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15.06.2019

Industriell gefertigte Lebensmittel schneiden schlecht ab

Industriell gefertigte Lebensmittel wie Hamburger, Tiefkühlpizzen, Eiscreme oder Limonaden schneiden in zwei aktuellen Ernährungsstudien schlecht ab. Danach erhöhen sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Hamburger, Burger, Fast Food

Der Konsum von ultraverarbeiteten Lebensmitteln birgt auf lange Sicht Gesundheitsrisiken

Industriell gefertigte Lebensmittel wie Hamburger, Tiefkühlpizzen, Eiscreme oder Limonaden schneiden in zwei aktuellen Ernährungsstudien schlecht ab. Danach erhöhen sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das berichtet die British Nutrition Foundation

Die ultraverarbeiteten Lebensmittel enthalten häufig höhere Anteile an gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz sowie geringere Anteile an Ballaststoffen und Vitaminen. Zugleich weisen sie in der Regel eine lange Liste an Inhaltsstoffen auf, die sie schmackhafter, appetitlicher und haltbarer machen sollen.

Mehr als 17 Prozent ultraverarbeitete Lebensmittel

Die NutriNet-Santé-Studie begann 2009 und umfasste 105.159 französische Erwachsene (21 Prozent Männer, 79 Prozent Frauen, Durchschnittsalter 42,7 Jahre). Die Probanden füllten webbasierte 24-Stunden-Fragebögen aus, um die Aufnahme von 3.300 verschiedenen Nahrungsmitteln zu erfassen. Die Nachbeobachtungszeit betrug durchschnittlich 5,2 Jahre. In diesem Zeitraum gab es 1.409 Herz-Kreislauf-Vorfälle.

Der durchschnittliche Gewichtsanteil von ultraverarbeiteten Lebensmitteln an der Ernährung betrug 17,6 Prozent bei Männern und 17,3 Prozent bei Frauen. Der Hauptanteil entfiel auf zuckerhaltige Lebensmittel (28 Prozent), Obst- und Gemüseprodukte (18 Prozent,) Getränke (16 Prozent), stärkehaltige Lebensmittel einschließlich Frühstückszerealien (12 Prozent) und verarbeitetes Fleisch, Fisch und Eier (11 Prozent).

 

Höhere Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bilanz der Autoren: Der Konsum von ultraverarbeiteten Lebensmitteln war mit einer signifikant höheren Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (12 Prozent), koronaren Herzerkrankungen (13 Prozent) und Schlaganfall (11 Prozent) verbunden. Das erhöhte Risiko betrug 4 Prozent pro zusätzlichen 100 g/Tag ultraverarbeiteter Nahrungsmittel. Unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel waren mit einem um 9 Prozent geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Vorfälle verbunden.

Die Seguimiento Universidad de Navarra (SUN)–Studie wurde zwischen 1999 und 2014 in Spanien durchgeführt. Daran nahmen 19.899 spanische Hochschulabsolventen (39 Prozent Männer, 61 Prozent Frauen, mittleres Alter 38 Jahre) teil, die Fragebögen zur Häufigkeit von Lebensmitteln ausfüllten. Die durchschnitliche Nachbeobachtungszeit betrug 10 Jahre, in denen 335 Todesfälle auftraten, davon 164 durch Krebs.

Industriell gefertigte Lebensmittel schneiden schlecht ab

Die Hauptarten von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln die von den Probanden konsumiert wurden, waren verarbeitetes Fleisch (15 Prozent), gezuckerte Getränke (15 Prozent), Milchprodukte, darunter auch Eiscreme, Pudding und Milchshakes (12  Prozent), Pommes Frites (11 Prozent) und Gebäck und Süßwaren (10 Prozent).

Fazit der Autoren: Ein höherer Konsum von ultraverarbeiteten Lebensmitteln (mehr als 4 Portionen pro Tag) war mit einem 62 Prozent erhöhten Risiko einer Gesamtmortalität im Vergleich zu einem geringeren Konsum (weniger als 2 Portionen pro Tag) verbunden. Industriell gefertigte Lebensmittel schneiden also schlecht ab. Beide Studien erschienen im Fachmagazin BMJ.

Vier Verarbeitungsgrade von Lebensmitteln

Das in den Studien verwendete NOVA-Klassifizierungssystem berücksichtigt nicht den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln, sondern den Verarbeitungsgrad. Zu Gruppe 1 (unverarbeitete und minimal verarbeitete Lebensmittel) gehören Obst, Gemüse, Nüsse, Fleisch, Eier, Milch. Die Lebensmittel können getrocknet, pasteurisiert, gekocht oder gekühlt sein.

Zu Gruppe 2 (verarbeitete Zutaten) gehören Öle, Butter, Zucker und Salz, die zu Produkten verarbeitet sind, die zur Zubereitung von Lebensmitteln der Gruppe 1 verwendet werden, aber nicht für den Direktverbrauch bestimmt sind.

In Gruppe 3 (verarbeitete Lebensmittel) finden sich Obst- und Gemüsekonserven, Fischkonserven, Käse und frisches Brot. Sie sind in der Regel aus zwei oder drei Zutaten hergestellt.

In Gruppe 4 (ultraverarbeitete Lebensmittel) gehören Erfrischungsgetränke, abgepackte Snacks, verarbeitetes Fleisch, vorgefertigte Tiefkühlgerichte. Sie enthalten, wenn überhaupt, nur wenig intakte Lebensmittel der Gruppe 1. Enthalten sind dafür Zutaten wie Süßstoffe, Farben, Konservierungsstoffe und aus Lebensmitteln stammende Substanzen wie Kasein, Laktose und Gluten.

Foto: stephanie eichler/fotolia.com

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