Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.05.2017

In Würde sterben - zu unwürdigen Preisen?

Der Gesetzgeber hat unlängst die Weichen für ein würdigeres Sterben im Krankenhaus gestellt. Doch jetzt feilschen einige Krankenkassen um jeden Cent. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin spricht von einem „höchst unglücklichen Signal“.
Palliativdienste sollen das Sterben im Krankenhaus menschenwürdiger machen. Einige Kassen haben jedoch unanständige Vorstellungen, was das kosten darf

Palliativdienste sollen das Sterben im Krankenhaus menschenwürdiger machen. Einige Kassen haben jedoch unanständige Vorstellungen, was das kosten darf

Niemand wünscht sich sein Lebensende im Krankenhaus. Und doch muss etwa jeder zweite dort sterben. Krankenhäuser sind, wie einschlägige Untersuchungen zeigen, jedoch in der Regel nicht auf eine professionelle Sterbebegleitung eingestellt. Nur etwa 20 Prozent verfügen überhaupt über eine eigene Palliativstation.

Abhilfe verspricht das Ende 2015 verabschiedete Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung. Es erlaubt Krankenhäusern seit diesem Jahr, externe bzw. mobile Palliativdienste zur Betreuung sterbenskranker Patienten hinzuziehen. Dafür müssen die Häuser individuelle Zusatzentgelte mit den Krankenkassen verhandeln.  

„Unfassbare Dumpingpreise“ im Gespräch

Doch was aus den ersten Verhandlungen zu hören ist, klingt wenig erfreulich. Der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zufolge sind „unfassbare Dumpingpreise von 50 Euro“ im Gespräch. „Diese völlig inadäquaten Angebote sind ein höchst unglückliches Signal einzelner Kostenträger“, beklagt DGP-Vizepräsident Dr. Bernd-Oliver Maier. „Wir warnen davor, dieses absolut notwendige Angebot für Patienten und Angehörige zu billig zu verkaufen.“

Palliativdienste müssen rund um die Uhr erreichbar sein und einen Pool aus Ärzten und anderen Fachkräften vorhalten. Dazu gehören auch Sozialarbeiter und Psychologen. Zur der eigentlichen Versorgung der Patienten kommen zahlreiche administrative Aufgaben hinzu, etwa die Behandlungskoordination, inhaltliche Absprachen, Falldiskussionen, Übergabe, Dokumentation usw. Ein Stundenhonorar von 50 Euro ist da nur schwer nachvollziehbar und aus Sicht der Palliativmediziner unverienbar mit guter Qualität: „Die neue Regelung wird nur bei angemessener Refinanzierung zu qualitativ hochwertiger und patientenzugewandter Versorgung führen“, warnt Maier. Deshalb nehme die DGP die ersten Rückmeldungen aus den laufenden Verhandlungen mit großer Besorgnis zur Kenntnis.

 

Ärzte mit an den Verhandlungstisch

Um derartigen Feilschereien künftig vorzubeugen, schlägt die DGP vor, die im Palliativdienst tätigen Ärzte mit in die Verhandlungen einzubinden. „Damit in den Gesprächen anhand praktischer Beispiele verdeutlicht werden kann, welche tatsächliche Leistung und welcher Aufwand sich hinter den Ziffern verbirgt“, so Maier.

Foto: © Herby ( Herbert ) Me - Fotolia.com

Foto: Herby ( Herbert ) Me - Fotolia

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Palliativmedizin

29.01.2018

Eine Software kann ausrechnen, ob jemand in den nächsten drei bis zwölf Monaten sterben wird. Das Tool wurde für schwer kranke Patienten entwickelt. Die Wissenschaftler wollen damit eine bessere palliativmedizinische Versorgung am Lebensende erreichen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Das Gehirn als Denkfabrik des Menschen produziert nicht nur schlaue Gedanken und speichert Wissen und Erfahrungen. Es produziert auch materiellen Stoffwechsel-Abfall: 2,5 Kilo im Jahr, doppelt so viel wie das eigene Organgewicht. Damit das Gehirn funktionstüchtig und gesund bleibt, muss es gereinigt werden – und dies geschieht vor allem nachts. Ein Grund, warum gesunder Schlaf lebenswichtig ist.


Die Zahl der Diabetesfälle ist dabei zu explodieren – in Deutschland wie weltweit. Die WHO spricht schon jetzt von einer weiteren „Pandemie“. Ein Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt, was jeder Einzelne selbst tun kann und sollte, um sein persönliches Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin