. Transgender

In Dänemark gilt Transsexualität nicht mehr als Krankheit

Transsexualität gilt nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Geschlechtsidentitäts- und damit als Persönlichkeitsstörung. Nun hat Dänemark als eines der ersten Länder Transsexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen.
Transsexualität in Dänemark nicht mehr psychiche Krankheit

Transsexuelle wünschen sich vor allem soziale Anerkennung

Im internationalen Diagnose-Katalog der WHO wird Transsexualismus als „Störung der Geschlechtsidentität“ bezeichnet. Betroffene und Experten kritisieren das seit langem. So hat beispielsweise im Jahr 2015 eine in der Fachzeitschrift Lancet Psychiatry veröffentlichte Umfrage gezeigt, dass Betroffene psychisch stärker unter der Ausgrenzung durch das soziale Umfeld leiden als unter den direkten Folgen ihrer Transsexualität. Als eines der ersten Länder weltweit hat Dänemark Transsexualität nun von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Auch in Frankreich gelten Transsexuelle seit 2010 nicht mehr als psychisch krank. Deutschland hält sich nach wie vor an die umstrittene WHO-Klassifikation.

Psychische Erkrankungen häufig eher die Folge von Ausgrenzung

Es ist absurd: Weil Transsexuelle von ihrem Umfeld häufig als psychisch gestört angesehen werden, fühlen sich viele von ihnen ausgegrenzt und diskriminiert. In der Folge entstehen nicht selten Depressionen, Angsterkrankungen und sogar Suizid-Gedanken. Was also häufig tatsächlich krank macht, sind Ausgrenzung und Gewalt, wie sie fast überall auf der Welt alltäglich sind – selbst in scheinbar so toleranten Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln.

Viele Transsexuelle hätten die Einordnung als psychische Krankheit als diskriminierend empfunden, erklärte das dänische Gesundheitsministerium. Deshalb wurde Transsexualität formell nun einer anderen Kategorie zugeordnet. Die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen, die lieber zum anderen Geschlecht gehören wollen, werden davon aber nicht beeinträchtigt. Die LGBT-Gemeinschaft in Dänemark begrüßt die Entscheidung. „Das entfernt das Stigma, das für Transpersonen im Gesundheitswesen gegolten hat“, so der Chef des dänischen LGBT-Landesverbandes Søren Laursen.

Transsexuelle haben oft mit bürokratischen Problemen zu tun

Betroffene plädieren dafür, die Einteilung von Transsexualität als psychische Erkrankung auch in anderen Ländern aufzuheben. Das würde viele Probleme, denen sie gegenüberstehen, lindern und beispielsweise die komplizierten Antrags- und Nachweisprozeduren für eine Personenstandänderung erleichtern. Ebenso würde es den Weg für ein absolutes Verbot von Zwangssterilisationen und -operationen ebnen, zu dem sich sogar Frankreich erst im Herbst 2016 bekannt hat.

Foto: © Matthias Stolt - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Entstigmatisierung , Depression , Psychiatrie , Stress , Psychische Krankheiten

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychiatrie

| Menschen mit psychischen Erkrankungen zu ermutigen, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen, ist das Ziel einer vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit koordinierten Kampagne zur Stärkung der Medienkompetenz Betroffener. Dadurch soll der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen entgegengewirkt werden.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.