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Jedes dritte Krankenhaus schreibt rote Zahlen

33 Prozent der deutschen Kliniken verbuchen rote Zahlen, 13 Prozent sind sogar von einer erhöhten Insolvenzgefahr betroffen. Das ergibt sich aus dem „Krankenhaus Rating Report“. Nur dank staatlicher Ausgleichszahlungen für die Einnahmeausfälle während der Covid-19-Pandemie konnten die Kliniken vorübergehend etwas durchatmen.
Symbolbild Krankenhaus und Geld: Stethoskop, Arztkittel, rosa Sparschwein mit blauem Auge und Pflaster

Dank der staatlichen Hilfen sind die deutschen Krankenhäuser in der Corona-Pandemie mit einem blauen Auge davongekommen – erst mal.

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Eine steigende Zahl von Klinikunternehmen, nämlich 33 Prozent, musste 2019 auf Konzernebene einen Jahresverlust verkraften (Vorjahr: 31 Prozent). Nur noch 60 Prozent sind völlig frei von Insolvenzgefahr (statt 63 Prozent). Das ergibt sich aus dem „Krankenhaus Rating Report 2021“ des „RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung“. Als wesentlichen Grund für die sich verschlechternde Ertragslage führen die Wissenschaftler die anhaltende Stagnation der Leistungsmenge an.

Erstes Corona-Jahr 2020: 13 Prozent weniger Fallzahlen

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie, 2020, sank die stationäre Fallzahl weiter – „um dramatische 13 Prozent, in den ersten Monaten der Pandemie vorübergehend sogar um 30 Prozent“, heißt es im Report. Im Jahr 2020 waren demnach 2 Prozent aller Betten und 4 Prozent aller Intensivbetten durch COVID-19-Patienten belegt. Auch im Jahr 2021 dürfte die Ausnahmesituation mit deutlich geringerer Leistungsmenge als 2019 bestehen bleiben.

 

Vorübergehendes Plus dank Corona-Hilfen

Trotzdem rechnen die Wissenschaftler des RWI damit, dass die Kliniken kurzfristig von der Corona-Pandemie profitieren, denn: Die Ausgleichszahlungen des Staates für die Einnahmeausfälle in dieser Zeit lagen in der Summe höher als die durch die Leistungsreduktion hervorgerufenen Mindererlöse. Insgesamt 10,2 Milliarden Euro erhielten die Krankenhäuser als Hilfe im Jahr 2020.  

3,7 Prozent mehr Erlöse im Corona-Jahr 2020

Dem Report zufolge stiegen dadurch die Erlöse in diesem Kalenderjahr um durchschnittlich 3,7 Prozent bei den klassischen Krankenhäusern. Bei psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken waren es sogar 10,6 Prozent. „Entsprechend dürfte sich die wirtschaftliche Lage der Kliniken 2020 kurzzeitig verbessern“, heißt es in der Studie weiter.

Große Krankenhäuser stehen besser da als kleine

Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine. Dabei erreichen Krankenhäuser mit einer Bettenzahl zwischen 600 und 900 beziehungsweise mit Umsatzerlösen zwischen 140 und 190 Millionen Euro die beste Ertragslage – ausgenommen Fachkliniken. Ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating ebenso positiv wie die Zugehörigkeit zu einer Kette. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden im Allgemeinen beim Rating und der Ertragslage deutlich besser ab als öffentlich-rechtliche Kliniken. Regional fällt das Rating am schlechtesten in Baden-Württemberg und Niedersachsen/Bremen aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.

Prognose bis 2030: Noch mehr in Insolvenzgefahr

Für die Zeit bis zum Ende des Jahrzehnts haben die Wissenschaftler aus den vorliegenden Zahlen und Erfahrungswerten Szenarien für die Zeit bis zum Ende dieses Jahrzehnts entwickelt. Wenn alles günstig läuft, könnten die Kliniken 2022 wieder das Vor-Krisen-Niveau von 2019 erreichen. Trotzdem sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Krankenhäuser mit erhöhter Insolvenzgefahr bis 2033 auf 26 Prozent verdoppelt.

Stichwort „Krankenhaus Rating Report“

Der Krankenhaus Rating Report gilt als eine der wichtigsten regelmäßig erstellten Expertisen zur wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser in Deutschland. Erstmals publiziert wurde er im Jahr 2004. Herausgegeben wird er derzeit vom RWI und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Essen, in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der US-Expertengesellschaft Himss.

Foto: AdobeStock/Andy Dean

Autor: zdr
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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