. Welt-Tollwut-Tag 2016

Jährlich sterben über 50.000 Menschen an Tollwut

In Deutschland gilt die Tollwut dank Impfkampagnen als ausgerottet. Doch in anderen Regionen der Welt stellt die Erkrankung nach wie vor ein großes Problem dar. Der Welt-Tollwut-Tag am 28. September will über Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten aufklären.
Tollwut vermeiden

Lange Zeit galt in Deutschland der Fuchs als gefährlichster Tollwut-Überträger

Tollwut ist eine Virusinfektion, die eine Hirnentzündung auslöst. Das besonders Gefährliche an der Erkrankung ist, dass sie zwischen unterschiedlichen Spezies übertragen werden kann, also beispielsweise von infizierten Hunden auf Menschen. Meist geschieht dies über Bisse oder Kratzwunden durch das kranke Tier. Aber auch wenn der Speichel durch ungewaschene Hände in die Augen-, Nase- oder Mundschleimhäute gerät, droht eine Infektion. Für Menschen endet Tollwut fast immer tödlich, wenn die Infektion nicht vor dem Einsetzen der Symptome behandelt wird. Zwar wurde die Tollwut in Deutschland in den vergangenen Jahren wirksam eingedämmt, doch vor allem in ärmeren Ländern ist sie nach wie vor ein großes Risiko. Daher will der von der Global Alliance for Rabies Control organisierte Welt-Tollwut-Tag über Vorsichtsmaßnahmen informieren.

Indien am stärksten betroffen

Schätzungen zufolge sterben weltweit jährlich etwa 55.000 Menschen an Tollwut, davon die allermeisten in Entwicklungsländern in Asien und Afrika. Am stärksten betroffen ist Indien. Etwa 40 Prozent der Todesopfer sind Kinder unter 15 Jahren. Der Verlauf der Erkrankung ist überaus qualvoll. Zunächst treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber auf. Die Betroffenen leiden unter Reizbarkeit und werden überempfindlich gegen Licht und Geräusche. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sich eine ausgeprägt Scheu vor Wasser (Hydrophobie). Beim Schlucken verkrampft sich die Schlundmuskulatur so schmerzhaft, dass die Patienten es sogar vermeiden, ihren eigenen Speichel zu schlucken. Im letzten Stadium kommt es schließlich zu fortschreitenden Lähmungserscheinungen. Der Patient fällt ins Koma und stirbt in der Regel durch eine Atemlähmung.

In Deutschland ist der letzte bekannte Fall der klassischen Tollwut bei Menschen vor mehreren Jahren aufgetreten. Allerdings kann hier auch heute eine Infektion mit der sogennanten Fledermaus-Tollwut nicht ausgeschlossen werden. Daher sollten Menschen auch in Deutschland Vorsichtsmaßnahmen treffen, vor allem wenn sie sich in der Nähe von Haus- oder Wildtieren aufhalten oder wenn sie Reisen in gefährdete Gebiete planen. Einen Schutz gegen die Erkrankung gibt es nur durch die Impfung. Die Vorsorgeimpfung besteht aus insgesamt drei Injektionen. Je nach bestehender Gefährdung sollte die Impfung alle zwei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. Aber auch durch eine sofortige Impfung nach der Infektion lässt sich der Ausbruch der Erkrankung noch verhindern.

Welt-Tollwut-Tag klärt auf

Das größte Problem stellt die Unwissenheit dar, wie mit der Krankheit umzugehen ist. Meist wird erst gehandelt, wenn die Symptome eingesetzt haben – doch dann ist es fast immer zu spät. Die einzige Möglichkeit, Tollwut wirksam zu bekämpfen, sind systematische Impfkampagnen verbunden mit Aufklärung. Auch durch wiederholte Massenimpfungen von Hunden sowie die Eindämmung ihrer Vermehrung durch Kastrationsaktionen in bestimmten Ländern würde sich die Tollwut wirksam eindämpfen lassen – wie es in den Industrieländern bereits gelungen ist.

Am 28. September, dem Geburtstag von Louis Pasteur, der den ersten wirksamen Tollwut-Impfstoff entwickelt hat, soll auf die Gefahren der Tollwut aufmerksam gemacht sowie Informationen verbreitet werden, wie der Krankheit vorgebeugt werden kann. Die Aktivitäten reichen von öffentlichen Informationsveranstaltungen über Spendenläufe bis hin zu Gratis-Impfstoff-Abgaben für Hunde.

Foto: © sduben - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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