Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Jeder zehnte Schlaganfallpatient ist jünger als 55

Schlaganfallpatienten sind offenbar jünger als gedacht. Nach einer neuesten Studie erwischt es jedes Jahr rund 30.000 Menschen, die jünger als 55 Jahre sind. Das sind mehr als zehn Prozent aller Schlaganfallpatienten.
Einschnitt ins junge Leben: 30.000 Menschen unter 55 erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall

Einschnitt ins junge Leben: 30.000 Menschen unter 55 erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall

Das Alter gilt neben Vorhofflimmern und Gefäßverkalkung als Hauptrisikofaktor für den Schlaganfall. Doch auch junge Menschen und sogar Kinder können einen Hirnschlag erleiden. Einer neuen Studie zufolge sollen 10 bis 15 Prozent aller Schlaganfallbetroffenen in Deutschland jünger als 55 Jahre sein. Das sind weit mehr als bislang gedacht. „Wir gehen in Deutschland von 30.000 Betroffenen unter 55 Jahren pro Jahr aus“, sagt Dr. Lars Kellert, Oberarzt am Universitätsklinikum München, der zusammen mit anderen Autoren zahlreiche Studien zum Schlaganfall bei jüngeren Menschen ausgewertet und die Ergebnisse zusammengefasst hat.

Juveniler Schlaganfall hat andere Ursachen

Danach haben Schlaganfälle bei jüngeren Menschen ganz andere Ursachen als bei älteren. Die typischen Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen spielten allenfalls bei den über 50-Jährigen eine gewisse Rolle, meint Neurologe Kellert. Doch nicht so bei den jungen Menschen unter 40. „In 30 bis 50 Prozent der Fälle wird die Schlaganfall-Ursache trotz intensiver Diagnostik nicht gefunden“, sagt der Experte.

Wenn Ärzte eine Ursache finden, dann ist es meist eine sogenannte Gefäßdissektion. Dabei handelt es sich um einen Einriss in der Gefäßinnenwand, der zu einem Wandhämatom, und schließlich zu einer Engstelle oder sogar einem Gefäßverschluss führt. Gefäßdissektionen sind oft die Folge einer äußeren Verletzung. Andere seltenere Ursachen für einen juvenilen Schlaganfall sind zum Beispiel Gerinnungsstörungen. „Schlaganfälle bei jungen Menschen sind deshalb komplexer und schwieriger zu diagnostizieren“, so Kellert.

 

Jeder zweite lebt in Ungewissheit

Viele junge Patienten müssen daher mit der Ungewissheit leben, was zu ihrem Schlaganfall geführt hat. Die Furcht vor einem erneuten Hirnschlag ist laut dem Experten aber unbegründet. „Wenn man keine eindeutige Ursache findet, ist das Wiederholungsrisiko wesentlich geringer“, erklärt er seinen Patienten. „Sie müssen zwar lernen, mit dieser Unsicherheit zu leben, aber im Prinzip ist das die bessere Nachricht.“

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Nur etwa ein Drittel übersteht das Ereignis ohne bleibende Schäden. Der Begriff juveniler Schlaganfall ist nicht eindeutig definiert. Einige Experten setzen die Altersgrenze bei 55 Jahren an, andere bei 40 Jahren.

Foto: AOK Mediendienst

Foto: AOK-Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schlaganfall , Vorhofflimmern
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

08.10.2019

Meist sind es Laien, die Zeugen eines Schlaganfalls werden. Häufig sind sie sich jedoch nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Schlaganfall handelt und was sie tun sollen. Der FAST-Test gibt eine einfache Hilfestellung, wie in diesem Fall vorzugehen ist.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Der Schlaganfallexperte Dr. Ingo Schmehl über die kurze Zeitspanne für die Akuttherapie und warum viele Patienten ihren Schlaganfall verschlafen.
 
Weitere Nachrichten

Die Zahl der Diabetesfälle ist dabei zu explodieren – in Deutschland wie weltweit. Die WHO spricht schon jetzt von einer weiteren „Pandemie“. Ein Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt, was jeder Einzelne selbst tun kann und sollte, um sein persönliches Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin