Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Intensivmediziner Marx warnt vor Überlastung des Gesundheitssystems

Dienstag, 23. November 2021 – Autor:
Angesichts des exponentiellen Wachstums der Infektionszahlen hat der Präsident der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. Lockdowns will Gernot Marx nicht ausschließen.
In einigen Regionen Deutschlands arbeiten Kliniken bereits im Notfallmodus

In einigen Regionen Deutschlands arbeiten Kliniken bereits im Notfallmodus – Foto: © Adobe Stock/Sudok1

In der Charité wird bereits jede dritte Operation abgesagt. Auch in sächsischen Krankenhäusern herrscht aktuell alles andere als Regelbetrieb. Seit Freitag gilt die Überlastungsstufe. Gleichzeitig läuft am Donnerstag die epidemische Notlage in Deutschland aus.

Situation in einigen Regionen geradezu dramatisch

Wenig Verständnis dafür hat der Präsident der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI) Gernot Marx. Zwar habe der Bundestag "viele gute Maßnahmen" beschlossen, dennoch sei die Beendigung der epidemischen Lage nationaler Tragweite nicht verständlich, sagte er im Interview mit dem Sender phoenix. "Die Situation ist in einigen Regionen geradezu dramatisch, in anderen Regionen angespannt“, so der Leiter der Intensivmedizinischen Klinik an der Uniklinik der RWTH-Aachen. Daher sei es unverständlich, "weshalb man sich Instrumente verbietet, die sich in der Vergangenheit als sehr wirkungsvoll erwiesen haben."

 

Kliniken schalten auf Notfallmodus um

Mit Blick auf die wachsende Zahl von COVID19-Patienten auf Intensivstationen sagte er, aktuell gebe es "keinen Grund zur Panik", er warnte aber dennoch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. "Wir müssen uns klar machen, wenn dieses Infektionsgeschehen so weitergeht, das heißt, dass wir dann wie in der Charité die planbaren Operationen absagen müssen, dass wir insgesamt auf einen Notfallmodus umschalten“, sagte Marx. Das insgesamt sehr hohe Niveau unserer allgemeinen Gesundheitsversorgung stünde dann nicht in der gewohnten Weise zur Verfügung, „weil wir dann auch ganz viel Personal aus anderen Bereichen in die Intensivmedizin transferieren müssen, um eben mehr Betten aufzumachen - und das wollen wir möglichst nicht.“

Marx verglich das aktuelle exponentielle Wachstum der Infektionszahlen mit der Situation vor einem Jahr. Damals habe es einen "Lockdown Light" gegeben und dennoch seien die Zahlen weiter angestiegen. „Es mussten dann eben vier Wochen später härtere Maßnahmen durchgeführt werden.“

Es sei nicht schwer auszurechnen, „wo wir in den nächsten vier Wochen hinkommen werden, wenn es uns nicht gelingt, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen", erklärte Gernot Marx. Dazu dürften auch weitergehende Maßnahmen wie Schließungen von Schulen und Geschäften nicht ausgeschlossen werden.

Neues Infektionsschutzgesetz schließt Lockdown aus

Im neuen Infektionsschutzgesetz, das am Freitag vom Bundesrat genehmigt wurde, werden jedoch flächendecken Schulschließungen, Beherbungsverbote, Ausgangssperren – also Lockdowns explizit ausgeschlossen.

Dafür treten andere Maßnahmen in Kraft. So gilt etwa die 3G-Regelung künftig auch am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Testpflicht gilt künftig in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher.

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Vierte Welle

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Mehr als 52.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag wurden dem Robert Koch-Institut gemeldet. Einen Höchstwert hat auch die bundesweite 7-Tage-Inzidenz erreicht.
 
Weitere Nachrichten
Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, vor allem im höheren Alter. Ein Hauptrisikofaktor ist das Geschlecht – aber das lässt sich nicht ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.


 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin