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Jeder dritte syrische Flüchtling hat psychische Probleme

Fast jeder dritte in Deutschland lebende syrische Flüchtling ist psychisch erkrankt. Das zeigt eine neue Studie des Universitätsklinikums Erlangen. In der Untersuchung wurden auch die Hintergründe näher beleuchtet.
Flüchtlinge, psychische Erkrankungen

Die Mehrheit syrischer Flüchtlinge hat Traumatisches erlebt. Das schlägt sich auf die Psyche nieder

Geflüchtete leiden überdurchschnittlich oft unter psychischen Beschwerden. Das haben mehrere Untersuchungen gezeigt. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Erlangen kommt nun zum selben Ergebnis. Sie gibt außerdem Antworten, inwiefern bestimmte Faktoren die psychische Gesundheit beeinflussen – etwa die Länge des Aufenthalts und der Aufenthaltsstatus in Deutschland, die Lebensbedingungen der Geflüchteten oder die Dauer und Umstände ihrer Flucht. Die Ergebnisse wurden im Magazin „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht.

An der Studie nahmen 200 Geflüchtete aus dem Bürgerkriegsland Syrien teil, die eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland besitzen. Die Wissenschaftler um Prof. Yesim Erim interessierten sich vor allem für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen und die generalisierte Angststörung sowie für Faktoren, die nach der Migration nach Deutschland zum Tragen kommen – etwa den Aufenthaltsstatus oder die allgemeinen Lebensumstände der Zuwanderer.

Fast jeder dritte Flüchtling psychisch erkrankt

Danach hat die große Mehrheit der Studienteilnehmer (75,3 Prozent) selbst Traumatisches erlebt oder ist Zeuge traumatischer Ereignisse geworden. Mehr als jeder Zehnte (11,4 Prozent) zeigt Symptome einer PTBS. Moderate bis schwere Depressionen wurden bei 14,5 Prozent der Flüchtlinge festgestellt, moderate bis schwere Formen der generalisierten Angststörung bei 13,5 Prozent. Bei etwas mehr als 30 Prozent der Teilnehmer fanden die Forscher Hinweise für mindestens eine der genannten psychischen Erkrankungen.

„Wir stellten fest, dass schwere Formen von PTBS eher bei solchen Flüchtlingen auftreten, die schon älter sind und deren Aufenthaltserlaubnis nicht mehr so lange gültig ist“, erläutert Yesim Erim, die die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen leitet.  „Depressionen fanden wir eher bei jüngeren Flüchtlingen, die eine verhältnismäßig kurze Flucht hinter sich haben.“

 

Frauen entwickeln häufiger Angststörungen

PTBS und Depressionen sind den Forschern zufolge jeweils umso wahrscheinlicher, je mehr traumatische Ereignisse jemand erlebt habt und je mehr generalisierte Angstsymptome er zeigt. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Leidet ein Flüchtling an einer generalisierten Angststörung, ist die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht, dass er auch von einer PTBS oder einer Depression betroffen ist. Dabei entwickeln weibliche Flüchtlinge eher eine generalisierte Angststörung als Männer.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass syrische Flüchtlinge in Deutschland eine extrem verwundbare Bevölkerungsgruppe sind – vor allem, wenn sie viele traumatische Ereignisse erlebt oder beobachtet haben“, fasst Yesim Erim zusammen. „Trotzdem sind die psychischen Beschwerden und Belastungen niedriger als in ähnlichen Gruppen von Geflüchteten. Das geht sicher auf die Willkommenskultur der Stadt Erlangen und die vielen Unterstützungsangebote zurück.“

Lebensbedingungen haben Einfluss

Prof. Erim hat in der Erlanger Hartmannstraße eine Spezialambulanz für Geflüchtete aufgebaut. Dort werden Betroffenen Kriseninterventionen und ambulante Gruppentherapien in deutscher und arabischer Sprache angeboten. „Wir haben festgestellt, dass sich Zuwanderer oft zuerst auf die Integration in das neue Land konzentrieren und dass psychische Beschwerden mit der Zeit zunehmen“, erklärt Yesim Erim. Wenn Geflüchtete aber nach ihrer Migration sofort günstige Lebensumstände und positive Zukunftsaussichten vorfänden, könne sich das vorteilhaft auf ihre psychische Gesundheit auswirken – auch das habe die Studie gezeigt.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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