. Mehr als neun Millionen Deutsche leiden unter Inkontinenz

Internationaler Inkontinenztag

Trotz der geschätzten neun Millionen Inkontinenzbetroffenen in Deutschland wird über das Thema kaum gesprochen. Der Internationale Inkontinenztag am 30. Juni soll das ändern. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird über die Themen Harn- und Stuhlinkontinenz aufgeklärt.
Internationaler Inkontinenztag

Das Thema Inkontinenz ist mit viel Schamgefühl besetzt

Es ist nach wie vor ein Tabuthema, das mit großem Schamgefühl besetzt ist: Inkontinenz. Dabei sind Schätzungen zufolge in Deutschland mehr als neun Millionen Menschen betroffen. Um dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu widmen, findet am 30. Juni im Rahmen der World Continence Week der Internationale Inkontinenztag statt. Zahlreiche Veranstaltungen informieren an diesem Tag Interessierte, Betroffene, Ärzte und Fachpersonal über Harn- und Stuhlinkontinenz und klären über Ursachen, Verläufe und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankungen auf.

Harninkontinenz kann verschiedene Gründe haben

Der Begriff Inkontinenz bezeichnet grundsätzlich das Unvermögen, etwas zurückzuhalten. Medizinisch wird unterschieden zwischen Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Milchinkontinenz und Flatulenz. Am meisten verbreitet ist die Harninkontinenz, also der ungewollte Verlust von Urin. Dabei werden diagnostisch meist vier Formen unterschieden: Dranginkontinenz, Stresskontinenz, Reflexinkontinenz und Überlaufinkontinenz. Die Ursachen sind dabei sehr verschieden und können in neurologischen Erkrankungen, aber auch in Veränderungen der Blase selbst oder umliegender Organe liegen.

Bei der Dranginkontinenz kommt es aus verschiedenen Gründen zu einem plötzlichen starken Harndrang mit häufigem unwillkürlichem Urinabgang. Bei der Stressinkontinenz tritt ein ungewollter Verlust von Urin aufgrund einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit des Verschlussapparats der Harnblase auf. Die Reflexinkontinenz bezeichnet eine gestörte Übertragung der Nervenimpulse aus dem Gehirn oder Rückenmark zur Harnblase, wodurch die Blasenmuskulatur ungehemmt kontrahiert, was zum Harnabgang führt. Die Überlaufinkontinenz wiederum ist Folge von Abflusshindernissen, wodurch es zu einem Harnstau und zu einer Druckerhöhung der maximal gefüllten Blase kommt.  

 

Beschwerden lassen sich häufig lindern

So unangenehm die Erkrankungen sind – in vielen Fällen lassen sie sich gut behandeln oder zumindest lindern. Wichtig ist es, sich einem Arzt anzuvertrauen und offen über das Thema zu sprechen. Je nach Ursache der Inkontinenz stehen dann verschiedene Therapien zur Verfügung. Dazu gehören vor allem Medikamente, Toilettentraining, Beckenbodenübungen oder in einigen Fällen ein operativer Eingriff. Auch die Selbst-Katheterisierung kann in vielen Fällen Abhilfe schaffen und die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen. Zudem bieten Apotheken eine Reihe von Inkontinenz-Hilfsmitteln an, deren Kosten unter Umständen auch von den Krankenkassen übernommen werden.

Foto: © andriano_cz - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Pflege , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blasenstörung , Urologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Inkontinenz

| Nicht alle Patienten mit Reizblase sprechen auf eine medikamentöse Therapie an. Für diese Menschen gibt es nun eine neue Behandlungsmöglichkeit. Erst kürzlich wurde die Injektion mit Botox zur Behandlung der Reizblase zugelassen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Deutschland importiert viel mehr Organe aus dem Ausland als es exportiert. Damit werden die Transplantationschancen für Patienten in unseren Nachbarländern verschlechtert. Darauf macht die DGCH aufmerksam und fordert die Einführung der Widerspruchslösung.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.