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Jeder Dritte schluckt regelmäßig Vitamin-Präparate

Donnerstag, 10. Februar 2022 – Autor:
Ob Tabletten, Kapseln oder Flüssigkeiten: Der Markt für Vitamine in Form von Nahrungsergänzungsmitteln boomt. Eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt: Jeder Dritte nimmt mindestens einmal pro Woche künstliche Vitamine zu sich, jeder sechste sogar täglich. Dabei glaubt nur die Hälfte dieser Konsumenten daran, dass dies der Gesundheit auch wirklich nützt.
Obstsorten - und Vitaminpillen.

Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, braucht in Deutschlande laut Bundesinstitut für Risikobewertung keine zusätzlichen Vitamine in Form sogenannter Nahrungsergänzungsmittel. – Foto: AdobeStock/cirquedesprit

Vitamine sind unverzichtbar für die meisten körperlichen Funktionen. Sie stärken beispielsweise unser Immunsystem und fördern den Aufbau von Zellen, Knochen und Zähnen. Da der Körper sie nicht oder nur unzureichend produzieren kann, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. „Bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper jedoch fast alle Vitamine in ausreichenden Mengen“, heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die größere Gefahr sei in Deutschland nicht ein Zuwenig an Vitaminen in der Nahrung – sondern eine Überversorgung durch hoch dosierte Präparate.

Jeder Sechste nimmt täglich künstliche Vitamine zu sich

„Nahrungsergänzungsmittel sind für die meisten Menschen verzichtbar,“ sagt Andreas Hensel, der Präsident des BfR. Trotzdem zeigt jetzt eine aktuelle Repräsentativbefragung seines Instituts: Ein Drittel der Bevölkerung nimmt mindestens einmal pro Woche Vitamine über Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Jeder Sechste greift sogar täglich darauf zurück. Besonders gefragt sind folgende Vitamine beziehungsweise Präparate:

  1. Vitamin D
  2. Vitamin B12
  3. Vitamin C
  4. Multivitamin-Präparate.
 

BfR spricht von „Unterversorgung“ – nicht von „Mangel“

Wer sich Nahrungsergänzungsmittel besorgt, kauft die Hoffnung, sich etwas Gutes zu tun – und einen Mangel zu bekämpfen, den es in Deutschland aber offenbar so nicht gibt. Ein „Mangel“ ist der Repräsentativbefragung zufolge das wichtigste Kaufmotiv. „Aus wissenschaftlicher Sicht kommt bei gesunden Menschen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, eine unzureichende Aufnahme von Vitaminen und eine dadurch bedingte Unterversorgung nur sehr selten vor“, heißt es beim BfR. „Unterversorgung“ bedeutet: Der Vitaminstatus bewegt sich vielleicht nicht im optimalen und wünschenswerten Bereich. Ein „Mangel“ muss das deshalb nicht sein. Nur in bestimmten Fällen wird in Deutschland laut BfR die Einnahme von Vitaminen über Nahrungsergänzungsmittel ausdrücklich empfohlen, beispielsweise im Fall von Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft.

Nahrung + Präparate = Risiko von Überversorgung

In der Studie des BfR gab etwa die Hälfte derer, die Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, an, sich „einen hohen gesundheitlichen Nutzen“ von der Einnahme zu versprechen. Zugleich stufen 42 Prozent der Konsumierenden die Wahrscheinlichkeit einer Überversorgung – bei täglicher Einnahme von Vitaminen über Nahrungsergänzungsmittel – selbstkritisch als „hoch“ ein. Nach Einschätzung des Bundesinstituts laufen gutgläubige Konsumenten Gefahr, Gesundheitsirritationen eher durch eine Über- denn durch eine Unterversorgung zu erleiden. „Tatsächlich steigt das Risiko für eine Überversorgung, wenn zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung – und damit ohne dass es nötig wäre – hoch dosierte Vitaminpräparate eingenommen werden“, so das BfR.

Vitaminpräparate: Verkauf ohne behördliches Zulassungsverfahren

In Drogerie- oder Lebensmittelmärkten werden Nahrungsergänzungsmittel oft in Arzneimitteloptik vermarktet, um seriös und wirksam zu erscheinen. Das ist aber ein Marketing-Kniff. „Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel“, heißt es dazu beim BfR. Anders als Arzneimittel durchlaufen sie jedoch kein behördliches Zulassungsverfahren, in dem die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen werden muss. Als Lebensmittel dürfen sie dennoch die Gesundheit nicht gefährden. Problematisch dabei ist laut BfR: „Die Verantwortung dafür liegt grundsätzlich bei den Lebensmittelunternehmen.“

Welche Vitamine einem Nahrungsergänzungsmittel zugesetzt werden dürfen, regelt in Deutschland die nationale Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV). Sie enthält allerdings keine rechtlich verbindlichen Höchstmengen für den Zusatz von Vitaminen.

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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