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IQWIG bescheinigt COPD Mittel Aclidinium doch einen Zusatznutzen

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat dem COPD Medikament Aclidinium soeben einen erheblichen Zusatznutzen bescheinigt. Das Mittel zum Inhalieren war auf Antrag des Herstellers erneut bewertet worden.
Aclidinium unterzieht sich erneut einer Nutzenbewertung: Zusatznutzen ja, hängt aber vom Schweregrad der COPD ab

Aclidinium unterzieht sich erneut einer Nutzenbewertung: Zusatznutzen ja, hängt aber vom Schweregrad der COPD ab

Seit fast vier Jahren ist Aclidiniumbromid kurz: Aclidinium zur Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zugelassen. Das unter den Handelsnamen Eklira und Bretaris bekannte Medikament wirkt bronchienerweiternd und wird als Trockenpulver inhaliert. Es wird als Monotherapie sowie in der Fixkombination mit dem Wirkstoff Formoterol angeboten. Letzterem hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) 2015 einen Zusatznutzen bescheinigt. Doch für die 2012 zugelassene Monotherapie konnte das IQWIG keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber anderen Therapien erkennen. Folglich verdient der Hersteller damit weniger Geld.

Zusatznutzen nur bei COPD-Schweregrad III belegt

Mit Verweis auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse hatte der Hersteller im vergangenen Jahr eine erneute Bewertung des Monopräparats beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G -BA) beantragt. Das G-BA nahe IQWIG hat die Nutzenbewertung inzwischen abgeschlossen und sieht in dem Mittel nun doch „einen beträchtlichen Zusatznutzen“, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heißt. Allerdings nicht für alle, sondern nur für bestimmte Patienten. Demnach profitieren Erwachsene mit einem COPD-Schweregrad von III und weniger als zwei Krankheitsschüben (Exazerbationen) pro Jahr. Bei ihnen, so das IQWIG, treten solche Schübe mit Aclidiniumbromid wesentlich seltener auf. Bei Patienten mit Schweregrad II konnten die Wissenschaftler dagegen keine Überlegenheit von Aclidinium erkennen.

Für weitere Patientengruppen lagen dem Institut keine oder nur unzureichende bzw. widersprüchliche Daten vor. So bleibt etwa die Frage offen, ob die Monotherapie bei COPD-Schweregrad IV mit weniger als zwei Exazerbationen Patienten besser nützt als die Vergleichstherapie mit Formoterol oder einem inhalatives Kortikosteroid (ICS). Hierzu gaben die Studien schlichtweg keine Daten her.

„Somit verbleibt nur für eine Patientengruppe, nämlich Erwachsene mit Schweregrad III, die weniger als zwei Exazerbationen pro Jahr haben, ein Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen“, fasst das IQWIG zusammen. Für weitere Patientinnen und Patienten gebe es dagegen weiterhin keinen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.

 

Aclidinium gilt als bronchienerweiternde Dauertherapie

Inhaliertes Aclidinium wirkt lokal in den Lungen. Es verhindert Bronchialkrämpfe und stellt die Atemweg weit. Insbesondere die bei COPD erschwerte Ausatmung wird durch die Inhalation erleichtert. In der Zulassungsstudie wurde bereits ab dem ersten Behandlungstag eine signifikante bronchienerweiternde Wirkung beobachtet. Der positive Effekt konnte über die gesamte Studiendauer von einem halben Jahr aufrechterhalten werden. Wegen moderater Nebenwirkungen kann das Mittel als Dauertherapie der COPD angewendet werden.

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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