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In welchem Bundesland gibt es die meisten Alkoholiker?

Dienstag, 4. Januar 2022 – Autor:
In Bayern wird das meiste Bier gebraut, in Rheinland-Pfalz der mit Abstand meiste Wein gekeltert. Die meisten Alkoholabhängigen aber gibt es in Bundesländern, die ganz woanders liegen. Das zeigt eine Studie des „Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung“ (bifg).
Flaschen an der Bar - unscharf.

Männlich, Baby-Boomer, Nordostdeutscher: Dies sind typische Eigenschaften von Alkoholkranken in Deutschland. – Foto: AdobeStock/volff

Im Vergleich der deutschen Bundesländer ist Bayern das Land mit den meisten Brauereien (41 Prozent) und der größten Menge an gebrautem Bier (23 Millionen Hektoliter). Beim Wein ist Rheinland-Pfalz einsamer Spitzenreiter: Zwei Drittel der deutschen Anbaufläche liegen hier.* Die meisten Alkoholabhängigen jedoch gibt es im geographisch entgegengesetzten Teil Deutschlands: Das ergibt sich aus einer Studie des „Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung“ (bifg).

Weinland Rheinland-Pfalz: Am wenigsten offizielle Alkoholiker

Der Auswertung des bifg zufolge diagnostizierten Ärzte im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern bei 21 und in Bremen sogar bei 22 je 1.000 Personen eine Alkoholabhängigkeit. Der Bundesschnitt lag bei 14 je 1.000 Einwohner. Den geringsten Anteil an Alkoholkranken gab es demnach ausgerechnet im Weinland Rheinland-Pfalz mit 11 Fällen auf 1.000 Einwohner.

 

Alkoholismus in Deutschland: Je nördlicher und östlicher, desto größer das Problem

Zieht man auf der Deutschlandkarte eine Diagonale vom Emsland im Nordwesten zum Fichtelgebirge im Südosten, so zeigt sich: Die Gebiete südwestlich davon liegen unter dem Bundesdurchschnitt, was ärztliche festgestellte Alkoholprobleme angeht; die Gebiete nordöstlich davon darüber. Spitzenreiter sind Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Hier weicht die erfasste Zahl der Alkoholiker um mehr als 50 Prozent vom Bundesdurchschnitt nach oben ab.

Alkoholabhängigkeit – Das Bundesländer-Ranking

Überdurchschnittlicher Anteil von Alkoholkranken:

Bremen: 22,2 Patienten mit Alkoholabhängigkeit je 1.000 Einwohner
Mecklenburg-Vorpommern: 21,1
Sachsen: 18,5
Hamburg: 18,0
Berlin: 17,4
Thüringen: 17,3
Sachsen-Anhalt: 17,1
Brandenburg: 16,6
Schleswig-Holstein: 16,5
Niedersachsen: 14,4

Unterdurchschnittlicher Anteil von Alkoholkranken:

Bayern: 13,2 Patienten mit Alkoholabhängigkeit je 1.000 Einwohner
Nordrhein-Westfalen: 12,3
Saarland: 12,1
Baden-Württemberg: 12,0
Hessen: 12,0
Rheinland-Pfalz: 11,1
(Quelle: Barmer)

Regionale Unterschiede „rein medizinisch nicht erklärbar“

„Die massiven regionalen Unterschiede bei der Alkoholabhängigkeit sind rein medizinisch nicht erklärbar“, interpretieren Barmer-Experten die Ergebnisse. „Hier dürften auch sozio-demographische Faktoren eine Rolle spielen.“

Deutschland: Mehr als eine Million Alkoholabhängige

Deutschlandweit waren der Studie zufolge waren im vergangenen Jahr in Deutschland 820.000 Männer und 329.000 Frauen erwiesenermaßen alkoholabhängig. Dabei sind vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte betroffen gewesen. So waren unter den 55- bis 60-jährigen Männern zuletzt rund 131.000 alkoholabhängig und knapp 51.000 Frauen in derselben Altersgruppe.

„Alkoholismus manifestiert sich in der Regel über viele Jahre und kommt vor allem in der Generation der Babyboomer der 50er- und 60er-Jahre vor“, sagt Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer. „Neben individuellen Gründen und Schicksalsschlägen mag auch die Sozialisation eine Rolle spielen. Alkohol hatte damals einen anderen Stellenwert, insbesondere in Zeiten des Wirtschaftswunders.“

Diagnose Alkoholabhängigkeit: Tendenz steigend

In der Gesellschaft von heute dagegen existiere ein viel stärkeres Bewusstsein für die Risiken des Alkoholkonsums, heißt es bei der Barmer. Gleichwohl sei die Zahl der Menschen mit der Diagnose „Alkoholabhängigkeit“ in den vergangenen fünf Jahren von 1,09 auf 1,15 Millionen Betroffene gestiegen, mit einer Ausnahme: Von 2019 auf 2020 gab es einen Rückgang – einen minimalen allerdings nur. Diesen erklärt die Barmer mit der Corona-Pandemie und der Tatsache, dass seit deren Beginn weniger Menschen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hätten. Dadurch seien einige Fälle auch unentdeckt geblieben.

(* Quellen: Bier: Bayerisches Landesamt für Statistik; Wein: rpr1 – Wein-Facts aus Rheinland-Pfalz)

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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