. Gesunde Architektur

Intensivstationen: Farben und Licht können Heilungsprozess beeinflussen

„Gesunde Architektur“ wird immer mehr zum Thema. Das gilt auch für Krankenhäuser. Wie sich Farbe und Licht auf Patienten und Personal von Intensivstationen auswirken können, hat kürzlich das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal untersucht – mit interessanten Ergebnissen.
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Die Umgebung kann den Heilungsprozess von Patienten signifikant beeinflussen

Im Krankenhaus zu liegen, ist grundsätzlich nicht angenehm. Und wer auf einer Intensivstation liegt, befindet sich in einer gesundheitlich besonders prekären Lage. Alles, was hier die Situation für die Patienten angenehmer macht, kann sich auch positiv auf ihren Heilungsprozess auswirken – das ist mittlerweile durch zahlreiche Studien nachgewiesen worden. Und das gilt sogar für das Licht- und Farbspektrum der Räume. Nun hat das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal in einer einjährigen Forschungsstudie die Wirkung von Farbe und Licht auf Patienten und Personal der Intensivstation untersucht. Erste signifikante Ergebnisse wurden bereits vorgestellt.

Farbe und Licht beeinflussen Gesundheitszustand

Für die Studie wurden die Räume der Intensivstationen des Klinikums in Barmen renoviert. Die Arbeiten umfassten den Neuanstrich von Wänden, Decken und Türen sowie den Austausch sämtlicher Leuchtmittel. Um aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können, wurden die Bewertungen von Patienten, Angehörigen und Personal vor wie nach der Renovierung mittels Fragebögen und über Interviews erfasst.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Umweltfaktoren Licht und Farbe eine besonders positive Wirkung auf das Befinden und den Gesundheitszustand von Intensivpatienten, das Vertrauen und die Zufriedenheit von Angehörigen sowie die Arbeitsmotivation und Identifikation des Personals der Station haben“, so Dr. Gabriele Wöbker, Chefärztin der Klinik für Intensivmedizin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Axel Buether, Farbforscher an der Bergischen Universität Wuppertal, im Rahmen der Ergebnisvorstellung ein erstes Resümee zog.

 

Zufriedenheit um 30 Prozent erhöht

Es zeigte sich, dass die Zufriedenheit der Patienten mit den Räumlichkeiten durch die neue Farb- und Lichtgestaltung um etwa ein Drittel gesteigert werden konnte. „Ebenso belegen die Ergebnisse der Untersuchung, dass sich Licht und Farbe positiv auf den Medikamentenverbrauch der Patienten auswirken und diesen erheblich reduzieren können.“

Die Wirkung erstreckt sich aber nicht nur auf die Wahrnehmung des architektonischen Raums, sondern auch auf die der Fürsorge. Denn der von den Betroffenen als „Wohlfühlatmosphäre“ bezeichnete Raumeindruck sorgte auch für einen besseren Eindruck von der Pflege. Die positive Bewertung der Pflegemaßnahmen stieg bei den Patienten nach der Renovierung um fast 30 Prozent. Zudem fühlten sich die Patienten nach den Renovierungsarbeiten auf der Station wesentlich privater und wohler.

Auch Mitarbeiter waren zufriedener

"Insbesondere Gefühle wie Geborgen- und Sicherheit sind für die Genesung der Patienten ein entscheidender Faktor. Hier haben wir nach der Renovierung eine Steigerung von über 55 Prozent erzielt“, erläutert Dr. Gabriele Wöbker. Und auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigerte sich offenbar. „Die Raumqualität der Patientenzimmer wird vom Personal sogar um 40 Prozent besser beurteilt“, so Prof. Dr. Axel Buether.

„Die Studie war für uns ein voller Erfolg. Den Ergebnissen zufolge haben die Faktoren Farbe und Licht einen sehr großen Einfluss auf den Menschen und seine Gesundheit“, so Prof. Dr. Axel Buether. „Für uns sind die Ergebnisse ein klares Signal, dass mit wenigen Mitteln sehr viel bewegt werden kann. In Wuppertal werden wir in jedem Fall an dem Projekt festhalten und es sukzessive erweitern“, ergänzt Dr. Gabriele Wöbker.

Foto: © Kiryl Lis - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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