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11.02.2021

Jedes dritte Kind psychisch auffällig

Lockdowns und Kontaktbeschränkungen wirken sich auch auf die Gemütslage von Kindern aus. Eine Untersuchung der Universitätsklinik Hamburg zeigt: Acht von zehn Befragten fühlen sich durch die Pandemie belastet, jedes dritte Kind zeigt psychischen Auffälligkeiten
Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie mindestens genauso wie Erwachsene

Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie mindestens genauso wie Erwachsene

Kinder und Jugendliche leiden psychisch unter dem fortwährenden Ausnahmezustand - mit Lockdwons, Home Schooling und Freiheitsbeschränkungen. So hat sich nach einer Untersuchung von Medizinern aus Hamburg die Lebensqualität der 7- bis 17-jährigen deutlich verschlechtert. Acht von zehn Befragten fühlen sich durch die Pandemie belastet, jedes dritte Kind zeigt psychischen Auffälligkeiten – vor der Pandemie war es nur jedes fünfte.

So werden verstärkt etwa depressive Symptome, ausgeprägte Ängste und Sorgen oder vereinzelt auch psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen beobachtet. Für die bundesweite COPSY-Studie wurden zunächst im Mai und Juni 2.500 Kinder, Jugendliche und Eltern befragt. Die zweite Befragung erfolgte zwischen Dezember 2020 und Januar 2021.

Lebensqualität der Kinder verschlechtert sich

Die Ergebnisse der zweiten Befragung zeigen, dass sich die psychische Lage der Kinder und Jugendlichen gegenüber der ersten Befragung noch einmal deutlich verschlechtert hat. Auch das Gesundheitsverhalten ist demnach schlechter geworden: Es werden zu viele Süßigkeiten gegessen und zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie und doppelt so viele wie bei der ersten Befragung machen überhaupt keinen Sport mehr. Parallel dazu verbringen die Kinder noch mehr Zeit als im Frühsommer 2020 an Handy, Tablet und Spielekonsole, wobei sie die digitalen Medien jetzt häufiger für die Schule nutzen.

 

Probleme zu wenig berücksichtigt

„Die seelischen Belastungen und Bedürfnisse von Familien und Kindern während der Pandemie und während eines Lockdowns müssen stärker berücksichtigt werden“, sagt Studienleiterin Prof. Ulrike Ravens-Siebere mit Blick auf die Ergebnisse.  Vor allem brauche man verlässlichere Konzepte, um insbesondere Kinder aus Risikofamilien zu unterstützen und ihre seelische Gesundheit zu stärken, so die Kinder- und Jugendpsychiaterin vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Mehr Streit in den Familien

Auch in der zweiten Befragung berichten die Kinder und Jugendlichen über mehr Streit in den Familien, über vermehrte schulische Probleme und ein schlechteres Verhältnis zu ihren Freunden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Familien, die über einen guten Zusammenhalt berichten und viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, besser mit den Belastungen in der Pandemie umgehen können. Doch auch viele Eltern fühlen sich mittlerweile durch die anhaltende Pandemie belastet und zeigen vermehrt depressive Symptome. „Die Eltern scheinen sich auf die Anforderungen durch das Homeschooling und die Doppelbelastung mit ihrer Arbeit eingestellt zu haben und versuchen, diese bestmöglich zu managen“, sagt Ravens-Sieberer. „Sie kommen dabei aber zunehmend an ihre Grenzen.“

Weitere Befragung folgt im Sommer

Die repräsentative Stichprobe der bundesweiten COPSY-Studie umfasst mehr als 1.000 11- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Eltern von 7- bis 17-Jährige. Der Online-Fragebogen umfasste Fragen zum Umgang der Kinder mit der Krisensituation, Fragen zu den Bereichen Schule, Freunde und Familie, zu psychischen Problemen wie Ängsten und Depressionen und zu psychosomatischen Beschwerden. Auch das Familienumfeld, der Medienkonsum und Ernährungsgewohnheiten wurden beleuchtet. Eine weitere Folgebefragung ist diesen Sommer geplant.

Foto: © Adobe Stock / esthermm

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
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