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Jüngere Menschen ohne Symptome verbreiten Corona länger als angenommen

Bedeutet ein asymptomatischer Verlauf einer Coronavirus-Infektion, dass die Betroffenen weniger ansteckend sind? Das haben Forscher aus Südkorea untersucht. Das Ergebnis: Vor allem jüngere Menschen, die trotz Infektion keine Symptome zeigen, sind länger ansteckend als angenommen.
SARS-CoV-2

Gerade bei jüngeren asymptomatischen Menschen mit SARS-CoV-2 könnte eine 14-tägige Quarantäne nicht ausreichen - das legen neue Studiendaten nahe.

Bei jungen Erwachsenen verläuft eine Infektion mit SARS-CoV-2 häufig ohne Symptome. Sie weisen jedoch die gleiche Virusmenge in den Abstrichen auf wie symptomatische Patienten. Dies zeigen ausführliche Tests in Südkorea, deren Ergebnisse im Fachmagazin JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurden.

Der Nachweis der Virusmenge erfolgte mittels Polymerase-Kettenreaktion, bei der für den Erreger typische Abschnitte des Erbguts in mehreren aufeinander folgenden Zyklen jeweils verdoppelt werden. Die Zahl der Zyklen, die bis zum Nachweis durch eine Farb­reaktion notwendig sind, der sogenannte Ct-Wert, liefert einen indirekten Hinweis auf die Konzentration der Viren im Abstrich. Ein niedriger Ct-Wert zeigt eine hohe Viruskonzen­tration an.

Erst 15 Tage nach der Infektion traten erste Symptome auf

Untersucht wurden über 300 Mitglieder einer Religions­gemeinschaft in Daegu, die im März aufgrund eines Corona-Ausbruchs unter Quarantäne gestellt und regelmäßig auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Das mittlere Alter der Infizierten lag bei 25 Jahren. Die meisten von ihnen hatten trotz nachgewiesener Infektion nur leichte Symptome, über 35 Prozent sogar gar keine.

Im Durchschnitt vergingen 15 Tage, bis überhaupt die ersten Symptome auftraten. Somit war die Inkubationszeit bei ihnen deutlich länger, als es bislang angenommen wird. In dieser Zeit können Infizierte also leicht andere Personen anstecken.

 

Virusmenge mit und ohne Symptome gleich hoch

Die Ergebnisse der Forscher um Eunjung Lee von der Soonchunhyang Universität in Seoul zeigen auch, dass der Ct-Wert in den Abstrichen bei den asymptomatischen Patienten nicht höher war als bei den symptomatischen Patienten. Sie hatten in etwa genauso viele Viren in Nase oder Rachen wie die Erkrankten. In den Untersuchungen des Sputums nahm die Viruskonzentration sogar langsamer ab.

Dauer der Infektion länger als 14 Tage

Somit geht von Personen, die trotz Infektion keine Symptome aufweisen, offenbar ein genauso hohes Risiko aus wie von Corona-Patienten mit Symptomen. Interessanterweise dauerten die Infektionen bei den jungen Erwachsenen auch relativ lange an: Nach 14 Tagen waren erst 29,6 % der präsymptomatischen oder symptomatischen Patienten und 33,7 % der asymptomatischen Personen ohne Virusnachweis im Abstrich. Nach 21 Tagen war der Anteil auf 69,9 % beziehungsweise 75,2 % gestiegen.

Daraus könnte geschlossen werden, dass die derzeitige Quarantänedauer von 14 Tagen vor allem bei jüngeren Infizierten zu kurz sein könnte. Somit spricht die Studie für die Notwendigkeit von Abschlusstests, um festzustellen, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 tatsächlich ausgestanden ist.

Foto: Adobe Stock / Feydzhet Shabanoy

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Corona
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