. Hormonwirkung von Kosmetika

Ist Sonnencreme tatsächlich gefährlich bei Brustkrebs?

Viele Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs sind verunsichert, denn immer wieder wird gesagt, dass sich in Sonnenschutzmitteln Substanzen mit hormoneller Wirkung befinden können. Der Krebsinformationsdienst klärt auf seiner Website über das Thema auf.
Sonnenchreme

Einige Sonnenschutzmittel stehen im Verdacht, eine hormonelle Wirkung zu haben

Im Internet finden sich immer wieder Warnungen vor Inhaltstoffen von Kosmetika, darunter auch von Sonnenschutzmitteln. Oft stehen diese Stoffe in Verdacht, eine hormonelle Wirkung zu haben und infolgedessen das Risiko für hormonbedingte Krebsarten erhöhen zu können. Auch sollen sie die Spermienqualität beeinträchtigen, zu Unfruchtbarkeit führen sowie eine verfrühte Pubertät von Mädchen begünstigen können.

Als besonders stark belastet gelten Sonnenschutzmittel, aber auch Haarwachs sowie Rasierschaum und -creme. Auch Lippenstifte und Gloss-Produkte sollen gefährlich sein. Durch diese Berichte sind vor allem viele Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs verunsichert. Der Krebsinformationsdienst informiert daher auf seiner Website, wie groß das Risiko durch Sonnencreme und -lotion wirklich ist.

Keine Belege für krebsfördernde Wirkung

Tatsächlich gibt es Substanzen in Sonnencremes, nämlich die chemischen UV-Filter, bei denen diskutiert wird, ob sie hormonell aktiv sein und somit theoretisch das Risiko für hormonabhänge Tumoren steigern könnten. Zu den chemischen UV-Filtern, von denen etwa die Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) im Internet abrät, gehören Butyl-Methoxydibenzoylmethan, Octocrylen und Ethylhexyl-p-methoxycinnamat.

Belege für ein tatsächlich erhöhtes Krebs- bzw. Rückfallrisiko beim Menschen durch diese Substanzen gibt es laut Krebsinformationsdienst jedoch nicht. Verschiedene Stoffdatenbanken (wie GESTIS oder PubChem), die unter anderem mögliche Gesundheitsrisiken auflisten, liefern demnach keine Hinweise auf ein Krebsrisiko durch die genannten Einzelsubstanzen. Auch gebe es keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen von klinischen Studien zum Krebs- und Rückfallrisiko durch die Anwendung von Sonnenschutzmitteln.

Auch in den aktuellen Leitlinien und Empfehlungen für Brustkrebs wird ein möglicherweise erhöhtes Brustkrebs- oder Rückfallrisiko durch Sonnenschutzmittel nicht erwähnt. Entsprechend gibt es auch keine Empfehlungen, nach einer Brustkrebsdiagnose Sonnencreme oder -lotion zu meiden. Selbst wenn Stoffe eine mögliche Hormonwirkung haben, so soll die intakte Haut das ungehemmte Eindringen von Substanzen weitgehend verhindern, so der Krebsinformationsdienst auf seiner Website.

 

Sonnencremes auf rein mineralischer Basis sind unbedenklich

Wer dennoch sichergehen will, kann kosmetische Produkte auf die genannten Inhaltsstoffe überprüfen. Bevor ein Kosmetikprodukt neu auf den Markt kommt, muss seine Zusammensetzung seit Juli 2013 in ein zentrales Meldesystem eingespeist werden. Informationen zu einzelnen Inhaltstoffen oder Stoffgruppen - wie beispielsweise UV-Filtern – bietet auch CosIng, die Datenbank der europäischen Kommission für Informationen zu kosmetischen Substanzen und Inhaltstoffen.

Verbleibt bei einer Patientin dennoch eine Restunsicherheit, kann sie auch auf chemische UV-Filter verzichten. Alternativ stehen Sonnenschutzmittel auf rein mineralischer Basis (= physikalische UV-Filter) zur Verfügung. Dies sind häufig Produkte aus dem Bereich der Naturkosmetik.

Foto: © creativefamily - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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