. Mitarbeiter ohne Motivation

Innere Kündigung: Folgen für Unternehmen und Mitarbeiter sind hoch

Wer nur noch Dienst nach Vorschrift macht und schon ab Arbeitsbeginn nur auf den Feierabend wartet, hat sie oft schon vollzogen: die innere Kündigung. Meist sind ein schlechtes Verhältnis zum Vorgesetzen sowie mangelnde Anerkennung und das Fehlen realistischer Zielsetzungen schuld.
Innere Kündigung

Eine innere Kündigung erfolgt meist schleichend

Die innere Kündigung ist ein ernsthaftes Problem. Betroffene Mitarbeiter identifizieren sich nicht mehr mit ihrem Unternehmen und sehen keinen Sinn in ihrer Tätigkeit. Der Einsatz für den Job tendiert gegen Null. Das ist nicht nur ein Problem für den Arbeitgeber, sondern kann auch zu seelischen und körperlichen Beschwerden der Arbeitnehmer führen. „Wer innerlich gekündigt hat, identifiziert sich nicht mehr mit dem Unternehmen“, erklärt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands der Werks- und Betriebsärzte. Der Mitarbeiter ist nicht mehr mit dem Arbeitgeber verbunden und handelt ihm gegenüber möglicherweise nicht mehr loyal.

Innere Kündigung oft schleichend

Das Problem der inneren Kündigung scheint durchaus häufig zu sein. Dem Beratungsunternehmen Gallup zufolge empfinden 16 Prozent der Arbeitnehmer keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen. Und laut einer Studie der von den Krankenkassen und Unfallversicherern getragenen Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) unter 381 Personalverantwortlichen interessiert sich jeder fünfte Arbeitnehmer nicht mehr für seinen Job und arbeitet nur noch das Nötigste.

Die innere Kündigung erfolgt meist schleichend. Für Außenstehende ist dies oft schwer zu erkennen. Dennoch gibt es Zeichen dafür, dass jemand innerlich kündigt: Meist zeigt er an Auseinandersetzungen mit dem Chef und den Mitarbeitern kein Interesse mehr. Er ist nicht bereit, die eigene Meinung zu sagen und bringt keine neuen Ideen, Vorschläge oder Kritik ein.

 

Mangelnde Anerkennung und fehlendes Vertrauen häufiger Grund

Der Schlüssel für diese Reaktion liegt oft im Verhalten der Vorgesetzten. So kann es sein, dass der Mitarbeiter das Gefühl hat, dass die eigene Arbeit nicht anerkannt wird. Problematisch ist es auch, wenn Arbeitnehmer das Gefühl haben, keinen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen oder keine Aufstiegschancen zu haben. Die Folge: Mitarbeiter werden immer unzufriedener, die Loyalität gegenüber dem Unternehmen nimmt ab. Der Versuch, die mangelnde Motivation und Arbeitsfreude zu verbergen, löst wiederum Stress aus, was zu Depressionen und psychosomatischen Störungen führen kann.

Auch Negativerlebnisse wie das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, können zur inneren Kündigung führen. Auch ein autoritärer Führungsstil, mangelnde Gesprächsbereitschaft sowie die fehlende Einbeziehung der Mitarbeiter in Entscheidungen lassen deren Motivation, sich für das Unternehmen einzusetzen, schwinden. Herrscht im Betrieb eine Kultur des Misstrauens oder hat man das Gefühl, es kommt zu willkürlichen Kündigungen, ist die Gefahr für die eigene innere Kündigungen um ein Vielfaches erhöht. Problematisch ist es auch, wenn Unternehmensvisionen fehlen oder sich diese zu weit von der Realität entfernen.

Offene Gespräche und realistische Zielvereinbarungen helfen gegen innere Kündigung

Menschen, die innerlich gekündigt haben, sprechen meist nicht darüber – auch aus Angst, den Job zu verlieren. Daher hat auch immer die Konjunktur Einfluss auf die Häufigkeit des Phänomens. Wer kaum Chancen sieht, einen neuen Job zu finden, zieht sich aus Selbstschutz in die innere Kündigung zurück. Ist die Lage am Arbeitsmarkt hingegen gut, steigt die Mitarbeiterfluktuation in den Unternehmen.

Hilfreich für die Verhinderung des Phänomens „innere Kündigung“ sind realistische Zielvereinbarungen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Dabei kommt persönlichen Gesprächen eine wichtige Bedeutung zu. Hier sollte es vor allem um die Anerkennung der Leistung und die Erwartungen der Vorgesetzten gehen. Jede Führungskraft sollte mit seinem Mitarbeiter mindestens einmal im Jahr ausführlich darüber sprechen, welche Aufgaben er erfüllt hat, welche Ziele er erreicht hat und wie seine berufliche Entwicklung aussehen kann.

Podcast informiert über Ursachen und Gegenmaßnahmen

Um betroffene Unternehmen und Mitarbeiter zu unterstützen, hat die Initiative Arbeit und Gesundheit (iga) einen neuen Podcast ins Netz gestellt. Dieser informiert über Ursachen und Folgen der inneren Kündigung und zeigt mögliche Gegenmaßnahmen auf. Der Podcast mit dem Titel „Innere Kündigung“ vermittelt den Hörern unter anderem die Ergebnisse des Studienprojekts "Engagement erhalten - innere Kündigung vermeiden" und steht ab sofort auf der Homepage der iga zum kostenlosen Download bereit.

Foto: © leszekglasner - Fotolia.com

Autor: anvo
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| Jede sechste Kündigung wird aufgrund von Alkoholmissbrauch ausgesprochen. Dies geschieht selten sofort, sondern meist erst nach Monaten oder sogar Jahren mit häufigen Fehlzeiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Kollegen und Vorgesetzte sollten daher frühzeitig das Gespräch mit den Betroffenen suchen.
 
 

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