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Implantatierter Defibrillator häufig unnötig

Ein implantierter Defibrillator soll Herzpatienten vor dem plötzlichen Herztod schützen. Doch der Eingriff ist riskant und oftmals unnötig. Am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) wird darum untersucht, welche Patienten tatsächlich von einem Defi profitieren.
Ein Defibrillator kann Leben retten. Doch implantierte Geräte tun das nur selten und lösen oft traumatisierende Fehlschocks aus

Ein Defibrillator kann Leben retten. Doch implantierte Geräte tun das nur selten und lösen oft traumatisierende Fehlschocks aus

Je schwächer das Herz, umso häufiger treten Herzrhythmusstörungen auf. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Herzstillstand, dem sogenannten plötzlichen Herztod kommen. Um das zu vermeiden bekommen zurzeit alle Patienten mit einer schweren Herzschwäche und hochgradig eingeschränkter Pumpleistung des Herzens einen Defibrillator implantiert. Das Gerät erkennt den unregelmäßigen Takt und feuert elektrische Signale ab, die das Herz wieder geordnet schlagen lassen.

Der Lebensrettende Schock wird nur selten ausgelöst

Der lebensrettende elektrische Schock wird aber jährlich nur bei fünf Prozent der Patienten ausgelöst, ergo ist er in vielen Fällen unnötig. Dazu ist der Eingriff riskant für die herzgeschwächten Patienten. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) überprüft nun, ob Ärzte mithilfe einer Magnetresonanztomographie des Herzens schon vor dem Eingriff besser beantworten können, welche Herzschwäche-Patienten von einem implantierten Defibrillator profitieren.

Studien zeigen, dass Patienten mit nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathie (NIDCM) keinen Überlebensvorteil von dem Implantat haben, obwohl die Pumpleistung des Herzens bei dieser Form der Herzschwäche stark eingeschränkt ist. „Viele Patienten profitieren von den verbesserten Medikamenten“, sagt Studienleiter Professor Ingo Eitel, Direktor des Universitären Herzzentrums Lübeck. Das gelte jedoch nicht für alle, „denn innerhalb von fünf Jahren sterben rund 30 Prozent von ihnen an einem durch bösartige Rhythmusstörungen ausgelösten plötzlichen Herztod.“

 

Vernarbter Herzmuskel ist Risikofaktor für den plötzlichen Herztod

Lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen treten dann besonders auftreten, wenn der Herzmuskel vernarbt ist. Solche Vernarbungen (Fibrosen), lassen sich heute mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen. Darum werden in der Studie alle 760 Studienteilnehmer mit einer nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathie und einer dauerhaft stark reduzierten Pumpleistung zunächst mit dem MRT untersucht. Eine Gruppe bekommt anschließend einen Defi implantiert, die andere Gruppe nicht. In einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren wollen die Wissenschaftler herausfinden, welche der Patienten von dem Implantat profitieren.

Traumatisierende Fehlschocks vermeiden

„Beim implantierten Defibrillator zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie bei Herzschwäche ist. Denn diese Erkrankung hat viele Ursachen und wirkt sich dementsprechend unterschiedlich aus“, so Eitel.

Sollte sich die Hypothese der DZHK-Wissenschaftler bestätigen, könnten unnötige Defi-Implantationen bei Patienten mit Herzmuskel-Fibrose zukünftig vermieden werden. „Ein großes Problem sind Fehlschocks, bei denen der Defibrillator ohne Grund auslöst. Sie sind psychisch sehr belastend und können den Patienten traumatisieren, sodass Angststörungen und Depressionen entstehen“, sagt Eitel. Weiter können während der Implantation oder des Batteriewechsels Komplikationen auftreten. Auch diese Risiken lassen sich vermeiden, wenn die Studie zeigt, dass implantierte Defibrillator den Betroffenen gar nicht nützen.

Foto: © Adobe Stock/ wavebreak3

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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