. Stichprobe

Jedes zweite Nahrungsergänzungsmittel überdosiert

In Nahrungsergänzungsmitteln stecken oft mehr Vitamine und Mineralien als die empfohlenen Höchstmengen vorsehen. Eine Stichprobe belegt das jetzt für 106 freiverkäufliche Präparate.
Stichproben zeigen, dass jedes zweite Nahrungsergänzungsmittel zu viel Vitamine oder Mineralstoffe enthält

Stichproben zeigen, dass jedes zweite Nahrungsergänzungsmittel zu viel Vitamine oder Mineralstoffe enthält

Nahrungsergänzungsmittel sind kein reglementierter Markt. Die Pillen, Pulver und Brausetabletten gibt es frei in Drogerien und Supermärkten zu kaufen. Erst 2018 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Höchstmengenvorschläge (HMV) für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln vorgelegt. Vorschläge sind jedoch nicht bindend.

Wissenschaftler der Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd haben nun nachgeschaut, ob sich die Hersteller an die Vorschläge halten. Wie die Untersuchung von 106 freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln zeigt, ist dem nicht so. Von 106 Nahrungsergänzungsmitteln hielten nur rund 48 Prozent davon die Höchstmengenvorschläge bei allen Nährstoffen ein. Eine Überschreitung der Höchstmengen bei mindestens einem Mikronährstoff wiesen 55 Präparate (52 Prozent) auf.

Vitamin B12 der Spitzenreiter

Am häufigsten wurden die Höchstmengenvorschläge bei Multivitamin- und Multimineralstoffpräparaten überschritten, teils um 700 Prozent. So fand sich im Extremfall die siebenhundertfache Meng an Vitamin B12 in den Präparten, bei Kalium war die Menge teils um das zwanzigfache überschritten.

„Die Untersuchung zeigt, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel aus dem stationären Einzelhandel die Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe überschreiten“, fasst Prof. Dr. Petra Lührmann von der Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd die Studienergebnisse zusammen.

Zu viel ist auch nicht gut

Das sei bedenklich, da mit dem Gebrauch von hoch dosierten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten gesundheitliche Risiken einhergehen könnten, insbesondere wenn diese häufig eingenommen werden. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten darum auf die möglichen Risiken hingewiesen werden. „Verbindliche Höchstmengen sowie EU-weite einheitliche Richtlinien für Mikronährstoff-Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln könnten daher sinnvoll sein“, so Lührmann.

Die Studie

Von den 106 untersuchten Nahrungsergänzungsmittel waren 30 Einzelvitaminpräparate, 11 Einzelmineralstoffpräparate, 44 Multivitaminpräparate, elf Multimineralpräparate und 10 Multivitamin- und Multimineralstoffpräparate. Gekauft wurden die Produkte im Reformhaus, einem Supermarkt und zwei Drogerien.

Für die Analysen hatten die Wissenschaftler die Nährstoffangaben auf den Verpackungen der Präparate mit den jeweiligen Höchstmengenvorschlägen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln verglichen. Die Studie war Anfan September in der Zeitschrift ‚Aktuelle Ernährungsmedizin‘ (2020; 45: 269-275; DOI: 10.1055/a-1113-6946) erschienen.

Foto: © Adobe Stock/Lothar Drechsel

Autor: ham
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