. Schätzung Robert Koch-Institut

In Deutschland leben mehr als 83.000 Menschen mit HIV

Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS. Etwa jeder achte weiß nichts davon.
HIV/AIDS in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen blieb mit 3.200 Fällen im Jahr 2014 weiterhin stabil.

HIV/AIDS in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen blieb mit 3.200 Fällen im Jahr 2014 weiterhin stabil.

Einmal im Jahr gibt das des Robert Koch-Institut (RKI) Zahlen zur Prävalenz von HIV/AIDS in Deutschland bekannt. Die neue Schätzung hat nun ergeben, dass rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS leben. Darunter befinden sich rund 3.200 Neuinfektionen, das sind ebenso viele wie im Vorjahr. Diese Zahl ist allerdings eine Schätzung und entspricht nicht den tatsächlichen Neudiagnosen. Eine gute Nachricht ist, dass offenbar mehr HIV-Infizierte Medikamente gegen das Virus einnehmen und damit in der Regel kaum noch infektiös sind. „Dieser positive Effekt und die bisherigen Präventionsanstrengungen haben aber bislang nicht ausgereicht, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern“, kommentiert RKI-Präsident Lothar H. die neuen Zahlen.

Laut RKI-Schätzung sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit geschätzten 53.800 Betroffenen nach wie vor die größte Gruppe der HIV-Infizierten. Schätzungsweise 10.500 Infektionen gehen auf heterosexuelle Kontakte zurück. In dieser Gruppe soll die Zahl der Neuinfektionen leicht angestiegen sein. In der MSM-Gruppe ging sie dagegen moderat zurück.

13.200 Menschen wissen nichts von ihrer Infektion

Besonders alarmierend ist, dass etwa 13.200 der 83.400 Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. RKI und Deutsche AIDS-Hilfe appellieren daher zu frühzeitigen Tests. „Wer sich frühzeitig testen und gegebenenfalls behandeln lässt, kann lange und gut mit HIV leben“, betont DAH-Vorstand Ulf Hentschke-Kristal. „Aids ist heute fast immer vermeidbar – wenn man von der Infektion weiß!“

Das RKI weist daraufhin, dass gerade bei Heterosexuellen die HIV-Diagnose oft erst sehr spät gestellt wird. In dieser Gruppe sei das Risikobewusstsein geringer ausgeprägt und die Menschen ließen sich seltener auf HIV testen. Ärzte sollten daher bei Auftreten von sogenannten HIV-Indikatorerkrankungen auch bei als heterosexuell eingeordneten Patienten vermehrt an die Möglichkeit einer HIV-Infektion denken und einen Test empfehlen, rät das Institut.

 

480 HIV-bedingte Todesfälle in 2014

Laut Deutscher AIDS-Hilfe erfahren in Deutschland jährlich mehr als 1.000 Menschen erst von ihrer Infektion, wenn sie bereits an AIDS erkrankt sind. Hentschke-Kristal vermutet, vor allem die Angst vor Diskriminierung und der Glaube, mit HIV sei ein erfülltes Leben nicht mehr möglich, halte Menschen vom HIV-Test ab. Unerkannte HIV-Infektionen gefährden jedoch nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Partner. 2014 sind etwa 480 HIV-Infizierte gestorben.

Foto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HIV / AIDS , HIV-Test , HIV , Robert Koch-Institut
 

Weitere Nachrichten zum Thema HIV/AIDS

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
. Weitere Nachrichten
Sonnenbräune ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schützt sie vor weiteren Schäden der Haut, anderseits ist die Braunpigmentierung schon der Schaden selbst. Gesunde Haut geht daher nur mit Sonnenschutz.
Auffällig viele junge Menschen mit Morbus Bechterew (axiale Spondyloarthritis) rauchen. Dabei ist Tabak ein echtes Gift für alle entzündlichen Formen von Rheuma. Ein Rauchstopp ist deshalb fester Bestandteil der Therapie
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.