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Inkontinenz bei Pflegebedürftigen: Wie gehe ich damit um?

Inkontinenz ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen ein häufiges Problem. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich der Umgang damit jedoch erheblich erleichtern. Ein neuer Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege gibt Praxistipps für pflegende Angehörige.
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Bei starker Inkontinenz gehören Windeln zu den wichtigsten Hilfsmitteln

Inkontinenz bedeutet, wiederholt ungewollt Urin oder Stuhl zu verlieren. Ältere und pflegebedürftige Menschen sind besonders oft von Inkontinenz betroffen. Einer Studie zufolge leiden über 60 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland, die von einem Pflegedienst versorgt werden, unter Harninkontinenz. Das sind etwa 400.000 Menschen. Bei Bewohnern in Pflegeheimen ist der Anteil noch höher.

Für pflegende Angehörige ist die Herausforderung beim Umgang mit Inkontinenz besonders groß. Das kann so weit gehen, dass die häusliche Pflege nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Daher hat das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) einen kostenlosen Ratgeber für pflegende Angehörige mit praktischen Hinweisen und aktuellem Basiswissen zum Thema Harn- und Stuhlinkontinenz entwickelt.

ZQP gibt Tipps für den Umgang mit Inkontinenz

Es gibt verschiedene Formen von Inkontinenz. Bei einer Belastungs-Inkontinenz geht beim Heben, Husten oder Lachen unkontrolliert Urin ab. Bei einer überaktiven Blase oder Drang-Inkontinenz ist der Harn- oder Stuhldrang so plötzlich und dringend, dass die Toilette oft nicht rechtzeitig erreicht wird. Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen kommt häufig eine Mischung beider Formen vor.

Der Ratgeber „Inkontinenz. Praxistipps für den Pflegealltag“ gibt einen Überblick, welche Behandlungsansätze es bei Inkontinenz gibt, welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern und wie diese richtig angewendet werden. Darüber hinaus bietet das Heft viele Tipps, welche Anpassungen in der Wohnung den Alltag für Menschen mit Inkontinenz einfacher machen können.

 

Infektionen und Hautschäden vermeiden

Ungewollt Urin oder Stuhl zu verlieren, beeinträchtigt die Lebensqualität enorm. Es kann zudem zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen wie Infektionen oder Hautschäden. Auch hier gibt der neue Ratgeber praktische Tipps, beispielsweise zur Hautpflege. So ist es wichtig, die Inkontinenz-Produkte mehrmals täglich und nach jeder Stuhl-Ausscheidung zu wechseln und die Haut möglichst nach jeder Ausscheidung mit weichen hautschonenden Feucht- oder Öltüchern zu reinigen. Auch sollten die betroffene Haut und die Hautfalten trocken getupft und nicht abgerieben werden, um Verletzungen und Reizungen zu vermeiden. Cremes auf Zinkbasis, spezielle Salben oder Vaseline schützen die Haut zusätzlich. 

Umgang mit Scham ist wichtiges Thema

Ein weiteres wichtiges Thema bei Harn- und Stuhlinkontinenz ist der Umgang mit der Scham. Betroffene vermeiden häufig aus Angst vor dem nächsten „Unfall“, das Haus zu verlassen – Isolation und Einsamkeit drohen. Auch hier gibt der Ratgeber Tipps. Bei Menschen mit Demenz wiederum ist es wichtig, ihnen die Orientierung zu erleichtern. Dazu kann die Toilettentür mit großen Symbolen, Bildern und Schriftzügen gekennzeichnet werden. Manchmal hilft auch ein farbiger Toilettensitz, der sich deutlich vom Rest des WCs abhebt.

Der Ratgeber „Inkontinenz. Praxistipps für den Pflegealltag“ des ZQP ist Teil einer Reihe, die Angehörigen fundierte, alltagstaugliche Tipps für die häusliche Pflege an die Hand gibt. Die Druckausgaben können kostenlos über die Webseite des ZQP bestellt oder als vollständige PDF-Datei direkt heruntergeladen werden.

Foto: © yuttapon - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin , Pflege
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