Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Jede zweite „Diabetische Fuß Amputation “ unnötig

Das Diabetische Fußsyndrom ist der häufigste Grund für eine Amputation. Tragisch, weil rund die Hälfte davon vermeidbar wäre. In spezialisierten Zentren finden Betroffene Hilfe.
50.000 Amputationen fordert jedes Jahr das Diabetische Fußsyndrom – rund die Hälfte davon ist überflüssig

50.000 Amputationen fordert jedes Jahr das Diabetische Fußsyndrom – rund die Hälfte davon ist vemeidbar

Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) fordert die meisten Amputationen in Deutschland. Betroffene verlieren einen Zeh, den ganzen Fuß oder das gesamte Schienbein – und damit Mobilität und Lebensqualität. Bis zu 50.000 solcher Amputationen werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt.

„Geeignete Präventionsmaßnahmen und interdisziplinäre ärztliche Zusammenarbeit kann Betroffenen einen solchen Weg zu ersparen“, erklärt Dr. Michael Eckhard, Sprecher der AG „Diabetischer Fuß“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft DDG. „Dass diesbezüglich noch viel zu tun ist, zeigen die Zahlen: Noch immer gehen etwa zwei Drittel aller jährlichen Amputationen in Deutschland auf das diabetische Fußsyndrom zurück – rund die Hälfte wäre vermeidbar.“

Zertifizierte Fußbehandlungszentren amputieren weniger

Die DDG fordert: Alle Menschen mit Diabetischen Fußsyndrom müssen an ein multidisziplinäres Fußbehandlungsteam verwiesen werden. So zeigen nationale und internationale Studien, dass in zertifizierten Zentren die Rate der Major-Amputationen nur bei etwa drei Prozent liegt, in der Regelversorgung dagegen noch bei über zehn Prozent.

Spezialisierte und zertifizierte Zentren haben ganz andere medizinische Möglichkeiten. Zum Beispiel kann mittels einer Transplantation von Stammzellen, die aus Fettgewebe des Patienten selbst gewonnen werden, in vielen Fällen die Wundheilung wieder in Gang gebracht werden. Oder mit neuesten Kathetern unterhalb des Knies die Durchblutung verbessert werden. Wichtig ist aber, dass die Patienten sich rechtzeitig an ein solches Zentrum werden. Ist eine Gliedmaße bereits abgestorben, bleibt nur noch die Amputation.

 

Anspruch auf Zweitmeinung

Doch nicht immer ist die Indikation so klar und eindeutig. Eine Zweitmeinung könnte vielen Diabetikern eine Amputation ersparen, sind Experten überzeugt. Patienten haben seit diesem Jahr sogar einen Rechtsanspruch darauf, sich vor einer geplanten Amputation eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einzuholen. „Dies soll Betroffene unterstützen, eine informierte Entscheidung zur möglichen Auswahl zwischen invasiven oder konservativen Behandlungsmöglichkeiten zu treffen und damit gegebenenfalls eine medizinisch nicht gebotene Amputation zu vermeiden“, erläutert Eckhard.

Telemedizin beschleunigt das Zweitmeinungsverfahren

Um Patienten das Einholen einer Zweitmeinung zu erleichtern, hat die AG Diabetischer Fuß der DDG ein telemedizinisches Tool entwickelt. Es soll dazu beitragen, dem Patienten eine zeitgerechte Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, ohne die Versorgungseinrichtung verlassen zu müssen. Denn: „Steht eine große, sogenannte Major-Amputation an, ist die Situation immer dringlich und erfordert eine Entscheidung binnen maximal 36 Stunden“, sagt Prof. Ralf Lobmann von der DDG.

Derzeit richtet die DDG in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und weiterer Kooperationspartner eine Plattform für ein telemedizinisches Fußkonsil ein. Kürzlich ist auch der Fuß-Pass der DDG erschienen: Er soll durch gezielte Patientenaufklärung das Zweitmeinungsverfahren bekannt machen und zur Senkung der hohen Amputationsrate beitragen.

Beim Diabetischen Fußsyndrom verzuckern die Gefäße, wodurch es zu einer verminderten Durchblutung und Wundheilungsstörungen kommt. Ohne eine ausreichende Durchblutung sind meist alle weiteren Maßnahmen zur Wundheilung und zum Erhalt der Extremitäten vergeblich.

Foto: © Adobe Stock/BigBlueStudio

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetischer Fuss
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetischer Fuß

28.07.2015

Auch wenn der Sommer zum Barfußlaufen einlädt, sollten Menschen mit einem diabetischen Fuß-Syndrom (DFS) besser feste Schuhe tragen. Sie spüren womöglich nicht, wenn Sandalen scheuern oder harte Gräser, scharfkantige Steine oder Muschelschalen den Fuß verletzen. Das rät die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Fast jeder zehnte Bundesbürger hat inzwischen ein Problem mit Diabetes. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Diabetes-Atlas der Krankenkasse Barmer hervor. Der Anstieg sei „alarmierend“, ungesunde Ernährung spiele dabei eine gewichtige Rolle – eine größere als der demographische Wandel. In einem Teil Deutschlands liegt die Zahl der Diabetiker schon über der 10-Prozent-Marke.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Corona-Pandemie und Lockdowns haben bei der Generation unter 30 Spuren hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, sind häufiger depressiv und aggressiv. Für 72 Prozent ist das Handy in der Coronakrise zur Haupt-Freizeitbeschäftigung geworden.

Corona sorgt für ein Allzeittief bei Arbeitsunfällen. Am dramatischsten sind Unfälle in der Schule zurückgegangen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben jetzt eine Bilanz für das Pandemiejahr 2020 vorgelegt.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin