorgeheft auf Hinweise zu einer Kaiserschnittgeburt prüfen würden, um dadurch besser auf spezifische Probleme achten zu können, zum Beispiel Artikulationsstörungen.

Mit Apps gegen Sprachfehler

Die TK setzt bei der Behandlung verstärkt auch auf neue digitale Möglichkeiten wie spielebasiertes Lernen bei der Therapie von Lernentwicklungsstörungen oder Atemwegserkrankungen. So unterstützte die TK beispielsweise die Entwicklung der App "Neolino", die Kindern zwischen drei und sieben Jahren individuell und spielerisch beim Training gegen Sprachfehler helfen soll.

Baas: „In deutschen Kreißsälen wird zu oft zum Messer gegriffen“

Für den TK-Kindergesundheitsreport als Landzeitstudie wurden die Abrechnungsdaten von rund 38.800 TK-versicherten Kindern von der Geburt bis zum achten Lebensjahr ausgewertet. Die Analyse umfasste den Zeitraum von 2008 bis 2016. Studien jenseits des aktuellen TK-Reports sprechen sogar von  langfristigen Auswirkungen auf Mutter und Kind, wenn eine Geburt per Kaiserschnitt erfolgt ist.

Kaiserschnitte: In Sachsen die wenigsten, im Saarland die meisten

Ein kurioses Ergebnis des TK-Reports ist die regional unterschiedliche verteilte Häufigkeit von Kaiserschnitten innerhalb der deutschen Bundesländer. In Sachsen war sie mit 24 Prozent zuletzt am geringsten, im Saarland mit 37 Prozent am höchsten. "Diese Unterschiede lassen sich kaum durch medizinische Faktoren erklären", sagt TK-Vorstandschef Baas. Sein Fazit: „In vielen deutschen Kreißsälen wird immer noch zu oft zum Messer gegriffen."

Der TK-Kindergesundheitsreport steht zum Download auf der Website der TK bereit, unter der Suchnummer 2061920.

Foto: pixelio.de/Erich Kasten

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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