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Intelligente Anti-Dekubitus-Matte erkennt Druckstellen und warnt das Pflegepersonal

Sonntag, 20. Februar 2022 – Autor:
Langes Liegen im Krankenhaus – und erst recht im Alten- oder Pflegeheim – kann Druckgeschwüre auslösen. Um dem vorzubeugen, müssen die Patienten regelmäßig und rechtzeitig umgelagert werden – nicht so einfach fürs Personal. Die TH Köln hat eine intelligente Anti-Dekubitus-Matte entwickelt. Sie berechnet den optimalen Zeitpunkt fürs Umlagern und alarmiert die Pflegekräfte, wenn es so weit ist.
Krankenpflegerin lagert Patienten im Krankenbett um.

Bettlägrige Patienten in Kliniken oder Pflegeheimen müssen regelmäßig neu gelagert werden, damit auf der Haut keine Druckgeschwüre entstehen. – Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

Patienten, die bewegungseingeschränkt oder bettlägerig sind, haben ein erhöhtes Risiko, Druckgeschwüre zu entwickeln. Dieser „Dekubitus“ ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut beziehungsweise des darunterliegenden Gewebes, die durch eine länger einwirkende Druck- oder Reibungsbelastung entsteht. „Das Dekubitusrisiko in Kliniken liegt bei rund 30 Prozent, in Pflege- und Altenheimen sogar bei mehr als 50 Prozent“, sagt Prof. Dr. Mohieddine Jelali vom Institut für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik der Technischen Hochschule Köln. Um Druckgeschwüren vorzubeugen, müssen Patientinnen und Patienten regelmäßig umgelagert werden. Für das Pflegepersonal ist das mit hohem Aufwand verbunden.

Pflegepersonal entlasten, Patienten vor Dekubitus schützen

Ziel eines aktuellen Forschungsprojektes der TH Köln war daher die Entwicklung eines Systems, welches das Pflegepersonal entlastet und die Dekubitus-Prophylaxe verbessert. Die im Rahmen dessen entwickelte Anti-Dekubitus-Matte ermittelt mit Hilfe von integrierter Sensorik und künstlicher Intelligenz (KI) ein Risiko für Dekubitus, informiert das Pflegepersonal, bevor sich ein Geschwür bilden kann, und berechnet den optimalen Zeitpunkt für ein Umlagern.

 

Sensorik erfasst Risikofaktoren: Bewegung, Temperatur, Feuchtigkeit

Innerhalb der Anti-Dekubitus-Matte befindet sich ein Sensornetz, mit dem die Druckverteilung auf der Liegefläche gemessen wird. Ergänzt wird dieses durch mehrere Sensorelemente, die weitere relevante Messgrößen wie beispielsweise Eigenbewegungen, Temperatur und Feuchtigkeit erfassen. „Mit Hilfe der gemessenen Kennwerte kann das System mögliche Dekubitus-Gefahrenbereiche identifizieren, wie wir in einer Vorstudie ermitteln konnten“, sagt Jelali.

Dekubitusgefahr: Pfleger werden per App alarmiert

Sollte ein Patient über einen längeren Zeitraum einem erhöhten Dekubitusrisiko ausgesetzt sein, wird das Pflegepersonal über die Alarmfunktion einer mobilen App informiert, dass ein Umlagern notwendig ist. „Darüber hinaus wird mittels unserer intelligenten Auswertealgorithmen ein Zeitfenster ermittelt, in dem voraussichtlich eine Umlagerung notwendig sein wird, erläutert Ingenieur Jelali. „Dieses kann dann in der Arbeitsplanung entsprechend berücksichtigt werden.“

Keine Anschaffung neuer Bettgestelle nötig

Die intelligente Auflagematte kann auf der Matratze eines bereits vorhandenen Bettes angebracht werden. Dadurch entfällt die kostenintensive Anschaffung von speziellen Bettgestellen, die für vergleichbare Geräte häufig benötigt wird.

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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