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23.10.2014

Intensivmedizin hat Hamburger Ebola-Patienten gerettet

Der Hamburger Ebola-Patient ist trotz schwerer Komplikation geheilt. Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf konnten den WHO-Mitarbeiter allein mit intensivmedizinischen Maßnahmen retten – ganz ohne experimentelle Mittel. Der Fall könnte Wissenschaftlern wichtige neue Erkenntnisse liefern.
Intensivmedizin hat Hamburger Ebola-Patienten gerettet

Ebola Heilung in Hamburg: Intensivmedizinische Maßnahmen führten zum Erfolg

Nach fünf Wochen auf der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf konnte der an Ebola erkrankte WHO-Mitarbeiter Anfang Oktober als geheilt entlassen werden. Dabei befand sich der Mann offenbar in einem sehr kritischen Zustand. Wie das UKE jetzt mitteilt, litt er zunächst an einem schwerwiegenden Flüssigkeitsmangel, der über Infusionen mit bis zu zehn Litern Flüssigkeit pro Tag ausgeglichen werden musste. Zwei Wochen später kam eine schwere Blutvergiftung mit multiresistenten Bakterien hinzu, die den Zustand des inzwischen stabilisierten Patienten dramatisch verschlechterte. Der Patient litt ab diesem Zeitpunkt an ausgeprägten Bewusstseinsstörungen und zunehmend eingeschränkter Lungenfunktion.

Ebola-Patient benötigte anfangs bis zu zehn Liter Flüssigkeit pro Tag

Dennoch war es den Hamburger Ärzten gelungen, dem WHO-Mitarbeiter aus Sierra Leone das Leben zu retten. „Nur die intensivmedizinische Betreuung hat unseren Patienten gerettet, der unter äußerst ernsthaften Sekundärkomplikationen litt“, sagt der für die Behandlung verantwortliche Tropenmediziner Dr. Stefan Schmiedel vom UKE.

Während die Ärzte die typischen Symptome der Ebola-Infektion wie Durchfall und Erbrechen nach wenigen Tagen erfolgreich im Griff hatten, erlitt der Patient am 13. Behandlungstag eine schwere bakterielle Blutvergiftung. Das Überleben des Patienten konnten die Ärzte mit einer gezielten Antibiotikatherapie und einer nicht-invasiven Beatmung sichern. Schmiedel: „So lange keine hinreichend wirksamen und sicheren Ebola-spezifischen Therapien zur Verfügung stehen, scheint es für die Überlebenswahrscheinlichkeit besonders wichtig, dass die erkrankten Menschen schnell über Infusionen mit Flüssigkeit versorgt werden können und eine optimal unterstützende Therapie gegeben wird.“

 

Engmaschige Diagnostik, bis kein Ebola-Virus mehr nachweisbar war

Am 40. Tag nach Ausbruch der Infektion konnte das UKE den Mann schließlich als geheilt entlassen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits seit 20 Tagen keine infektiösen Ebola-Viren in den Proben des Patienten mehr nachweisbar. Die Entlassung erfolgte in Absprache mit den Gesundheitsbehörden. „Durch die engmaschige Diagnostik konnten wir viel über das Virus und den Verlauf der Viruserkrankung lernen“, sagt die Tropenmedizinerin Prof. Dr. Marylyn Addo vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. „So isolierten wir beispielweise noch infektiöse Ebola-Viren aus dem Urin, während im Blutplasma schon Tage zuvor keine Viruspartikel mehr nachweisbar waren.“

Das gewonnene Wissen wollen die Ärzte und Infektiologen nun weiter geben. Die Erkenntnisse könnten nämlich für die Behandlung anderer Ebola-Patienten von großer Bedeutung sein. Im New England Journal of Medicine haben die betreuenden Ärzte und Infektiologen des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung einen Artikel mit dem Titel „A case of severe Ebola virus infection complicated by gram-negative septicemia“ veröffentlicht. Darin beschreiben sie - im Einverständnis mit dem Patienten - wie sie bei der Behandlung genau vorgegangen sind.

Der WHO-Mitarbeiter hat als Epidemiologe in einem Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone gearbeitet und sich wahrscheinlich bei einem Kollegen infiziert. Zehn Tage nach Krankheitsausbruch wurde er nach Hamburg auf die Sonderisolierstation des UKEs überführt. Das hat ihm offenbar das Leben gerettet. Sein Kollege war an der Ebola-Infektion gestorben

Foto: © Aycatcher - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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