. Lebensqualität im Alter

Intergenerative Begegnungen verbessern Lebensqualität von Jung und Alt

Begegnungen zwischen Vorschulkindern und hochbetagten Menschen können Einstellungen, Verhalten und soziale Kompetenzen aller Beteiligten verändern und ihre Lebensqualität verbessern. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojekts „Intergenerative Begegnungen“.
Intergenerative Begegnungen

Alt und Jung können viel voneinander lernen.

Kontakte zwischen Kindern und alten Menschen sind in unserem Alltag nicht mehr selbstverständlich. Abgesehen von verwandtschaftlichen Beziehungen, die aber aufgrund räumlicher Entfernung auch oft nur sporadisch sind, gibt es heutzutage wenig Berührungspunkte zwischen Jung und Alt, und das Erfahrungswissen älterer Menschen spielt im Leben der jüngeren Generation nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Folge ist, dass sich negative Vorurteile bilden und das Verständnis der Generationen füreinander fehlt.

Intergenerative Begegnungen stärken soziale Kompetenzen

Dabei können intergenerative Begegnungen beiden Seiten nutzen. Um herauszufinden, ob und wie begleitete Zusammenkünfte zwischen Jung und Alt die Lebensqualität beider verbessern können, haben die Fachbereiche Gerontologie und Frühpädagogik der Katholischen Akademie Freiburg das Forschungsprojekt „Intergenerative Begegnungen“ ins Leben gerufen. Von 2011 bis 2013 haben sie in Kooperation mit verschiedenen Partnern Vorschulkinder und hochbetagte Menschen zusammengebracht und Veränderungen in den Einstellungen und dem Verhalten der Beteiligten analysiert. Die Ergebnisse des Projekts wurden nun der Öffentlichkeit vorgestellt.  

Wichtig für das Projekt war, dass die intergenerativen Begegnungen durch pädagogische Fachkräfte feinfühlig begleitet wurden und die Teilnahme freiwillig war. Die Forscher konnten feststellen, dass sich bei den Kindern nach zwei Jahren regelmäßiger Teilnahme Veränderungen in ihren Urteilen und Verhaltensweisen sowie in ihren sozial-emotionalen Kompetenzen zeigten. Kinder, die häufiger an intergenerativen  Begegnungen teilgenommen haben, konnten stärker zwischen altersspezifischen Merkmalen und der individuellen Persönlichkeit von Menschen unterscheiden und hatten gelernt, sich in die Wünsche und Gefühle der alten Menschen hineinzuversetzen. Auch waren Themen wie Krankheit, Pflege und Tod für die Kinder weniger angstbehaftet und tabuisiert. Videogestützte Beobachtungen und Interviews zeigten zudem, dass die Kinder in ihrem Selbsterleben gestärkt wurden, weil sie in den Begegnungen Aufmerksamkeit und positive Zuwendung erfahren hatten.

Alte Menschen erleben ein Stück „Normalität“

Auch die Hochbetagten profitierten von den Besuchen. Professor Thomas Klie, einer der Projektleiter erklärte: „Wir wissen, dass es gerade für Menschen am Ende ihres Lebens besonders bedeutsam ist, in Kontakt zu den ihnen nachfolgenden Generationen zu stehen und sie erleben zu können.“ Das Projekt Begegnungen habe diese Gelegenheiten geschaffen. „Die älteren Menschen haben in dem Projekt Momente des Glücks, der Begegnung, des Kontaktes und ein Stück „Normalität“ - die gerade von den Älteren so dringend gewünscht wird – erlebt“, so Klie.

Intergenerative Begegnungen können also auch die Lebensqualität der älteren Generation verbessern und zur sozialen Teilhabe beitragen. Die Forscher hoffen nun, dass das Projekt auch Ausstrahlungskraft für die Altenpflege haben kann. Alle Beteiligten erklärten jedenfalls, nach Abschluss der Studie die Begegnungen fortsetzen zu wollen.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Demografischer Wandel

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