Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Importe sollen Versorgungsengpass bei Tamoxifen lösen

Sonntag, 6. März 2022 – Autor:
Fünf Millionen Tamoxifen-Tabletten wurden bereits nach Deutschland importiert, um den aktuellen Versorgungsengpass in der Brustkrebsbehandlung zu beheben. Im Mai sollen weitere 20 Millionen Tabletten folgen, teilte das BfARM am Donnerstag mit.
Der Versorgungsengpass bei Tamoxifen scheint vorerst gelöst zu sein

Der Versorgungsengpass bei Tamoxifen scheint vorerst gelöst zu sein – Foto: © Adobe Stock/I Viewfinder

Zunächst war von Lieferschwierigkeiten bei Tamoxifen die Rede. Am 21. Februar 2022 hatte das Bundesgesundheitsministerium offiziell einen Versorgungsengpass bekanntgegeben. Auf dieser Grundlage konnten die Landesbehörden nun fünf Millionen 20 mg Tamoxifen-Tabletten nach Deutschland importieren. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) am Donnerstag mit. Die Tabletten sind demnach bereits im Markt angekommen und würden bis zum 15. März in den Verkehr gebracht, hieß es. Weitere 20 Millionen Tabletten in der Stärke 20 mg würden bis spätestens Mai folgen. 

Versorgung mit Tamoxifen aktuell gesichert

„Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Arzneimitteln kann die Versorgung aller Patientinnen sichergestellt werden“, so das BfARM. Allerdings sollten nur kleine Packungsgrößen mit 30 Tabletten abgegeben werden, um bis Mai eine gleichmäßige Verteilung sicherzustellen. Der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe am BfARM appellierte an die Ärzte und Ärztinnen ebenso wie an Apotheker und Apothekerinnen, diesen Empfehlungen unbedingt zu folgen. Üblicherweise verschreiben Ärzte Packungen mit 100 Tabletten.

Das BfARM geht davon aus, dass sich die Versorgungslage ab Mai 2022 deutlich entspannen wird.

 

Unentbehrliches Arzneimittel

Tamoxifen steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Antiöstrogene. Er blockiert die Bindung von Östrogenen an die entsprechenden Andockstellen (Rezeptoren) der Krebszellen. Durch das fehlende Wachstumssignal kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung und zu einer Hemmung des Wachstums hormonabhängiger Tumorzellen. Tamoxifen ist für Brustkrebsbetroffene mit einem hormonrezeptor-positiven Tumor ein fester Bestandteil der Therapie und wird meist über Jahre eingenommen. Eine gleichwertige Alternative gibt es nicht.

Schwierige Suche nach neuen Zulieferern

Zu den Lieferengpässen ist es gekommen, weil einige Zulieferer ihre Produktion eingestellt haben. Denn das Geschäft rentierte sich nicht mehr für sie. Der Verband Pro Generika teilte im Februar mit, kurzfristig nach alternativen Zulieferern zu suchen. Das aber nehme aufgrund hoher regulatorischer Anforderungen Monate bis Jahre in Anspruch. Überdies sei das Angebot an möglichen Zulieferern nur sehr gering, so der Verand, weil sich aufgrund des jahrelangen Kostendrucks immer weniger Zulieferer an der Produktion von Tamoxifen-Präparaten beteiligten.

Unrentables Geschäft

Für eine 100er-Packung Tamoxifen erhalten die Arzneimittelhersteller von den Krankenkassen 8,80 Euro. „Zu diesem Preis ist eine wirtschaftliche Produktion ohne Verluste kaum mehr möglich und eine resiliente Lieferkette schon gar nicht“, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika. Bei lebenswichtigen Arzneimitteln wie Tamoxifen müssten Preisdrücker wie Preismoratorium, Festbeträge und Rabattverträge rechtzeitig ausgesetzt werden, fordert Brettenhauer. Und das so lange, bis sich wieder mehr Unternehmen an der Versorgung beteiligten.

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkreb

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
An Covid-19 sterben – viele halten das für eine Angelegenheit der Generation 60plus. Eine Studie aber zeigt: Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck erhöhen für Jüngere das Sterblichkeitsrisiko in einer Dimension, als seien sie alt.


„Im Höhenflug“ sein oder „ganz geknickt“: Die Seelenlage kann sich über die Körperhaltung artikulieren. Umgekehrt kann aber auch die Körperhaltung eine Rückwirkung auf die Selbstwahrnehmung und das Verhalten besitzen. Das zeigt eine deutsch-amerikanische Studie.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin