Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

In Ost- und Nordsee können sich Urlauber mit Vibrionen infizieren

Dienstag, 14. Juli 2020 – Autor:
Beim Baden in Ost- und Nordsee können sich Urlauber mit Vibrionen infizieren. Was das erste Anzeichen für eine Infektion ist, und wann man zum Arzt gehen sollte.
Strandkorb, Ostsee, Nordsee, Strandurlaub

In Nord- und Ostsee können sich in heißen Sommern Vibrionen vermehren – Foto: ©refresh(PIX) - stock.adobe.com

Deutsche Urlauber zieht es aufgrund der Corona-Pandemie aktuell vermehrt an Ost- und Nordsee. In heißen Sommern können sich dort Bakterien aus der Familie der Vibrionen stark im Wasser vermehren und zu schweren Infektionen führen.

Das CRM Centrum für Reisemedizin rät Reisenden, bei ersten Anzeichen einen Arzt aufzusuchen. Dazu zählen starke Schmerzen bei kleinen Hautverletzungen.

In Ost- und Nordsee können sich Urlauber mit Vibrionen infizieren

Bei Vibrionen handelt es sich um Bakterien, die mäßig bis stark salzbedürftig sind. Ihr bekanntester Vertreter ist der Erreger der Cholera. In der Ost- und Nordsee, vereinzelt auch in leicht salzhaltigen Binnengewässern, kommen vor allem die sogenannten Nicht-Cholera-Vibrionen als Bestandteil der natürlichen Bakterienflora vor. Urlauber können sich hier infizieren.

Bei Wassertemperaturen über 20 Grad und einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent vermehren sie sich stark. "Diese Bedingungen liegen in warmen Sommern an der Ostsee mit einem Salzgehalt von 0,8 Prozent vor", erläutert Prof. Tomas Jelinek. Der Salzgehalt der Nordsee liege zwar höher, gerade an Flussmündungen gäbe es aber auch hier ideale Bedingungen für ein vermehrtes Bakterienwachstum.

 

Vibrionen gelangen über nicht-verheilte Wunden in den Körper

Die Nicht-Cholera-Vibrionen gelangen beim Baden oder Wasserwaten über nicht-verheilte Wunden oder im Wasser entstandene Hautverletzungen in den Körper. Bei Kindern wurden vereinzelt auch Ohrinfektionen beobachtet.

"Prinzipiell ist auch eine Infektion möglich, wenn man kontaminierte Meerestiere verarbeitet und sich dabei verletzt oder rohe beziehungsweise halb gare Austern, Muscheln, Krabben oder Fische verzehrt", erklärt der Reisemediziner. Letzteres könne zu schweren Magen-Darm-Infektionen bis hin zu einer Blutvergiftung führen. Diese Fälle kämen aber ausschließlich in wärmeren Klimazonen als Deutschland vor und wurden bislang von der Nord- und Ostseeküste nicht berichtet.

Vibrionen-verursachte Wundinfektionen sehr schmerzhaft

"Vibrionen-verursachte Wundinfektionen rufen vergleichsweise starke Schmerzen hervor, die angesichts der sichtbaren Wunde als übertrieben empfunden werden", sagt Jelinek. Dieses erste Anzeichen gelte es unbedingt ernst zu nehmen und einen Arzt aufzusuchen. Im weiteren Verlauf können Fieber, Schüttelfrost bis hin zu einer Blutvergiftung auftreten.

Ohne adäquate Behandlung bewirkten die Bakterien bei schweren Verläufen ein tiefgreifendes Absterben von Zellen und die Entstehung von Hautgeschwüren, die schlimmstenfalls eine Amputation betroffener Gliedmaßen erforderlich machen oder gar zum Tod führen könnten. "Infizierte Personen werden in erster Linie antibiotisch behandelt. Häufig ist auch eine chirurgische Behandlung nötig", erläutert der Experte. "Wenn die Infektion aber rechtzeitig erkannt wurde und die Behandlung schnell erfolgt, ist dies auch bei Risikopatienten meist erfolgreich."

Kann für ältere, vorerkrankte Personen tödlich enden

Erst seit dem 20. März 2020 ist eine Infektion mit humanpathogenen Vibrionen-Spezies in Deutschland namentlich meldepflichtig. "Mecklenburg-Vorpommern nennt seit 2003 insgesamt 53 Erkrankungen, darunter neun Tote", so Jelinek. Gesunde, junge Menschen erkranken in der Regel selten und nur mild an einer Infektion mit Nicht-Cholera-Vibrionen. Für ältere und vorerkrankte Personen kann diese hingegen tödlich enden.

Zu den Risikogruppen gehören ältere, immungeschwächte Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Leber-, Herz- oder Krebserkrankungen. "Diese sollten sich am Badeort informieren und vom Baden in Gewässern mit vermutetem oder bestätigtem Vorhandensein von Vibrionen absehen", mahnt Jelinek. "Für alle anderen gilt: Nach dem Baden im Meer entzündete Hautverletzungen sollten umgehend ärztlich untersucht werden!"

Foto: Adobe Stock/refresh(PIX)

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Badeurlaub

Quallen, Muscheln, Seeigel: Am Strand und beim Baden im Meer hat man mit ungewohnten Lebewesen zu tun. Die sind nur selten gefährlich – trotzdem muss man sich zu helfen wissen, wenn man sich beim Urlaub am Meer im Kontakt mit Tieren oder anderen Objekten verletzt. Vieles verhält sich da anders als an Land.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Typ-2-Diabetes, Depressionen, Demenz: Menschen, die über Jahre täglich Kaffee trinken, haben ein geringeres Risiko für eine ganze Reihe von Krankheiten. Ob Kaffee gesund ist, hängt allerdings auch davon ab, wie viel man pro Tag trinkt – und wann.


Man kennt es vom Jod: die systematische Anreicherung von Salz mit diesem Stoff wirkt Schilddrüsenerkrankungen entgegen. Könnte die systematische Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D krebsbedingte Todesfälle verhindern. Das Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hat Erkenntnisse dazu.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin