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Intelligente Menschen haben weniger vernetzte Gehirne

Sonntag, 20. Mai 2018 – Autor:
Intelligenz ist offenbar keine Frage von möglichst vielen Nervenzellverbindungen. Ganz im Gegenteil: Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass intelligente Gehirne sogar weniger vernetzt sind.
Intelligenz, Gehirn

Hoher IQ: schlanke, aber effiziente Vernetzung der Neurone

Die Intelligenzforschung beschäftigt sich schon lange mit der Frage, wodurch sich intelligente Gehirne von weniger intelligenten unterscheiden. Während die einen Wissenschaftler davon ausgehen, dass intelligente Menschen größere Gehirne besitzen und somit mehr Nervenzellen (Neurone) haben, vermuten andere, dass bei intelligenteren Menschen - trotz ihrer vergleichsweise hohen Anzahl an Nervenzellen - weniger neuronale Aktivität erforderlich ist, etwa um einen Intelligenztest zu absolvieren.

Intelligenz eine Frage der Effizienz

Nun wurde eine Erklärung für die widersprüchlichen Ergebnisse gefunden. Forscher um die beiden Neurowissenschaftler Dr. Erhan Genç und Christoph Fraenz von der Ruhr-Universität Bochum konnten zeigen: Je intelligenter ein Mensch ist, desto weniger Dendriten besitzt er in der Großhirnrinde. Dendriten sind Zellfortsätze im Gehirn, mit denen eine Nervenzelle Kontakt zu anderen Nervenzellen aufnimmt. Ergo sind weniger vernetzte Gehirne intelligenter. Neurowissenschaftler Erhan Genç erklärt den auf den ersten Blick paradoxen Fund so: „Intelligente Gehirne zeichnen sich durch eine schlanke, aber effiziente Vernetzung ihrer Neurone aus. Dadurch gelingt es, eine hohe Denkleistung bei möglichst geringer neuronaler Aktivität zu erzielen.“

 

Viel hilft nicht viel

Für ihre Studie haben die Forscher 259 Männern und Frauen mittels Neurite Orientation Dispersion and Density Imaging untersucht. Das ist eine besondere Form der Magnetresonanztomografie, die Einblicke in die mikrostrukturelle Verschaltung des Gehirns erlaubt. Mit der Methode konnten sie in der Großhirnrinde die Menge an Zellfortsätzen (Dendriten) messen. Alle Probanden mussten außerdem einen Intelligenztest absolvieren. Nachdem die Forscher die so gewonnenen Daten in Beziehung zueinandersetzten, fanden sie heraus, dass die Anzahl der Dendriten über den IQ bestimmt - allerdings im negativen Sinne: Je mehr Dendriten vorhanden waren, desto schlechter schnitten die Probanden im Intelligenztest ab und umgekehrt.

Der Zusammenhang zwischen Anzahl an Dendriten und Intelligenz konnte in einer weiteren Stichprobe mit 500 Personen bestätigt werden. Die Daten stammten aus dem Human-Connectome-Projekt.

Die Arbeit „Diffusion markers of dendritic density and arborization in gray matter predict differences in intelligence“ ist soeben im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.

Foto: pixabay

Hauptkategorie: Medizin
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