. Welt-Herztag 2016

Jeder zweite Herzinfarkt vermeidbar

280.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt. Meist geht dem plötzlichen Ereignis eine lange Vorgeschichte voraus. Ein gesunder Lebensstil beugt vor.
Herzinfarkt und seinem Vorläufer KHK kann man vorbeugen: mehr bewegen, nicht rauchen und gesund essen

Herzinfarkt und seinem Vorläufer KHK kann man vorbeugen: mehr bewegen, nicht rauchen und gesund essen

Mit 280.000 Betroffen pro Jahr ist der Herzinfarkt in Deutschland in etwa so häufig wie der Schlaganfall. Für rund 120.000 Menschen kommt jede Hilfe zu spät - sie erliegen ihrem Herzinfarkt entweder noch, bevor die Rettungskräfte eintreffen, oder versterben im Krankenhaus. Zwar kommt ein Herzinfarkt immer unerwartet, aber aus heiterem Himmel kommt er nicht. Meist geht dem plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes eine koronare Herzkrankheit (KHK) voraus. Manchmal bleibt sie Jahre oder gar Jahrzehnte unbemerkt.

Ein Herzinfarkt kommt nicht aus heiterem Himmel

Eine koronare Herzkrankheit liegt vor, wenn die Koronararterien, also die Herzkranzgefäße, nicht mehr in der Lage sind, den Herzmuskel ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Am häufigsten geschieht dies durch Ablagerungen (Plaques), die die Gefäße verengen. Anfangs kann das vollkommen symptomlos sein. Wenn die Verengung so ausgeprägt wird, dass in einzelnen Anschnitten des Herzens ein deutlicher Sauerstoffmangel auftritt, kann es zu Schmerzen im Brustkorb kommen. Dies ist häufig nach körperlicher Anstrengung oder in Stresssituationen der Fall. Ärzte sprechen dann von Angina pectoris. Diese Anzeichen sollte man unbedingt abklären lassen. Denn löst sich eine Plaque ab und verstopft das Gefäß komplett – liegt ein Herzinfarkt vor. Ein Teil des Herzmuskels wird nun gar nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab.

Gesunder Lebensstil beugt vor 

Experten der Deutschen Herzstiftung gehen davon aus, dass sich rund die Hälfte der Herzinfarkte vermeiden ließe. „Die Zahl der Herzinfarkte ließe sich mühelos halbieren, wenn sich alle mehr bewegen, nicht rauchen und gesünder essen würden“, sagt Prof. Helmut Gohkle, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Zahlreiche Studien haben mittlerweile den Zusammenhang zwischen Bewegung und Herzinfarkten belegt. Die American Heart Association empfiehlt mindestens 30 Minuten Ausdauertraining am Tag. Das kann zum Beispiel Laufen, Radfahren oder schwimmen sein.

Ebenso gibt es Belege für den positiven Einfluss der sogenannten Mittelmeerdiät auf die Herzgesundheit. Bei dieser Ernährung spielen Fisch, frisches Gemüse und Obst, Olivenöl und Knoblauch sowie Vollkornprodukte eine große Rolle. Rotes Fleisch und Industrienahrung, die viel Zucker, Salz und Fett enthält, werden dagegen nicht empfohlen. Für das Rauchen gibt es ohnehin einschlägige Beweise, dass es die Gefäße schädigt.

Bis zu 90 Prozent der koronaren Herzerkrankungen lebensstilbedingt

Alter und Erbgut spielen zwar ebenfalls eine Rolle, jedoch gelten immerhin 80 bis 90 Prozent der koronaren Herzerkrankungen – dem Vorläufer des Herzinfarkts – als lebensstilbedingt. Die gute Nachricht ist also, dass jeder einem Herzinfarkt vorbeugen kann.

Vielen Menschen fällt aber gerade die Änderung ihrer Lebensweise schwer. Doch wer einmal anfängt, sich mit seiner körperlichen Leistungsfähigkeit auseinanderzusetzen, hat nach Ansicht von Herzspezialist Prof. Thomas Meinertz einen ersten wichtigen Schritt gemacht. „Bewegung kann wie eine Lokomotive für eine Änderung des gesamten Lebensstils sein“, betont der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung. Viele bekämen durch Sport und Bewegung bald Übergewicht, falsche Ernährungsgewohnheiten und möglicherweise auch das Rauchen in den Blick, glaubt Meinerzt. Zudem helfe Ausdauertraining beim Stressabbau, sogar besser als Yoga.

Foto: AOK Mediendienst

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha

Weitere Nachrichten zum Thema Herzinfarkt

| Metoprolol ist ein bekannter Betablocker, der zu den wichtigsten Arzneistoffen gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen gehört. Bei frühzeitiger Gabe kann Metoprolol zudem die Schwere eines Herzinfarkts reduzieren und damit den möglichen Schaden eindämmen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Die Zika-Epidemie ist abgeflaut. In Süd- und Mittelamerika, die hauptsächlich betroffen waren, sind die Infektionsraten drastisch zurückgegangen. Experten rechnen mit einem baldigen Ende des Ausbruchs.
Rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch Viren und Bakterien ausgelöst. Ganz machtlos dagegen ist der Mensch aber nicht. Es gibt Medikamente und gegen zwei Übeltäter sogar eine vorbeugende Impfung.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Adlershof con.vent. - Veranstaltungszentrum, Rudower Chaussee 17, 12489 - Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.