. Brustkrebs und Eierstockkrebs

Jolie-Effekt hat Nachfrage nach Gentests zu erblichem Krebs verdoppelt

Das Beispiel von Angelina Jolie macht auch in Deutschland Schule. Immer mehr Frauen lassen sich auf erblichen Brustkrebs und Eierstockkrebs testen. In vielen genetischen Beratungsstellen hat sich die Zahl der durchgeführten Gentests fast verdoppelt.
Familiärer Brust- und Eierstockkrebs? Immer Frauen machen einen Gentest

Familiärer Brust- und Eierstockkrebs? Immer Frauen machen einen Gentest

Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen mit Brustkrebs oder Eierstockkrebs liegt ein verändertes Brutskrebsgen BRCA1 oder BRCA2 vor. Prominentestes Beispiel ist Angelina Jolie. Die Schauspielerin hatte sich aufgrund ihres hohen Krebsrisikos Brüste und Eierstöcke entfernen lassen – und öffentlich darüber gesprochen. Das Beispiel hat offenbar auch in Deutschland Schule gemacht. Laut Verband der Ersatzkassen (vdeK) ist zwischen 2013 und 2014 die Zahl der entsprechenden Gentests von 1.700 auf 3.100 gestiegen. Das heißt, bei fast doppelt so vielen Frauen mit einem Verdacht auf erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs wurde ein diagnostischer Gentest durchgeführt.

Experten warnen vor kommerziellen Gentests 

Ausgewertet wurden die Daten der 13 gendiagnostischen Beratungszentren, mit denen Ersatzkassen wie DAK, Barmer Techniker Kasse usw. bislang Verträge haben. Die „Dunkelziffer“ könnte um einiges höher liegen, denn kommerzielle Gentests sind für viel Geld auch auf dem freien Markt zu haben. Experten warnen allerdings zur Vorsicht. „Kommerzielle Gentests müssen kritisch hinterfragt werden, denn sie bergen die Gefahr der unkritischen Anwendung und Interpretation ohne erkennbaren klinischen Nutzen und sogar zum Schaden der Betroffenen“, betonte Prof. Rita Schmutzler vom Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln. Da die Diagnose einer erblichen Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs weitreichende Folgen für die betroffenen Frauen und ihrer Angehörigen habe, sollte sie immer an einem spezialisierten Beratungszentrum erfolgen. „Die Ärzte müssen gut qualifiziert sein, denn falsche Testergebnisse führen zu falscher Beratung und Therapie.“

Familiäre Vorgeschichte für Gentest unabdingbar

Ein Gentest auf erblichen Brustkrebs und Eierstockkrebs wird an gendiagnostischen Beratungszentren nicht ohne weiteres durchgeführt. Patientinnen müssen bestimmte Voraussetzungen für eine genetische Analyse erfüllen. Dazu zählt eine entsprechend auffällige Familiengeschichte, wenn etwa die Mutter in jungen Jahren an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt ist. Erst dann übernehmen auch die Kassen Kosten, die bei Brustkrebs rund 3.800 Euro betragen.  „Wir wollen, dass die Ersatzkassenversicherten von den modernen gendiagnostischen Verfahren profitieren. Aber die Beratung und Gentestung sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern dort stattfinden, wo das ärztliche Know-how gebündelt ist und hohe Qualitätsstandards gelten“, mahnte auch die vdek-Vorstandsvorsitzend Ulrike Elsner.

Künftig wird es mehr gendiagnostische Beratungszentren geben

Aufgrund der hohen Nachfrage soll das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen um vier weitere qualifizierte Beratungsstellen sogenannte Konsortialzentren ausgeweitet werden. Vorgesehen ist außerdem, dass die insgesamt 17 Konsortialzentren künftig mit ausgewählten zertifizierten Brustzentren und Gynäkologischen Krebszentren an Kliniken kooperieren. Durch bessere Wissensvermittlung neuester Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Gendiagnostik sollen künftig auch behandelnde Ärzte einen Teil der Aufklärung und Anfangsdiagnostik übernehmen können. Ärzte und Kassen erhoffen sich davon eine verbesserte und flächendeckende Beratungssituation für Frauen.  

Andrea Hahne, Vorsitzende des BRCA-Netzwerks – Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs e.V., sieht in den geplanten Kooperationen einen wichtigen Schritt: „Gute Beratung, eine optimale genetische Diagnostik und eine aussagekräftige Risikoprognose sind unabdingbar, bevor oftmals schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden können. Dass die Fachkompetenz nun auch an qualifizierte Zentren weitergegeben wird, begrüßen wir sehr.“

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