. COVID-19-Pandemie

In Berlin startet der erste Drive-in für Corona-Tests

Keine Wartezeit – und so gut wie keine Ansteckungsgefahr für andere: Im Berliner Bezirk Neukölln können Personen mit Erkältungssymptomen und Verdacht auf eine Corona-Infektion jetzt in einer Open-Air-Teststation einen Schleimhautabstrich machen lassen. Die Teststation soll Gesundheitsamt, Kliniken und Arztpraxen entlasten. Möglich sein sollen mehrere hundert Tests am Tag.
Coronavirus Test Drive-in

In mehreren Bundesländern sind seit März Drive-in-Teststationen entstanden. Im April startet die erste in der Bundeshauptstadt Berlin. Eine zweite soll in Kürze folgen.

Wer sich um seine Erkältungssymptome Gedanken macht und der Klarheit halber einen Corona-Test machen will, den erwartet vor mancher Arztpraxis ein Stoppschild mit dem frustrierenden Hinweis: „Gehen Sie bitte wieder nach Hause und melden sich telefonisch bei uns.“ Groß und berechtigt ist die Angst vor Ansteckung – von anderen Patienten und dem kostbaren medizinischen Personal. Die Lösung kommt jetzt von einem Verkaufsmodell der Burger-Restaurant-Industrie: dem Autoschalter. Einzeln hinfahren, Fenster auf, Mund auf, Abstrich gemacht, weiterfahren. Keine Wartezeit –  und, anders als im Wartezimmer einer Arztpraxis, so gut wie keine Zeit, um andere anzustecken. In Berlin öffnet am 27. April der erste Corona-Drive-in der Bundeshauptstadt.

Testpersonen können und sollen im Auto sitzen bleiben

Eine entsprechende Teststation aus mehreren Zelten und einem Büro-Truck will das Bezirksamt Neukölln auf dem Parkplatz vor dem Estrel-Hotel an der Sonnenallee aufbauen lassen. In dem Testzentrum können Personen mit dem Auto vorfahren und während der Corona-Probe, die mit einem langen Wattestäbchen an der Mundschleimhaut genommen wird, auch im Auto sitzen bleiben.

 

Ziel: Gesundheitsbehörden entlasten, Infektionsketten unterbrechen

Die Tests sollen Bewohnern des Bezirks vorbehalten bleiben, die sich infiziert haben könnten oder nur leichte Symptome zeigen. Voraussetzung ist eine Terminvereinbarung in Folge eines Beratungsgesprächs mit dem Gesundheitsamt. Ziel sei es, so viele Menschen wie möglich zu testen, um damit einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus zu begegnen, sagt Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU). Mit der Maßnahme sollten vor allem die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes entlastet werden, die bislang bei Hausbesuchen Abstriche machen, sagte Liecke, der auch stellvertretender Bezirksbürgermeister ist. „Die schaffen im Moment 40 bis 60 am Tag. Mit dem Drive-in hoffen wir auf Hunderte Tests täglich.“

Nach Neukölln soll als zweiter Bezirk in Berlin auch Mitte eine Massenteststation bekommen. Dies kündigte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) an. Die Idee sei es, in größerem Umfang Kontaktpersonen von Infizierten testen zu können, um Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen.

Hartmannbund: „Folgerichtig, wenn Beschränkungen gelockert werden"

Die Ärztevereinigung Hartmannbund begrüßte unterdessen die Einrichtung öffentlicher Teststationen ausdrücklich. „Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern haben gezeigt, dass durch Drive-in-Tests großflächige Abstricherfassungen durchgeführt werden können“, sagte Uwe Torsten, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin im Hartmannbund. „Angesichts der anstehenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen ist diese Initiative aus unserer Sicht absolut sinnvoll und folgerichtig.“ Torsten, der leitender Klinikarzt am Neuköllner Vivantes Klinikum ist, geht zudem davon aus, dass  Drive-in-Tests Praxen, Kliniken und auch Gesundheitsämter entlasten würden. Drive-in-Teststellen gibt es seit März in Orten in mehreren Bundesländern, darunter in Braunschweig, Elmshorn, Esslingen, Halle, München und Würzburg.

Foto: AdobeStock/Zstock

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