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28.09.2018

Iris-Diagnostik: Was sich wirklich an der Regenbogenhaut erkennen lässt

An Farbe, Flecken oder Furchen der Iris wollen Iridologen Krankheiten erkennen. Die Iris-Diagnostik sei unsinnig, entgegnen Mediziner. Sie erklären, was sich wirklich an der Regenbogenhaut erkennen lässt.
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Einige Krankheiten führen zu Veränderungen der Regenbogenhaut. Das ist aber kein Beleg für die Aussagekraft der Iris-Diagnostik

Organschäden, Rheuma oder Stoffwechselstörungen: Die Iridologie will an Farbe, Flecken oder Furchen der Iris Erkrankungen erkennen oder vorhersagen können. Augenärzte halten die Iris-Diagnostik, ein Verfahren der Komplementärmedizin, für medizinisch unsinnig. Das erklärten sie auf einer Veranstaltung der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) vor der Presse in Berlin.

Es gibt tatsächlich krankhafte Veränderungen der Regenbogenhaut, die auf Systemerkrankungen des Körpers hindeuten. "Das angeborene Fehlen der Iris etwa kann auf einen Nierentumor hinweisen, Knötchen an der Iris auf eine Trisomie 21, die Tumorerkrankung Neurofibromatose oder die entzündliche Gewebserkrankung Sarkoidose", berichtet Prof. Nicole Eter, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster.

Iris-Diagnostik: Was sich an der Regenbogenhaut erkennen lässt

Zudem können sich bösartige Tumoren der Lunge oder der Brustdrüse an der Iris absiedeln, erläutert die DOG-Präsidentin weiter. All das lässt sich an der Regenbogenhaut erkennen. Änderungen der Struktur in Form von Furchen, Streifen, Farbe oder Flecken hingegen besitzen keine Aussagekraft. Doch genau davon geht die Iridologie aus. Die Iris-Diagnostik beruhe auf einer "Fehlannahme", betont Prof. Martin Rohrbach von der Universitäts-Augenklinik Tübingen

"Bis heute gibt es für die Iris-Diagnostik keine anatomische oder physiologische Evidenz", so der DOG-Experte. Bei den "Irisflecken" etwa handle es sich um harmlose Ansammlungen von Pigmentzellen. "Die bräunlichen Punkte hat fast jeder im Auge", so Rohrbach.

 

Basiert Iris-Diagnostik nur auf Wahrscheinlichkeit?

Dementsprechend konnten die Thesen der Iridologie noch in keinem einzigen Fall wissenschaftlich bestätigt werden. "Egal, ob es sich um Karzinome des Magen-Darm-Traktes handelte oder Gallenblasenleiden: Die Iris-Diagnostik kam über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus", sagt Rohrbach.

Bücher aus dem Jahr 1954, die von Anhängern der Iridologie zur Begründung ihrer Verfahren herangezogen werden, entsprächen in keinster Weise mehr heutigen Standards. Die Iridologie geht auf Ignaz von Péczely (1826 - 1911) zurück, der als Kind einer Eule unabsichtlich ein Bein brach und danach im Auge des Vogels einen "Balken" zu erkennen meinte. Er schloss daraus, dass körperliche Veränderungen an der Regenbogenhaut sichtbar werden können.

Iris-Diagnostik: Körperregionen sind mit Iris "verkabelt"

In der Folge entwickelten Iridologen, die überwiegend als Heilpraktiker tätig sind, die Anschauung, dass der gesamte Körper mit der Iris "nerval verkabelt" ist. Alle Teile des menschlichen Körpers sollen demnach in Form von "Organfeldern" repräsentiert sein: die rechte Körperhälte in der rechten Iris, die linke in der linken Iris, die obere Körperhälfte in den oberen und die untere in den unteren Regenbogenhaut-Hälften. Im Rahmen der Iris-Diagnostik könnten an Änderungen der Struktur zurückliegende, aktuelle und künftige Erkrankungen abgelesen werden.

Derzeit sind in Deutschland etwa 45.000 Heilpraktiker tätig, von denen nach Schätzungen der DOG 5.000 bis 8.000 iridologisch tätig sein dürften. Dass die Iridologie nach wie vor umfangreich nachgefragt wird, führt der Ophthalmologe Rohrbach vor allem auf einen Umstand zurück: "Heilpraktiker und Iridologen besitzen etwas sehr Wertvolles, das wir Ärzte in Zeiten der auch ökonomisch bedingten Verdichtung für unsere Patienten sehr oft leider nicht mehr erübrigen können: ausreichend Zeit."

Foto: stasique/fotolia.com

Foto: ©Stasique - stock.adobe.com

Autor: bab
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