Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

In Deutschland leben mehr als 83.000 Menschen mit HIV

Montag, 9. November 2015 – Autor:
Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS. Etwa jeder achte weiß nichts davon.
HIV/AIDS in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen blieb mit 3.200 Fällen im Jahr 2014 weiterhin stabil.

HIV/AIDS in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen blieb mit 3.200 Fällen im Jahr 2014 weiterhin stabil.

Einmal im Jahr gibt das des Robert Koch-Institut (RKI) Zahlen zur Prävalenz von HIV/AIDS in Deutschland bekannt. Die neue Schätzung hat nun ergeben, dass rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS leben. Darunter befinden sich rund 3.200 Neuinfektionen, das sind ebenso viele wie im Vorjahr. Diese Zahl ist allerdings eine Schätzung und entspricht nicht den tatsächlichen Neudiagnosen. Eine gute Nachricht ist, dass offenbar mehr HIV-Infizierte Medikamente gegen das Virus einnehmen und damit in der Regel kaum noch infektiös sind. „Dieser positive Effekt und die bisherigen Präventionsanstrengungen haben aber bislang nicht ausgereicht, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern“, kommentiert RKI-Präsident Lothar H. die neuen Zahlen.

Laut RKI-Schätzung sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit geschätzten 53.800 Betroffenen nach wie vor die größte Gruppe der HIV-Infizierten. Schätzungsweise 10.500 Infektionen gehen auf heterosexuelle Kontakte zurück. In dieser Gruppe soll die Zahl der Neuinfektionen leicht angestiegen sein. In der MSM-Gruppe ging sie dagegen moderat zurück.

13.200 Menschen wissen nichts von ihrer Infektion

Besonders alarmierend ist, dass etwa 13.200 der 83.400 Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. RKI und Deutsche AIDS-Hilfe appellieren daher zu frühzeitigen Tests. „Wer sich frühzeitig testen und gegebenenfalls behandeln lässt, kann lange und gut mit HIV leben“, betont DAH-Vorstand Ulf Hentschke-Kristal. „Aids ist heute fast immer vermeidbar – wenn man von der Infektion weiß!“

Das RKI weist daraufhin, dass gerade bei Heterosexuellen die HIV-Diagnose oft erst sehr spät gestellt wird. In dieser Gruppe sei das Risikobewusstsein geringer ausgeprägt und die Menschen ließen sich seltener auf HIV testen. Ärzte sollten daher bei Auftreten von sogenannten HIV-Indikatorerkrankungen auch bei als heterosexuell eingeordneten Patienten vermehrt an die Möglichkeit einer HIV-Infektion denken und einen Test empfehlen, rät das Institut.

 

480 HIV-bedingte Todesfälle in 2014

Laut Deutscher AIDS-Hilfe erfahren in Deutschland jährlich mehr als 1.000 Menschen erst von ihrer Infektion, wenn sie bereits an AIDS erkrankt sind. Hentschke-Kristal vermutet, vor allem die Angst vor Diskriminierung und der Glaube, mit HIV sei ein erfülltes Leben nicht mehr möglich, halte Menschen vom HIV-Test ab. Unerkannte HIV-Infektionen gefährden jedoch nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Partner. 2014 sind etwa 480 HIV-Infizierte gestorben.

Foto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HIV / AIDS , HIV-Test , HIV , Robert Koch-Institut
 

Weitere Nachrichten zum Thema HIV/AIDS

25.04.2019

HIV-Patienten müssen täglich mehrere Medikamente einnehmen. Forscher testen jetzt eine länger wirkende Behandlungsmethode: Eine Spritze mit einem Antikörper muss nur einmal in der Woche verabreicht werden.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
Weitere Nachrichten

Erreger der durch Zecken übertragenen Lyma-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Zur Entdeckung trugen Mütter aus Lyme (Connecticut) bei - daher der Name –, deren Kinder gehäuft an Gelenksentzündungen litten.

 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin