. Hauterkrankungen

Juckreiz auf der Haut: Nicht kratzen – kühlen und eincremen!

Was die Atmosphäre für die Erde ist, ist die Haut für den Körper. Damit diese überlebenswichtige Schutzhülle bei chronischem Juckreiz nicht angegriffen wird, ist es wichtig, die Haut richtig zu pflegen und zu behandeln.
Frau kratzt sich juckenden Unterarm

Chronischer Juckreiz: Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind im Lauf des Lebens mit diesem Krankheitsbild konfrontiert.

„Gänsehaut bekommen“, „die eigene Haut retten“, „ich kann nicht aus meiner Haut“: Es ist sicher kein Zufall, dass viele Sprichwörter mit „Haut“ zu tun haben. Mit rund 1,7 Quadratmetern beim Erwachsenen ist die Haut unser größtes Organ und schützt unseren empfindlichen Organismus vor schädlichen äußeren Einflüssen: vor Krankheitserregern insbesondere – aber jetzt im Sommer ganz stark auch vor Austrocknung, UV-Strahlung oder Überhitzung. Chronischer Juckreiz kann eine Gefahr für unsere Haut sein: Denn wir neigen spontan dazu, uns zu kratzen –  und beschädigen damit unsere lebenswichtige Schutzhülle.

Jeder vierte Deutsche erlebt chronischen Juckreiz

Jeder vierte Deutsche hat im Lauf seines Lebens mit chronischem Juckreiz zu tun, heißt es in einer Information der deutschlandweit ersten Forschergruppe für dieses Krankheitsbild mit dem Fachbegriff „Pruritus“. Von chronischem Juckreiz ist die Rede, wenn die Symptome sechs Wochen oder länger anhalten. Dieses Hautleiden kann dabei ganz unterschiedliche Ursachen haben. Im Sommer wird Juckreiz häufig durch Neurodermitis verursacht, eine nicht ansteckende Überempfindlichkeitserkrankung der Haut (Fachbegriff: Atopisches Ekzem). Treten die Symptome vor allem in den kühleren Jahreszeiten auf, ist die Ursache häufig eine Hautirritation.

 

Juckreiz kann Zeichen für tieferliegende Krankheiten sein

Unabhängig von der Jahreszeit jucken Ekzeme – eine Gruppe entzündlicher Hauterkrankungen mit den Symptomen Hautrötung, Bläschen, Krusten oder Schuppen. Juckreiz kann auch bei sogenannten systemischen Erkrankungen auftreten: beispielsweise bei Leber- und Gallenstörungen, Niereninsuffizienz, Diabetes oder Krebs sowie bei psychiatrischen und neurologischen Krankheiten. Überdurchschnittlich oft plagt der chronische Juckreiz ältere Menschen.

Was aber kann man tun, wenn chronischer Juckreiz an der Lebensqualität kratzt? Das Wichtigste ist – auch wenn es schwerfällt: nicht kratzen! „Kratzen hilft nur kurzfristig bei Juckreiz. Auf lange Sicht macht es ihn noch schlimmer“, sagte der Hautspezialist Andreas Kremer aus der Forschergruppe Pruritus kürzlich auf einem Fachkongress der Bundesapothekerkammer. Kremer, der auch Leiter der internistischen Notaufnahme am Universitätsklinikum Erlangen ist, rät Patienten deshalb dazu, grundsätzlich „bei Juckreiz die Haut zu kühlen und durch Eincremen zu pflegen".

Chronischer Juckreiz: die drei Säulen der Behandlung

1. Allgemeine Maßnahmen:

  • in kühler Umgebung schlafen
  • nach dem Duschen oder Baden den Körper kalt abbrausen
  • lockere Bekleidung aus Baumwolle tragen (verträglicher als Schurwolle)
  • Fingernägel kürzen (damit die Haut beim Kratzen weniger verletzt wird)

2. Lokale Therapie:

  • juckende Haut täglich mit hydratisierenden und rückfettenden Cremes pflegen
  • Arzneistoffe lokal auftragen (Chloralhydrat, Polidocanol, Capsaicin)
  • Kortison nur kurzfristig verwenden (Daueranwendung nicht empfehlenswert)

3. Systemische Therapie (wenn allgemeine und lokale Maßnahmen nicht helfen):

  • Therapie, die die tieferliegende Erkrankung identifiziert und bekämpft, beginnen.

Chronischer Juckreiz: Ursachen noch wenig erforscht

In den vergangenen Jahren hat zwar die Erforschung der Ursachen von chronischem Juckreiz Fortschritte gemacht. Einige klinische Studien, die sich zum Ziel gesetzt haben, den chronischen Juckreiz zu stoppen, wurden angestoßen. Doch zielgerichtete Behandlungen des chronischen Juckreizes fehlten bis heute, kritisiert Hautexperte Kremer. Hier will die „Forschergruppe Pruritus" ansetzen. „Weil die Therapie schwierig ist, wird das Symptom oft negiert“, sagt Kremer, „genau wie der chronische Schmerz noch vor 30 Jahren“.

Foto: Fotolia.com/Aleksej

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Allergie , Kortison , Immunsystem , Haut
 

Weitere Nachrichten zum Thema Juckreiz auf der Haut

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.